22.Tag: Von Ancenis nach Nantes
Hier in Nantes kann man das Meer schon riechen. Bilde ich mir jedenfalls ein. Hier irgendwo beginnt der Mündungstrichter der Loire. Ich habe den Eindruck in einer richtigen Hafenstadt zu sein.
Doch von Anfang an:
Mit den Zeitfalten ist es so eine Sache, sie treffen einen immer unverhofft. So auch heute Morgen. Wer hätte gedacht, das im Frühstücksraum des Brithotels Akwaba eine Zeitpforte ist. Gibt es aber - aufpassen!
Ich sitze, mümmle mein Müsli mit Naturjoghurt und Apfelmus (schmeckt super, sollte man nicht glauben), da höre ich es hinter mir schlurfen.Ich drehe mich um, da quert ein alter Mann in einem seidenen Bademantel, unter dem ein blaugestreifter Schlafanzug vorlugt, mit ziemlich großen Pantoffeln an den Füssen den Raum.Eine Hand liegt auf dem Rücken, mit der anderen macht er weit ausholende Gesten. Ein Geist kann es nicht sein, dafür ist es eindeutig zu hell und in seinem wilden Haarkranz, der kreuz und quer steht, bricht sich die Morgensonne. Er schlurft zum Buffet, er schlurft zurück, dann nimmt er sich was, schlurft wieder zum Buffet. Dann schlurft er raus. Ich bin mir nicht sicher was ich gesehen habe.Für mich war das eine Figur aus Honore Daumiers Panoptikum, vielleicht ein pensionierter Brigadegeneral, der nur mal schnell zum Frühstücken ist, ehe er sich wieder dran macht auf seinem Bett Schlachten nachzustellen.
Dann kommt er mit der jungen Dame von der Rezeption zurück. Schimpft und brummt vor sich hin. Selbst mit meinen rudimentären Französischkenntnissen, ist mir klar, dass ihm etwas an der Kaffeemaschine nicht gefällt. Warum da nicht die Namen auf Französisch stehen. "Unverschämtheit" wo sind wir denn hier, was ist aus der Grande Nation geworden, wenn man sich nicht mal mehr mit einer Kaffeemaschine unterhalten kann. Die Frau von der Rezeption sagt etwas wie, Schweizer Maschine, guter Kaffee. Er brummt etwas, sie drückt für ihn den richtigen Knopf. - Nebenbei bemerkt, stand eine Kanne frischen Kaffees direkt neben der Kaffeemaschine. Wir saßen uns mehr oder weniger gegenüber. Ein beeindruckender Charakterkopf, ein schöner Morgenmantel, vielleicht als Mitbringsel aus den Kolonien. Gaanz vorsichtig habe ich den Frühstücksraum im Hotel Akwaba verlassen. Ich wollte auf gar keinen Fall in die Zeitfalte geraten und im 19.Jahrhundert landen. Wäre ich auch blöd aufgefallen.
Heute habe ich nur eine kure Etappe vor mir. Nantes hat einiges zu bieten Gegen Mittag sollte ich dort sein.
Ich folge auch heute nicht mehr den Schildern des Eurovelo.
In Oudon ist ein schönes Schloss:
hat aber leider noch zu. Nach Eurovelosollte man die Flussseite wechseln, gibt aber keine Schilder. Ich und zwei holländische Damen kreisen auf dem Bahnhofsplatz. Wir schauen uns gemeinsam die Karte an. Ich finde, das Sträßchen auf der Rechten tut´s. Die beiden Damen drehen um und suchen die Brücke.
Ich fahre weiter und entdecke etwas Neues. Anscheinend gibt es nicht nur Wege, die Flüsse begleiten, heute zumindest war ein schmales Sträßchen, später eher ein Weg, der die Bahnlinie begleitete. Ganz offensichtlich ist dieser Weg gebaut worden, um auch mit Fahrzeugen an die Bahnlinie zu kommen, falls mal ein Notfall ist. Der Weg ist sicher so alt wie die Bahnlinie, die hier in den Steilhang gefräst worden ist. Also, links von mir der Fluss, rechts über mir die Bahnlinie. Ein superschöner Weg.
An Bahnlinien entlang zu fahren, mag nicht so romantisch sein wie auf Treidelpfaden, den Flüssen zu folgen. Bahnlinien haben aber 2 nicht unwesentliche Vorteile. Sie neigen nicht zum Mäandrieren. Von A nach B, ist die kürzeste Strecke immer noch die Gerade. Und: Bahnlinien haben es auch nicht so mit den Steigungen, genau wie ich. Wir scheinen ganz gut zusammen zu passen. Mal schauen, ob sich meine neue Theorie aufrechterhalten lässt.
