Samstag, 8. August 2015

23.Tag: Von Nantes nach Saint Nazaire



Tataaa! Wir sind da! Der treueste aller Gefährten und ich!!! 
Unglaublich: Es sind  exakt, bis zu diesem Punkt 1400 km geworden.
Vom Schwarzen Meer bis Saint Nazaire  genau 4400km - und nicht 5000, wie die Euroveloer ausgeben. Ich habe es abgefahren!!! Mein Tacho stimmt!!

Aber von Anfang an:

Heute hat mein innerer Wecker nicht so ganz funktioniert. Es ist später als sonst, vor dem Fenster sieht es  ziemlich düster aus. Ich packe um. Ärmlinge und Beinlinge nach oben. Es könnte unfreundlich werden. Doch als ich nach dem Frühstück meinen treuen Drahtesel packe, ist alles halb so schlimm. Eher etwas schwül. Als nur ärmellose Jacke. Aus Nantes rauszufahren ist bei weitem nicht so idyllisch wie die Reinfahrt. Hafenanlagen. Container. Öltanks. Aber ich finde den Einstieg in meinen "privaten" Radweg für heute sehr schnell. Schon nach einer halben Stunde bin ich in Couëron. Der Ort ist mir auf Anhieb sympathisch. Beeindruckt bin ich vor allem, was sie mit ihrer Industriearchitektur gemacht haben. Anstatt die Industriebrache abzureißen haben sie sie umgewidmet. Super!!!

Und dann um die Ecke, der nächste Hammer!! Wenn mein Freund Stephan diesen Block lesen sollte und mir nicht auf der Stelle einen begeisterten Kommentar zukommen lässt, dann liest er ihn eben nicht.

Im fernen Frankreich ein BVB Burgerimbiss. Ich glaube wieder an den Europagedanken und die Völkerverständigung! Oder was meinst ihr Stefan, Carsten W. und alle Weggefährten von 3T3S ?

In Couëron muss ich ein kleines Sträßchen finden. Ich will nicht auf die große Bundesstraße. Eine Straße geht in ein modernes Wohnviertel ab, einige Samstagsradler fahren da rein. Ich also hinterher. Ich möchte jemand fragen. Alles ausgestorben. Nach 2 km treffe ich eine Frau beim Brombeerpflücken (hier gibt´s reife Brombeeren Friederike!! Únd zwar viele. Sie wird Brombeermarmelade machen, erzählt sie gerade der Nachbarin) Sie meint kein Problem, immer gerade aus!! Nach 2 km komme ich an das erste und letzte Schild für viele Stunden. 

Genau! Der Ort liegt auf der Route, die ich ausgeheckt habe!! Aber da, 1, 2, 4 ... 6, 7 Fahrradfahrer, Samstagsradler fahren alle gerade aus weiter. Vielleicht sollte ich auch...? Und das ist der Beginn meiner heutigen Odysee in den Sumpfgebieten der Loiremündung. Ich fahre auch geradeaus. Wäre ich, hätte,... hätte Fahrradkette..., wie ein mir noch immer sympathischer Politiker zu formulieren pflegte.
Die Wege sind super. Alles asphaltiert, alles neu. Die Richtung stimmt perfekt. In der Ferne sehe ich sogar schon Schornsteine.
Und dann. Sackgasse. Ich weiß nicht, wo die Samstagsradler abgebogen sind. Meine Straße endet an einem Zaun. Und die Schornsteine sind Teil des AKWs von Cordemais, wohin ich ja auch fahren möchte. Aber nicht auf dieser Straße.
Das hat mich die ersten 5-6 km gekostet.  Ich muss doch auf die Bundesstraße hoch nach Saint-Etienne-de-Montluc. Das hätte ich auch einfacher haben können.
Gut, bei den ersten 6 km Umweg hat mein Kompass gestimmt. Blöd, dass AKWs nicht auf der Karte eingezeichnet sind. Abhaken.
Der 2. Umweg geht dann auf meine Kappe, noch mal 4 km.Eine Kreuzung zu früh abgebogen. An der Loire gelandet. Das ganze wieder zurück.
Der 3. Umweg hat die blöde Karte vom Eurovelo6 zu verantworten.
Dazu gleich. Ich komme also endlich, wie ursprünglich geplant, nach Cordemais. Jetzt auf der richtigen Seite des AKWs. Ein so reiches Dorf habt ihr noch nicht gesehen. Sogar ein Theater scheint es zu geben!
Hier findet ihr garantiert keine Atomkraftgegner.
Schicke Einfamilienhäuser, Villen. Dass bei manchen die Starkstromtrasse  fast direkt über das Häuschen geht, scheint niemand zu stören. Jeder, wie er mag.
Und nun, aus dem Dorf raus, bin ich sauer auf die Kartenmacher. Da gibt es eine kleine "Bundesstraße", die D 90, die haben die Vollpfosten einfach nicht eingezeichnet. Erst nach weiteren 4 km Umweg finde ich sie und radle von da an völlig entspannt Richtung Donges. Völlig entspannt ist etwas übertrüben, denn kaum bin ich aus dem idyllischen Sumpfland raus, will mir der Westwind noch einmal zeigen, was er so drauf hat. Und er es hat drauf!!!
Die nächsten 30 km gehören zum hässlichsten, was ich auf dieser Reise abgeradelt bin. Petrochemie, erste Hafenanlagen. Eine zeitlang riecht es lecker nach Nudelsuppe mit Hühnchen. Da hat wohl Maggi ein Zweigwerk. Dann der Flughafen von St Nazaire, dann wieder Benzindepots, es stinkt übel.Und die Einfahrtsstraßen nach Saint Nazaire werden auch nicht kuschliger. Aber zum Glück ist der Samstagsverkehr mäßig.
Dann der Anblick, der mich mit den Fährnisse des heutigen Tages versöhnt.


