Dienstag, 25. August 2015

40.Tag. Von Bar-Le-Duc nach Toul


Vor der heutigen Etappe hatte ich ein wenig Manschetten, wo und vor allem wie sollte ich über den ersten Scheitel des Marne-Rhein-Kanals fahren.Der Kanal macht es sich einfach - geht einfach ab durch den Tunnel.

Aber von Anfang an:

Gestern Abend hatte ein heftiger Sturm angefangen, der die ganze Nacht heftig an den Fenstern des Hotels gerüttelt hat. Am Morgen sieht die Welt wieder sonniger aus. Einen 3.Tag in Folge mit Regen zu beginnen, das hätte auch langsam aufs Gemüt geschlagen. Doch die Sonne scheint, allerdings ist es empfindlich "kühl". 
Der heutige Tag, das sagen die Karten, wird drei geteilt werden. Zuerst geht derRadweg am Kanal lang, noch ca. 25 Kilometer, dann eine "Bergstrecke mit Abfahrt" und dann ein Hin-und Hergegurke, bis  nach Toul.
Und so war es auch.
Mit gestern bin ich über 80 km wunderbar am Kanal entlang geradelt. Einfach nur schön.


Dass eine Wasserstraße 280 Höhenmeter überwinden kann, ist eine beeindruckende technische Leistung, dies aber selbst zu erleben, wie man von Schleuse zu Schleuse, wie über eine Treppe, nach oben steigt, das ist noch einmal etwas anderes,  -wie das Tal enger wird, wie sich die Landschaft verändert, wie die Windräder näher kommen, das Alles ist einfach spektakulär.


Das wird für einige Stunden die letzte Schleuse sein, an der ich "hochsteige".
 Den ganzen Morgen über habe ich mir überlegt: wenn ein Boot in meine Richtung fahren sollte, ob die mich wohl mitnähmen, Boathiking, gewissermaßen  (Friederike hat mir gestern Abend diesen Floh ins Ohr gesetzt). An Schleusen wäre es sicher kein Problem zuzusteigen. Doch leider bin ich den ganzen Morgen nur 3 Booten begegnet, alle Drei waren in die falschen Richtung unterwegs. 5 Kilometer mit dem Boot durch den Berg, das ist sicher ein Erlebnis.  
 Bei Naix-aux-Forges muss ich mich entscheiden. Nach der Karte geht der Radweg noch ein Stück weiter, und nach einer Karte vom Touribüro geht ein unbefestigter Weg mit >> praktisch bis Toul durch. Das liest sich eher wie Mountainbike-Weg. Das Risiko will ich nicht eingehen. Die   D 29, die hier über den Berg bis Void-Vacon geht, hat auf der Karte kein einziges > oder <. Wie soll denn das gehen!!
Geht! Und zwar sensationell.

Die D 29 ist die derzeit die heißeste Favoritin für den Preis der besten D-Straße auf meiner diesjährigen Tour-de-France. Sie steigt so angenehm nach oben, dass man richtig Tempo machen kann.
Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass der Sturm heute Nacht zwar nachgelassen hat, aber ein kräftiger Wind bläst immer noch. So einen R Ü C K E N W I N D  hatte ich auf der ganzen Reise noch nicht. Ich werde regelrecht den Berg hoch geschoben. Danke Zephyr, dass du deinen Urlaub rechtzeitig unterbrochen hast. Die Unterstützung kam passgenau! 

Oben angekommen, eine Hochfläche und einen Blick in die Ferne, ich denke bis Nancy!



Ich kann es kaum glauben, der 2.Abschnitt des heutigen Tages bis Void ist immerhin über 20 km lang und davon über die Hälfte Anstieg. Doch Viertel nach 12 sitze ich schon in Void im Café und trinke meinen wohlverdienten 11:00 Kaffee. 
War der erste Abschnitt am Kanal entlang, die Radautobahn, der 2.Abschnitt zum "Abheben", so wird der 3.Abschnitt zur Slalomstrecke mit Verwirreinlagen. 

Bei Sorcy geht es los: Zuerst fahre ich über


den Canal de l´Este, den ich nicht brauchen kann, und der zudem nur einen sehr bescheidenen Weg am Rand hat. Da lasse ich mich doch lieber vom Wind über Landsträßchen schieben. Doch dann kommt  ein paar hundert Meter weiter



Der Marne-Rhein-Kanal und ich fahre unten durch! Was ist hier los! Und gleich dahinter, die "Meuse"! 


Auch nicht gut, die würde mich nach Süden führen
Von den drei Optionen ist es das Sicherste, ich versuche in der Nähe des Marne-Rhein-Kanals zu bleiben, zwar finde ich keinen Weg direkt am Kanal, aber am Rande gibt es eine D, die in "Hördistanz" zur großen N4 verläuft, die kerzengerade nach  Toul  führt.
Noch ein Höhenrücken, und "wir", der Kanal und ich landen endlich im "Moseltal". Ich sage Euch, hier spielen die Flüsse verrückt.
Um 14:30 bin ich in Toul. Das reicht für das Pflichtprogramm in Stadtbesichtigung. 
Das Stadtbild der ehemals freien Reichsstadt Tull wird durch die Kathedrale St.Etienne geprägt. 
Sie ist ein schönes Beispiel für den Übergang von der Gotik zur Renaissance. Der  Flamboyant-Stil ist im Inneren wie an der Fassade sehr schön zu erkennen .


Schade, dass die wunderschönen Skulpturen, wie die der Hl. Catharina nicht mehr in der Kirche sind, sondern im Museum, welches dienstags geschlossen hat. 
Dafür habe ich aber diese eigentümlichen Reliquien entdeckt:


Nein, hier werden ganz bestimmt nicht die 3 Affen,"nichts sehen, nichts hören, nichts sprechen!" verehrt.
 Die Schädel stammen von drei verschiedene Heiligen, die nichts miteinander zu tun haben.

 Der  linke Schädel soll der eines junges Mädchen gewesen sein, das einen Drachen mit einem Spinnrocken erstochen hat. 
Da musste ich bis Toul fahren, um ein auch in mir tief verwurzeltes Vorurteil loszuwerden, dass  Jungfrauen, grundsätzlich von blonden jungen Recken aus den Klauen von Drachen befreit werden müssen. Anscheinend können das Jungfrauen auch selbst. Was offensichtlich so wenig in die männliche Vorstellungswelt passt, dass man es nicht einmal für Wert befindet, den Namen der Jungfrau festzuhalten. 
Da fällt mir ein, auf der Fahrt nach Spanien habe ich doch in Frankreich, in Tarascon, die Martha, die Drachenbändigerin getroffen, die es geschafft hat, den Drachen an die Leine zu legen, was den Hl.Georg, oder nach anderer Version die Dorfbevölkerung, nicht daran hintern konnte, den wehrlosen Drachen zu meucheln.
Aber die Touler "Martha" ist was anderes. Auch nicht mit der Hl.Margaretha  zu vergleichen, die einfach die Wunderwaffe schlechthin gezückt hat, und dem "Drachen"-Teufel das Kreuz vor den Rachen hielt.
Die Toulerin wählt die "Lanze" der Frau, den Spinnrocken, um den Drachen mit eigener Hand zu töten. 
Und nein, jetzt kommt kein Exkurs in psychoanalytischer Märchendeutung!!
Das reicht für heute.
Bis Morgen dann!








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