38. Tag: Von Epernay nach Vitry-le-François
Da frage ich extra noch im Touristenbüro, ob es vielleicht doch Radwege am Marne-Seiten-Kanal gibt. Die Dame holt eine Karte, nö, hat es nur die ersten 3 km aus der Stadt!
Was für ein Irrtum!! Liebe Franzosen, dass ihr die größte Radfahrnation überhaupt seid, ist unumstritten, dass ihr fantastische Radwege habt, wissen wir. Aber warum setzt ihr euch nicht einfach mal hin, holt die Buntstifte raus und zeichnet sie in die Karten ein. Und dann sagt bitte all den netten Damen in den wunderbaren Touristenbüros Bescheid, dass es jede Menge Radwege gibt!!!!
An die Arbeit.
Aber von Anfang an:
Für heute ist Regen angekündigt. Derr Morgen ist sonnig, aber nicht mehr so heiß wie gestern, Ich fahre über die Marne.
Das Wahrzeichen von Epernay ist natürlich eine Champagnerkellerei. Ich suche meine D 1 auf der ich die letzten Tage so gut voran kam. Dass sie mich wieder in die Berge schickt, steht heute nicht zu befürchten. Der heutige Abschnitt läuft durch die "weißeste" Karte, die ich bisher aufgeschlagen habe - und weiß heißt in französischen Karten "topfeben". Kann also nichts passieren. Was ich nach ein paar Kilometern D-Straße-Fahren feststelle - ES GIBT DOCH EINEN RADWEG dem Marne-Seiten.Kanal entlang. Und was für einen schönen, und auch noch super ausgeschildert!!
15 km lang. Ein absoluter ***** Radweg. Und ich bin erst in AY "drauf"-gekommen!!!
Dafür genieße ich die nächsten 10 Kilometer um so mehr.
Ich entdecke sogar ein neues System, wie die Bootsfahrer die Schleusen öffnen können. Da müssen sie nicht mal ans Ufer oder jemand anrufen.
Einfach am Stecken drehen. Genial!
Ich bin gerade dabei eine wichtige Frage zu "vinculieren", ob man nämlich , schöne Radwege-fahren, mit Eis essen vergleichen kann. Bekanntlich gibt es ja Menschen, die beißen in das Eis und schlucken ganze Bissen runter, - zu diesen gehöre ich auch, andere "schlotzen" genüßlich und langsam, bis ihnen der Saft über die Hand läuft. Man könnte nun auf einem perfekten Radweg richtig loslegen und Tempo machen, oder möglichst langsam fahren, damit man die schöne Strecke länger genießen kann. Ich bin eben der "Eisbeißertyp" und will gerade aufs Tempo drücken, da sind die 10 km schon rum. Also wieder rauf auf die D1. Da sehe ich eine Truppe Radfahrer die D1 verschmähen und in ein Sträßchen abbiegen. Vielleicht wissen die etwas, was ich und die Dame vom Touristenbüro nicht wissen. Ich fahre hinterher. Wahnsinn!! Der Radweg geht weiter. Genauso schön, genau so gepflegt. Nur keine Schilder mehr. Nach etwa 3 Kilometern gefällt mir die Sonne überhaupt nicht mehr. Was hat die auf der falschen Seite zu suchen? Ich bin verwirrt. Bremse und frage 2 Angler: "Bin ich auf dem Weg nach Chalon-en-Champagne"? "Nö", grinsen sie, "du bist auf dem Weg nach Reims!" - Da soll, doch... da wird doch... ich kann es nicht glauben. Das hatte ich doch schon einmal vor 2 Jahren in Südfrankreich, dass ich den falschen Radlern hinterher gefahren bin. Also die Karte raus. Tatsächlich, bei Condé biegt zu erst ganz sacht, dann schärfer nach Norden der Canal-de-L´Aisne ab, und führt schnurstracks nach Reims, wohin ich absolut nicht will.
Insgesamt 6 km am falschen Kanal entlang. Aber sagt selbst, sieht ein Kanal nicht wie der andere aus?
Zurück in Condé fahre ich einige Kilometer auf der D- 1. Vor Chalon-en-Champagne, das sehe ich auf meiner Karte, fängt ein neuer Radweg an. Stimmt. So entspannt bin ich noch selten durch eine Stadt gekommen. Sehr schöner Radweg, der auch noch weiter geht.
Es zeichnet sich langsam ab, dass die Wettervorhersage sich nicht geirrt hat. Der stärker werdende Wind treibt den Regen über meine Reiseroute.
Ich komme fantastisch voran, der Radweg geht viel länger als auf der Karte ausgewiesen. Er wird zwar immer schlechter, geht aber weiter. Und dann werden irgendwo die Schleusen geöffnet. Es gießt in Strömen. Ich nehme unter einer Brücke Zuflucht und warte erst einmal ab. Eine halbe Stunde lang sehe ich keinen Sinn darin, mein trockenes Plätzchen zu verlassen.
Dann bilde ich mir ein, der Regen lasse ein wenig nach. Die Regensachen angezogen und los geht`s. Von wegen nachgelassen, es pladdert noch ganz schön. Was soll´s immerhin habe ich noch über 20 km vor mir.
Meine Regenausrüstung besteht den Härtetest. Nur was die Schuhe betrifft, besteht noch Verbesserungsbedarf. Zum Glück ist es nicht kalt.
Irgendwann nieselt es so, dass es nicht mehr stört. Inzwischen radle ich die D 2 entlang, die "berühmte" - y Straße: von Mairy, nach Togny, nach, Pogny, nach Songy, nach Pringy, nach Omgny, nach Drouilly, nach Loisy,
verdammt noch mal mir reichtsy so langsamy, wann kommt denn endlich Vitry!!!
Dann hört der Regen ganz auf und kurz vor Blacy geht die Straße tatsächlich rüber nach Vitry!
Der Ort ist ungewöhnlich. Ich komme nicht gleich drauf. Doch dann!! Hier herrscht Barock. Keine Romanik, keine Gotik. Vitry ist eine Barockstadt, mit einer Barockkirche und wie es sich für eine Barockstadt gehört, ist sie quadratisch angeordnet.
Ungewöhnlich für ein kleines Provinzstädtchen. Für ein "Provinzstädtchen" hat es auffallend viele Hotels hier. Was mag dafür der Grund sein? Eben habe ich nachgeschlagen. Vitry-le-Francois, ist d e r Kanal-Knotenpunkt schlechthin. Das "Drehkreuz" der Binnenschifffahrt. Hier treffen sich der "Canal entre Champagne e Borgogne, der Canal lateral à la Marne und der Canal de la Marne au Rhin.
Mannomann! Da wirst du aber Morgen beim Rausfahren gut aufpassen- versprochen? Wo geht es Morgen lang? Richtig, wir fahren den Marne-Rheinkanal entlang!!!
Bis Morgen.









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