41.Tag: Von Toul nach Lunéville
Ein großartiger Tag für Freunde des Kanalradelns. Die Boucle de la Moselle ist der Luxusradwanderweg schlechthin!!
Man kann praktisch ganz um Nancy herum auf wunderschönen geteerten Radwegen fahren. Ich habe heute die Südumfahrung gewählt, das waren bis Jarville, das liegt praktisch auf gleicher Höhe wie Toul, nur auf der anderen Seite von Nancy, über 30 km *****Radweg. Die Verwirrung, was die französischen Wasserwege in Lothringen betrifft, legt sich langsam. Aber man muss trotzdem höllisch aufpassen.
Doch von Anfang an:
Beim Herausfahren aus Toul entdecke ich, dass die Touler Festung von einem alten Bekannten gebaut wurde, dem Herrn Vauban
Kann das überhaupt sein, dass ein Festungsbaumeister so viele Projekte ausgeführt hat, von der Spanischen Grenze bis Freiburg, von Toul bis, wo bin ich gleich noch an einer Festung von ihm vorbei geradelt? Ich habe den Verdacht, dass er nicht nur der rührigste Baumeister war, sondern dass er auch das Franchising erfunden hat.
Und dann die Mosel
Ist hier schon ein ganz anderes Kaliber, als die netten Flüsschen, Meuse oder Merthe, die ich gestern getroffen habe. Hier können auch Frachtschiffe nach heutigen Maßstäben fahren.
Und dementsprechend ist hier auch einiges an Industrie angesiedelt. Gut, ich gebe es zu, es ist nicht unbedingt romantisch an Walzwerken und Drahtziehereien vorbei zu fahren, aber interessant und eine Abwechslung ist es allemal.
Bei Neuves-Maisons (es gibt offensichtlich nicht nur neue Schlösser und neue Brücken) wird es interessant, hier muss ich aufpassen, dass ich nicht an den Vogesenkanal gerate. Aber da Flussschiffer grundsätzlich "kurzsichtig" sind (so viel weiter weg sind sie an einem solchen Kanälchen nicht) sind ihre Verkehrsschilder bedeutend größer,
so dass ich nicht übersehen kann, dass ich links weg muss, sofern da ein Radweg ist. Passt. Der Canal de jonction verbindet die Mosel mit dem Rhein-Marne-Kanal. Jetzt wird deutlich, dass der Rhein-Marne-Kanal kein durchgehender Verkehrsweg ist, sondern sich aus den unterschiedlichsten Abschnitten zusammensetzt.
Der Verbindungskanal ist höchstens 10 km lang, aber ein besonders spannender. Er hat bis zum Scheitel nur 3 Schleusen, und die sind relativ weit auseinander. Ich habe den Eindruck dieser Abschnitt ist schon relativ alt.
ABER DANN! Geht es ganz gigantisch abwärts. 15 Schleusen, die ersten 6 sind jeweils nicht mehr als 100m auseinander. Da kann man es richtig laufen lassen. Wow! Wenn man ein BMX-Rad hätte, könnte man über die Stufen hüpfen.
Das macht Spaß! Und in nullkommanix ist man unten, Kanal von Links!
Da kommt der Marne-Rheinkanal, der einige Zeit die Meurthe begleitet hat (und wahrscheinlich von ihr das Wasser bezieht), die oberhalb von Nancy in die Mosel mündet.
Aber wie geht es für mich weiter?
Dieses Mal falle ich nicht darauf rein, und folge den anderen Radfahrern. Ich weiß inzwischen ganz genau was Boucle heißt, nö, Schleifen werden heute keine gefahren.
Ein Rennradfahrer in meinem Alter erbarmt sich meiner, und gibt mir den entscheidenden Typ. "Hier kannst du nicht dem Kanal folgen. Aber genau hinter dir ist eine kleine Fußgängerbrücke über die Meurthe und auf der D 400 kannst du relativ ruhig bis Dombasl fahren, dann gibt es die kleine D 2 bis Maixe und dann geht es relativ bescheiden nach oben, - nach Luneville." Denn da habe ich mein Nachtquartier gebucht. Am Kanal selbst sind die nächsten 60 km nur kleine Dörfer, da war nichts zu finden.
Was mein Rennradkollege sagt, stimmt. Nur die letzte Bemerkung war eine verdammte Lüge!!
