43.Tag: Von Sarrebourg nach Straßburg
für den besten Radweg der ganzen Reise. MannoMann, das war ein Erlebnis! Und das, obwohl es fast den ganzen Morgen genieselt hat.
Aber von Anfang an:
Er regnet schon beim Aufstehen. Ungemütlich, aber überhaupt nicht kalt. Zuerst muss ich mir Chagall-Fenster in der Kapelle zum Heiligen Lamm anschauen.
Geht aber nur von Außen. Genuß begrenzt. Die Kapelle ist zu. Schade.
Mir ist klar, dass ich in Sarrebourg noch nicht den Scheitel dieses Vogesenkamms erreicht habe, da muss ich schon noch etwas höher. Ich habe mir einen ganz schlauen Weg rausgesucht, nur leider ist der um ersten Mal überhaupt nicht ausgeschildert. Aber hier sprechen die Leute ja schon Deutsch, was aber auch nicht ganz einfach zu verstehen ist. Mit Hilfe vom Briefträger und einem netten Herrn, finde ich den Weg nach Hommarting und die Straße hinauf auf die Höhe. Hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Oben angekommen, sehe ich den Kirchturm von Arzwiller unter mir. Soll das schon alles gewesen sein? Ich bleibe misstrauisch.
In Arzwiller finde ich sofort das Radwegschild. Wenn meine Karte mich nicht angeschmiert hat, dann habe ich jetzt Radweg bis Straßburg. Wäre das schön!!
Was mich aber noch mehr verblüfft, es geht wirklich schon abbi!! Aber schon wie!
Kurz hinter Arzwiller, der alte Tunnel.
Ist wohl nicht mehr in Betrieb. Hier kommt noch einmal Verwirrung auf, das Radwegschild zeigt in 2 Richtungen. "Lutzelbourg" wäre in Ordnung. - Aber der schöne neue Kanal ist "dort drüben"!!!
Ich vertraue den Schildern. Bald verstehe ich den Grund meiner Verwirrung. Ein wunderschöner Radweg folgt dem alten Kanal. Der "leer" ist.
Die Strecke entlang des alten Kanals haut mich fast um. Hier komme ich überhaupt nicht voran. Ein Fotomotiv schöner als das andere. Ich stehe ja auf den morbiden Charme des Verfalls.
Die meisten der Schleusenhäuschen sind verfallen. Ein paar wenige sind hergerichtet, dieses hier sogar bewohnt. Aber bis zum"Restaurant" haben die Besitzer noch einen weiten Weg.
Es regnet inzwischen etwas heftiger.
Dem Kollegen Ziegenbock ist es eindeutig zu feucht. Er bleibt im Stall und beobachtet verwundert, den einzigen Radfahrer auf der Strecke.
Oberhalb des Kanals verwegene Felsformationen, denen man ansieht, dass sie von Wassermassen geformt worden sind. Oben scheint ein Wanderweg zu verlaufen. Bestimmt auch schön. Aber kein Vergleich zu dem Spaß, den dieser Radweg macht, der wirklich flott nach unten geht.
Ein Highlight folgt dem anderen. Für einige hundert Meter haben sie den Radweg "in/auf /über" den Kanal gebaut, man fährt quasi direkt durch die alten Schleusen- das ist schlichtweg genial.
Und weiter geht es hinunter. Kilometer für Kilometer. Jeden Höhenmeter über den ich die letzten 2 Tage geflucht habe, bekomme ich aufs Allerangenehmste zurück!
Vor Lutzelbourg kommt der alte Kanal zurück zum neuen. Ich habe zwar nicht das Schiffshebewerk gesehen, aber dafür die verwunschenen Ecken des maroden alten Kanals. Das war viel spannender.
Lutzelbourg hat mir auch sehr gefallen.
Noch sind wir in Lorraine erst zwischen Lutzelbourg und Saverne ist die Grenze zum Elsaß.
Saverne ist ein bezauberndes Städtchen, in dem es sehr lecker Kaffee gibt.
