39.Tag: Von Vitry de Francois nach Bar-Le-Duc
Es regnete den ganzen Morgen. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass ich den heutigen Tag zu meinen besonders schönen Reisetagen zählen werde?
Doch von Anfang an:
Die Leute vom Hotel Bon Sejour sind wirklich nett. Ein kleiner Familienbetrieb. Gestern gab es übrigens Coq au Campagne, das Sößchen war wirklich sehr fein!!
Heute Morgen ist die Dame des Hauses ganz besorgt. Sie bringt mir sogar einen Lappen, dass ich mein Fahrrad abwischen kann - denn es musste heute leider in einem Hinterhof übernachten und stand mehr oder weniger die ganze Nacht im Regen. Sie meint, laut Wetterbericht soll es den ganzen Vormittag regnen, aber am Nachmittag würde der Regen dann nachlassen. Sie beschreibt mir auch ganz genau, wie ich an den Treidelpfad des Marne-Rhein-Kanales komme und behauptet, der gehe durch bis Bar-de-Luc. Kann ich nicht so recht glauben. Aber ich finde den Weg, er ist nicht ausgeschrieben und anfangs in einem miserablen Zustand. Aber heute ist er die bessere Option, anstatt im Regen die Hügel rauf und runter zu fahren.
Der Regen wird immer stärker. Doch da oben hat jemand wirklich Mitleid mit mir.
Kaum bin ich aus der Stadt heraus, wird der Weg besser und eine Platanenallee schützt mich vor dem Regen. Ich fahre wie in einem grünen Tunnel. Sagenhaft. Ich werde kaum nass.
Bei jeder Schleuse, an der es logischerweise ein paar Meter hoch geht, bin ich angespannt, ob nach dem Schleusenhaus der Weg wirklich weiter geht. Tut er. Dann schaue ich misstrauisch nach rechts. Der Kanal ist ziemlich voll, manchmal Kante an Kante mit dem Weg. Er wird doch nicht irgendwann wegen Hochwassers gesperrt sein. Ist er nicht. Man kann ja schließlich den Wasserstand zwischen den Schleusenstufen regulieren. Es geht einfach weiter.
Sollte das heute wirklich kein: "Aber dann,...-Tag" werden? Wird es nicht.
Ich fahre vor mich hin. Den Regen habe ich ausgeblendet. Nach etwa einer Stunde das erste Schiff. Ein Waliser, er fährt so langsam, dass wir ein paar Sätze wechseln können. Er wirkt richtig glücklich an diesem Regentag - typisch Engländer eben!
Der Kanal führt lange Zeit durch Felder, kein Dorf, keine Häuser, nix!
Da werde ich heute wohl eines meiner schwäbischen Lieblingswörter los, das ich seit mindestens 14 Tagen im Hinterkopf habe. Wieder mal, "koigotzigs" Café!
Aber auch das stimmt nicht. Punkt elf, wie es sich gehört. Kommt an einer Brücke ein Café vorbei - und hat auch noch auf! Was ist los hier?
Der Regen lässt nach, ich steige aus meinen Regensachen.
Zwar schiebt der heftige Seitenwind schwerstschwarze Wolken äußerst tief übers Land. Aber bis auf ein paar Tropfen bleibe ich bis Bar-le-Duc trocken.
UND kein "aber dann..." Ich fahre fast 10 km weniger, als mit Plan B vorher gesehen und bin schon 14:30 Uhr in Bar-le-Duc.
Der Ort ist ungewöhnlich. Eine mittelalterliche (westlichste Stauferarchitektur) Oberstadt thront hoch über einer Renaissance-Unterstadt.
Da gibt es einiges zu sehen.
Das Hotel ist schnell gefunden. Raus aus der nassen Radausrüstung (vor allem aus den Schuhen!! Die sind heute Nacht gar nicht trocken geworden! Hat an diesem Morgen aber keine große Rolle gespielt.) und auf geht´s, nach kurzer Siesta, zum bikeseeing. Die Unterstadt ist das eigentliche Zentrum der Stadt. Oben - und es geht wirklich gediegen hoch, wirkt alles ein wenig museal.
Und eine besonders schöne Ausstellung ist im Schloss Marbeaumont, in dem die städtischen Sammlungen untergebracht sind. Eine "Bierausstellung"
Offensichtlich hat das Brauwesen in Bar-le-Duc eine lange Tradition. Auch wenn "Bierres de Meuse" inzwischen zu Kronenbourg gehört, so soll es noch einige kleine "Craft"-Brauereien geben.
In den städtischen Sammlungen ist das Original des "Skeletts" von Ligier Richier (16.Jh), dessen Kopie ein Grab in der Kathedrale schmückt. Unglaublich was man aus Stein machen kann.
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Ich vermute, das berühmte Skelett von Richier spielte eine Rolle bei der Einladung des Dänischen Bildhauers Hans Jorgensen in den "Espace Saint Louis" einer ehemaligen Kirche, gleich nebenan. Seine "Fossiles de la mémoire" haben mich sehr beeindruckt.
Jorgensen verarbeitet Fundholz, das er anbrennt, zu beeindruckenden "memento mori"-Skulpturen.
Am Ende meiner Stadtbesichtigung fahre ich noch einmal an den Kanal, da hatte ich beim Herfahren beinahe etwas übersehen:
Treidellokomotiven? Jetzt muss ich mir den Marne-Rheinkanal doch mal genauer anschauen.
Aha, jetzt weiß ich, warum es Morgen Richtung Toul schwierig zu werden verspricht. Die Dame im Touristenbüro konnte mir auch nicht wirklich weiterhelfen. Sie meinte nur bis, St.Armand gäbe es den Radweg, danach wüsste sie auch nicht wie man als Radfahrer weiterkomme.
Das liegt eben an diesen Lokomotiven!! Oder besser gesagt, an dem fast 5 Kilometer langen Kanaltunnel, von dem ich nicht nicht annehme, dass ich den mit dem Fahrrad durchfahren kann. Heute werden übrigens keine Lokomotiven mehr verwendet sondern die Boote werden mittels eines Kettenzugsystems durchgezogen.
Inzwischen weiß ich, dank des Informationszentrums bei den Lokomotiven mehr über den Kanal. Er hat zwei Scheitel, ist 293 km lang und überwindet 281 Höhenmeter. Der erste Scheitel ist zwischen der Marne und der Mosel, der andere zwischen der Meurthe und dem Rhein. Er hat 154 Schleusen! Das sind einige mehr als am Rhein.-Rhone-.Kanal.
Bei Atzweiler ist ein Schiffsaufzug. Da bin ich echt gespannt, was noch auf mich zu kommt. Vor allem besteht Morgen wieder mal die Gefahr, dass ich an den falschen Kanal gerate!! Der Kanal de L´Este geht auch noch irgendwo ab. Also aufpassen!!!
Dann bis Morgen,










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