Einziger Nachteil dieses Weges ist, dass er ganz schön ruppig mit meinem armen Fahrrad umgeht. Heute hat es seine erste Bläsur, nach einigen Tausend Kilometern erfahren. Als ich kurz vor Nantes, die Stoßdämpfer des Vorderrades wieder ausschalten will, denn auf Asphalt sind sie eher unpraktisch, merke ich, dass der Umschalthebel weg ist. Abgesprungen. Blöd! Aber nicht dramatisch. Ich kann mit den Fingern den kleinen Zahnkranz erreichen und die Stoßdämpfer ausstellen. In Nantes habe ich versucht Ersatz zu bekommen. Da stehen die Chancen eher schlecht. Na ja, dann fahre ich halte nicht mehr ins Gelände und bleibe brav auf guten Wegen. Ich will ja wirklich nicht, dass sich mein treuester aller Gefährten stückweise von mir verabschiedet. Ich habe ihm heute Abend eine Sonderpflegeeinheit versprochen (und es auch gehalten).
Um 11:30 bin ich in Nantes. Selten so "grün" in eine Stadt gefahren. Bei der neuen "Willy-Brandt-Brücke" hören die Vororte auf:
Auf dem Weg ins Zentrum, - meistens suche ich zuerst das Touristenbüro, um mir ein Kreuzchen auf einen Stadtplan zu bekommen, womit ich mein Hotel dann suchen kann, komme ich zufällig von selbst an meinem Hotel vorbei! Super! Denkste! Es gibt in Nantes 3 City`Aparthotels, meins ist auf der anderen Seite des Zentrums. Ich bekomme die Karte mit dem Kreuzchen, aber leider komme ich erst Viertel nach 12 an. Von 12 bis 15:00 ist die Rezeption zu.
Mache ich halt Sightseeing in meinen schicken Radlerklamotten. Blöd nur, dass man mit dem ganzen Gepäck nicht unbedingt Sehenwürdigkeiten von Innen anschauen kann.
Das Chateau Ducal,
der Ort an dem das Edikt von Nantes unterzeichnet wurde, reicht von Aussen. Innen ist es ein Schifffahrtsmuseum. Muss ich heute nicht sehen. Nein, kein historischer Exkurs über das Edikt von Nantes!
(Hat ja damals auch nicht so ganz geklappt mit der Glaubensfreiheit in Frankreich, es war aber immerhin ein erster Versuch, noch vor dem 30jährigen Krieg!!)
Nantes gefällt wir wirklich sehr gut. Ganz besonders beeindruckt, hat mich, dass hier mehrfach auf öffentliche Kunst gesetzt wurde, mit der die Leute was anfangen können, und die jeder witzig findet.
Ehrlich gesagt bin ich zuerst an zweien vorbei gefahren ohne zu merken, um was es da geht.
Zum Beispiel:
Ein halbkreisförmiger Fußballblatz, die Tore stehen sich nicht gegenüber, sondern sind nebeneinander. Den Platz habe ich nicht ganz auf das Bild bekommen. Das 2.Tor müsst ihr auch weiter rechts vorstellen.
ABER:
Im Spiegel an der Mittelinie, ist der Platz "fast" richtig dargestellt.
Auf einem Platz ist diese Achterbahn aufgebaut:
Nur ist die nicht zum Fahren! Rund um den Platz sind Cafes. Jedes Cafe hat andersfarbige Stühle, von jedem Cafe, geht eine Stuhlschlange in die Achterbahn. Die Skulptur besteht nur aus Cafehausstühlen. Wirklich schön und witzig.
Und ein beliebtes Fotomotiv.
Und Morgen will Manne als Meer!! Ein kleines Problem beschäftigt mich schon seit einigen Tagen.
An Mittagspausenplätzen trifft man Fernradler. Man unterhält sich und tauscht Informationen aus. Eine sehr nette Familie aus Paris hat mich schon vor einigen Tagen darauf aufmerksam gemacht, dass der Eurovelo 6 eigentlich nicht in St.Nazaire endet, sondern in St. Brevin-les Pins.Auf den Karten fährt man über eine Brücke, die ist etwa 6 km lang und hat eine Steigung von 5,6% bis zur Mitte und dann 5,6 % abbi.
Und- jetzt gehen die Informationen auseinander. Die Überquerung ist für Fahrräder verboten. Andere sagen, man darf schon, ist aber nicht gern gesehen und durchaus gefährlich. Manchmal wird bei zu starkem Wind, die Brücke ganz gesperrt.
Das möchte ich eigentlich nicht drauf ankommen lassen.Es gibt einen Bus, der nach Saint-Nazaire rüber geht, der nimmt aber nur 8 Fahrräder mit und nur nach Voranmeldung. Ich habe bei der Nummer mehrfach angerufen. Zu den Öffnungszeiten war immer besetzt , und dann ging natürlich niemand mehr ran.
Aber Saint-Nazaire ist ja keine Insel. Ich habe beschlossen, mir einen Radweg auf der rechen Seite zu basteln. Mal sehen wie das klappt. Morgen werdet Ihr es erfahren.
Und: Ob dies das Ende von Mannes Sommerradtour war!








Wenn Du morgen den Atlantik erreichst, lassen es die Konstanzer Dir zu Ehren mit einem großen Feuerwerk krachen!
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