Zum ersten Mal sehe ich die Brücke, die Gesprächsgegenstand auf so manchem Rastplatz vor Nantes war. Nein, - da drüber,  nicht für viel Geld! Selbst wenn es nicht verboten wäre (was es anscheinend wirklich nicht ist, ich habe einen jungen Orleanser getroffen, der behauptete, dass er  drüber gefahren ist). 
Auf der platten Bundesstraße nach Saint Nazaire hinein stehen alle hundert Meter Schilder, die vor böigen Winden warnen, und ich eiere auf dem Seitenstreifen. Mit dem Fahrrad über die Brücke zu fahren wäre kein Vergnügen. Außerdem ist die Brücke anscheined teilweise gesperrt. Stau! Da radle ich doch sehr entspannt weiter durch die Hafen- und Industrieanlagen.

Nicht gerade idyllisch, aber doch interessant. Manchmal denke ich Saint Nazaire ist nur Hafen. Aber gehört zum Hafen nicht auch das Meer?  Das Meer! Das Meer!  La Mer! Verdammt noch  mal! Vom Meer weit und breit nichts zu sehen.
Dann kommt das russische Schiff, von dem mir mein Orleanser Freund erzählt hat, den ich auf der Verkehrsinsel getroffen habe. 


Muss ich unbedingt noch rauskriegen, ob das ein offizieller Besuch der russischen Flotte ist, was ich mir nicht vorstellen kann, oder ob eine französische Werft einen Superauftrag  an Land gezogen hat, ehe die Strafaktionen gegen Russland beschlossen wurden. Und nun liegt das Riesentrumm im Hafen rum.
Dann kommt noch ein riesiges Bahngelände, Die Radfahrer werden gebeten ihr Velo eine Brücke hoch
zu schieben. Dann! Ganz in de Ferne! eine Allee! Dort hinten könnte das Meer sein!  Das 
Meer gibt es wirklich. Ich bin da!! 
88 km sind es heute geworden. Aber jeder Kilometer war es wert, diesen Moment zu erleben! 

 

Nach einer kleine Strandpause. - Ok, Morgen inspiziere ich das Meer genauer! Ja, gebongt, ich nehme die Badehose mit!- Fahre ich ins Zentrum.
Unterschiedlicher können Städte nicht sein. Nantes: Eine gigantische Fressmeile. Kneipe an Kneipe, Lokal an Lokal. Geschäfte eher Fehlanzeige.
Saint Nazaire: Laden an Laden. Kleiderläden ohne Ende. Sonderangebote stehen auf Kleiderständern mitten in der Straße.Nix zu essen. 
Und jetzt kommt der Clou: Die Nanteserin ist sehr gut angezogen. Die Saint Nazairerin eher nicht,- oder sollte ich besser sagen, die Frauen, die die Straßen von Saint Nazaire bevölkern. Zur Ehrenrettung der Saint Nazairerin vermute ich mal, dass es mehrheitlich Touristinnen waren. Über Nationalitäten werde ich jetzt keine Vorurteile verbreiten. Sonnenverbrannte, stark alkoholisierte Engländer sehen übrigens auch nicht besser aus als ihre Gattinnnen.
Dennoch finde ich dem erhebenden Anlass angemessen, ein sehr gutes türkisches Lokal. Das Lamm war vom Feinsten und mir zu Ehren findet auf der Straße noch ein "umsonst und draußen" Konzert statt. Ein spanisches Duo. Schöne Stimmung.
Um den Abend würdig abzuschließen, werde ich nachher mit einer guten Dose belgischen Bieres  (ihr wollt mich nicht wirklich zum Sekt zwingen?) auf die Dachterrasse des Hotels steigen, meinen Blick gen Westen - so etwa nach Konstanz richten,  und mir vorstellen, wie das große Feuerwerk zu meinen Ehren dort drüben heute Nacht abgeht. Wir mir mein treuer Leser Hubert glaubhaft versichert hat.

Aber eine Frage ist noch offen: "Soll das schon Alles gewesen sein?"

Die Reise ans Meer, war wunderschön. Vor allem, die ersten 900 km, aber ich würde schon noch gerne ein wenig weiter radeln. 

Wohin? Das werde ich Euch Morgen verraten!! Manne will mehr!!


In der Hoffnung auch weiterhin eine geneigte Leserschaft zu haben, verbleibe ich...
 bis Morgen! 




3 Kommentare:

  1. Bravissimo, Manfred! Das Feuerwerk fand tatsächlich statt, aber.... ich glaube, Du hättest nach Osten schauen müssen.
    Übrigens:... "Vollpfosten" steht jetzt im Duden.

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    1. Danke! Jetzt ist mir auch klar, warum ich nichts gesehen habe!

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  2. Nicht dass ein Missverständnis entsteht: der Hinweis auf den "Vollpfosten" bezieht sich natürlich auf die Verwendung dieses Begriffs in Deinem Text!

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