Freitag, 21. August 2015

36. Tag: Von Meaux nach Chateau-Thierry


Das habe ich dringend gebraucht. Einen sonnigen, problemlosen Radfahrtag, mit D-Straßen auf denen ich lange fahren kann und Radwegen entlang  kleiner Kanäle! 

Die Sonne scheint schon kräftig als ich mich aufs Fahrrad schwinge. - Und gleich wieder absteige. Der Fahrradweg nach Trilport ist eine Katastrophe, von Scherben übersät und auf der 4-spurigen- Hauptstraße wird heftig gerast.
Also erst einmal ist Schieben angesagt. 

Auch über den wunderbaren Ourcq-Kanal. Es gibt einen kleinen Fußweg, aber wie kommt man da runter? Keine Chance. Dann kommt die  schöne alte Brücke über die Marne.


Und ich bin in Trilport:


Nein, Hubert, der Bürgermeister war heute nicht "im Amt", schade! Aber vielleicht kann man ja mal in Engen ein Schild an meinem Haus anbringen: "Hier wohnt der einzige Engener Bürger, der 2 der drei Partnerstädte aus eigener Kraft besucht hat".
Ich will versuchen, ob ich nicht doch an den Ourcq-Kanal komme. Der kleine Pfad hat es mir sehr angetan. Dank vieler Besuche mit dem hervorragenden Reiseführer Ulrich S aus E., weiß ich auch, wo es möglich sein sollte, - an der "Uisine Elevatoire Villiers-les-Rigault", dort wo mittels eines fast 200 Jahre alten Pumpsystems Marnewasser in den Ourcq Kanal geschafft wird, da dieser nicht "ganz dicht ist", und auf seinem Weg nach Paris zu viel Wasser verlieren würde.  
Und jetzt die Preisfrage: Was hat dieses Bild von Paris mit dem Ourcq-Kanal zu tun:


Genau! (Ihr wart auch mit Ulrich S. in Paris!) Dieses Wasser, mit dem jeden Morgen die Straßen von Paris gereinigt werden, stammt aus dem Ourcq- Kanal. Das System funktioniert nach wie vor genial einfach. Mit Lappen, werden die Wasserströme, in die richtige Richtung gelenkt und im Nu sind die Straßenränder sauber.

Es klappt. Die nächsten Kilometer fahre ich auf dem Treidelpfad des Kanals. Es stehen zwar Schilder, die das Radfahren verbieten. Aber die dienen nur der Absicherung, - aus versicherungstechnischen Gründen. Wie die Badeverbotsschilder, die auf die schönsten Badeplätze hinweisen -. nicht wahr, Friederike!
Es ist ein Traum. Der Weg ist zwar holprig, aber es gibt so viel zu sehen. Ich habe mich als Tierfotograf versucht, aber die Bilder kann man alle knicken. Da waren winzig kleine Enten, mit roten Köpfen, Wasseramseln, sogar einen Eisvogel habe ich kurz gesehen. Dann kam eine Nutriafamilie gemütlich angepaddelt, eine Mutter mit 5 Jungen, immer eins durfte auf dem Rücken mitfahren.
Vor lauter Begeisterung bin ich ein den Kanal ein "kleines Stück" zu weit gefahren. Um zur Marne zu kommen muss ich über die Berge. In "Radlerkreisen" wird in solchen Fällen gern euphemistisch von einer "durchaus anspruchsvollen Strecke" gesprochen, mit anderen Worten, es ging mal wieder kilometerlang bergauf. Aber nicht unangenehm, bis auf ein paar wenige Stellen. Dass ich wieder auf kleinen C-Sträßchen unterwegs bin, stellt kein Problem dar, bis ich nach Vendrest komme. Da gibt es mehrere Möglichkeiten und kein einziges Schild. Der Ort ist ausgestorben. Alle drei Optionen sind sehr ähnlich, ich weiß ich sollte noch etwas höher hinauf, aber im Ort kann man nicht sehen, welche der Straßen weiter nach oben führt. Da sehe ich hinter einem Zaun, ein älteres Paar auf einer Bank in der Sonne sitzen. Ich rufe. Sie hören mich nicht. Ich rufe lauter. Sie sind verwirrt. Es dauert eine ganze Weile, bis die Dame des Hauses zum Tor kommt. Als sie sieht, dass es ein harmloser Verrückter auf einem Fahrrad ist, macht sie auf - und erklärt mir sehr freundlich und ausführlich wie ich weiter fahren muss. Wichtig war der erste Satz, "du musst da um die Ecke und dann noch mal droite"- Super! Wenn man hier über den falschen Hügel und dann ins falsche Tal hinunter fährt, kann das verheerende Konsequenzen haben. Aber so klappt alles wunderbar. An einem der höchsten Punkte, bilde ich mir ein, dass ich fast bis Paris sehen kann. Die Hochhäuser von Meaux sehe ich deutlich.
  
Das Land der Ourcq war schön und die Ourcqs sind auch total nett, aber jetzt will ich langsam zur Marne runter. Doch die Bergfahrt zieht sich. Inzwischen bin auch zwar auf der D 16,  "Champagner-Straße" doch von Weinbergen ist hier oben noch nichts zu sehen. Aber dann  geht es doch abwärts.


 Und die ersten Weingüter tauchen auf. Die Wände sind aus Süßwasserquarzit gebaut. Das erinnert mich daran, dass ich ganz nahe bei Ferté s/s Jouarre bin, wo der berühmte Champagnerstein herkommt - nicht der Schmuckstein, sondern der,  aus dem die besten Mühlstein gemacht wurden.
Und dann bin ich unten im Marnetal. Eine Champagnerkellerei reiht sich an die andere. Baron von Sowieso, Graf Albert von und zu!... Ich habe langsam Sorgen, ob sie hier in der Gegend auch Bier verkaufen.


Aber ich muss lernen, dass ich nicht in der Champagne bin, sondern in der Picardie. Das war schon in der Bretagne höchst kompliziert. Was ist eine heutige Verwaltungseinheit,  was ein geografischer Begriff, und was eine historische Region , die ihre jeweils besondere Geschichte hat? Da gibt es noch viel nachzuschlagen.
Gegen 15:00 bin ich in Chateau-Thierry (muss mir doch mal genauer anschauen, wo der Thierry aus der Geislinger Verwandtschaft herkommt). Ist mäßig spannend. Außer dass hier Jean de la Fontaine geboren wurde, was den Ort nicht wirklich aufpeppt - so sehr ich den Fabel-Fontaine auch mag. 
Übernachten werde ich in einem Vorort in Essomes.

Als dann bis Morgen!  

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