Zu Saverne liesse sich eine ganze Reihe von interessanten Geschichten erzählen, die Stadt liegt seit jeher an einem strategisch äußerst wichtigem Punkt - eben an einem einfachen Übergang durch die Vogesen, aber für heute verkneif ich mir das, schließlich kommt ja noch Straßburg.
Aber, das klassizistische Rohan-Schloss hätte schon viel kurioses und auch weniger kurioses zu erzählen. Die Fürstbischöfe von Straßburg haben sich hier verewig, und in den Kellern des Schlosses
vielleicht da hinten rechts, hat Cagliostro seinen Budenzauber abgehalten und behauptet, er würde jetzt Gold herstellen.
Über die Zaberner Unruhen werde ich vielleicht ein andermal erzählen. Auch eine verrückte Geschichte.
Nach Zabern spielt sich ein bemerkenswertes Wettrennen zwischen mir und den Regenwolken ab. Diese werden heftigst und dunkel von rechts hinten nach links vorne durchs Bild geblasen. Ich kreuze, ebenfalls heftigst, von links hinten, nach rechts vorne. Irgendwann im Schnittbereich unserer Bewegungen ist der Weg nass, doch ich bleibe für den Rest des Nachmittages trocken.
Schade, dass es keinen elsässischen Velásquez gegeben hat, das wäre ein Bild für ihn gewesen.
Straßburg rast auf mich zu. Ich kann es kaum fassen.
Und schwuppdiewupp ist der Europäische Gerichtshof direkt vor mir. Jetzt aber schnell in die Innenstadt abbiegen.
An die 80 km sind es heute gewesen- ich bin schon vor 15:00 im Hotel "Swiss", gleich neben dem Straßburger Münster.
In der "Best-of-Liste:Hotels dieser Reise", wird es sicher, ich möchte der Jury nicht vorgreifen, um die ersten Plätze mitmischen.
Und Straßburg. Ich mag diese Stadt. Verfressen wie Nantes, aber mit diesem unglaublichen roten Ungetüm, dem Raumschiff in der Altstadt. Das Münster, welches, egal wie oft ich davor stehen werde, nichts an Faszination verlieren wird.
Allein die Portale.
Mal ganz ehrlich, mit wem würdet Ihr lieber um den Block ziehen, mit den "törichten Jungfrauen"
oder mit den klugen
Die Antwort erübrigt sich wohl. Wer will schon mit einem überdimensionalen Zahnstocher im Mund malträtiert werden. Man muss das gesehen haben, mit welcher Nonchalance hier "gefoltert" wird.
Straßburg swingt heute. Überall Straßenmusik vom Feinsten. Und aus dem Münster kann man ein Konzert mithören.
Da rockt der Elsässer und die Elsässerin gewaltig mit.
Tja, Straßburg wird in der Kategorie, "Beliebteste Stadt der Reise" sicher auch ganz vorne dabei sein.
Heute, im Laufe dieses schönen Tages ist die Entscheidung leicht gefallen. Ich werde die "Schleife" zumachen!
D.h. Morgen fahre ich runter bis Breisach. In Neuf-Breisach werde ich noch einmal übernachten, denn von Straßburg bis Basel sind es auf den kleinen Wegen rund 120 km. Und am Sonntag radle ich "auf vertrauten Wegen" nach Basel rein, an den Badischen Bahnhof und von dort wie bei dem Losfahren, möchte ich nach Engen mit dem Zug heimfahren.
Die getreuen Leser des Blogs werde also noch mindestens 2x Morgenlektüre haben. Die "Abrechnung" erfolgt am Sonntag in Engen.
Aber erst einmal eine "geruhsame Nacht",- bis Morgen!




















ENDSPUUUUUURT! !
AntwortenLöschenWenn Du das Schiffshebewerk nicht sehen konntest, musst Du in unsere "Kiezkneipe" Storikenescht nach Konstanz kommen und ab und zu aufs Klo gehen, dann kannst Du es auf einem schönen Foto bewundern.
AntwortenLöschenWar mir schon klar, dass Du die Schleife zumachst!