Die Straße an der 400 ist harmlos, aber hässlich. Die Gegen wirbt mit blau-weiß-grün. Blau für den Himmel, stimmt, weiß für das Salz, stimmt auch, riesige weiße Pyramiden am Straßenrand. Kaliwerke, Chlorfabriken, und das grün kommt mir ziemlich staubig vor; mich juckt es nach 5 Minuten überall (ist natürlich Einbildung, aber funktioniert trotzdem). Also lass krachen!
Ein Kaffee noch in Dombasl s./M und dann auf ein wirklich schönes kleines Sträßchen.
Die letzten 9 Kilometer sind eine Zumutung. Von wegen leicht nach oben. Ein recht knackiger Anstieg über 6 Kilometer, dann noch 3 nach Lunéville runter. Wenigstens ist Morgen der Anstieg harmloser als die Abfahrt, denn an die Meurthe und den Kanal muss ich wieder zurück.
Lunéville habe ich natürlich auch rausgesucht, weil ich meiner zukünftigen polnischen Verwandschaft eine Freude machen wollte.
Schließlich hatte der letzte polnische König hier sein bescheidenes Unterkommen gefunden. Das ist schon eine heiße Geschichte.
Die Geschichte von Stanislas Leszczynski, 2x König von Polen, 2x mal gewählt, 2x ins Exil geflohen, hatte kein so glückliches Händchen, wen er sich zum "Wohle" Polens als Bündnispartner ausgesuchte. Als die Schweden Knatsch mit Russland hatten bzw. Russland angriffen, schlug er sich auf ihre Seite, wurde Dank Karl XII von Schweden zum König von Polen, als dieser "verlor" musste er fliehen.
Später schafft er den Geniestreich seines Lebens, indem er seine Tochter Maria mit Ludwig XV von Frankreich verheiraten konnte. Mit Hilfe seines Schwiegervaters wurde er zum 2.Mal König von Polen, - um die Geschichte kurz zu machen, klappte auch nicht wieder Flucht und jetzt blieb er in "seinen französischen Herzogtümern" und wurde zum Paradebeispiel für einen aufgeklärten Fürsten. Luneville wurde zu einem "Zentrum der Aufklärung" von dem sogar Voltaire schwärmte. Und der Alte Fritz hat sich einiges von seinem polnischen Kollegen abgeguckt.
Sein Ende ist auch filmreif. Er ist mit 88 Jahren wohl etwas wärmebedürftig geworden und kam zu nahe an das Kaminfeuer und seine Kleider fingen Feuer. Shit happens.
Das Schloss ist wirklich sehenswert. Auch wenn ein Brand erst vor etwas mehr als 10 Jahren vieles vom Innenleben zerstört hat.
Das Städtchen gibt es dank des Schlosses. Und dementsprechend hat es auch schon bessere Zeiten gesehen. Die Fayencen von Lunéville sind berühmt. Aber ehrlich gesagt selbst mir zu kitschig. Außer die Empire Geschirre, die finde ich sehr schön.
So genug Geschichte/n für heute!!! Für mich ist es einfach schön, am Abend festzustellen, wie viel ich an einem Tag wie heute gelernt habe, was ich gestern noch nicht wusste, oder vor langer Zeit schon einmal vergessen hatte.
Was ich auch gelernt habe, ist, dass sich "gehobene" französische Küche nicht mit Radlerbedürfnissen in Einklang bringen lässt. Im Hotel "zum Pagen", in dem ich heute nächtige, kocht man gut (die Preise sind dafür überraschend moderat). Aber wie um Himmelswillen, soll ich Morgen Nachmittag um 15:00 Uhr so einen Berg hochfahren, wie ich es heute musste, mit diesen Portionen! Liebe Leute, ich hoffe für Euch, dass Morgen ein gemütlich-den-Kanal-entlang-Tag sein wird!!
Bis Morgen.








Sehr geehrte Damen und Herren,
AntwortenLöschenwir, die Autoren möchten Sie über den Nachdruck unseres Buchs
„Toul, die Geschichte einer französischen Lagerfestung“
Informieren. Toul war die Schwesterfestung von Verdun, wurde aber im 1.Weltkrieg in keine Kampfhandlungen verwickelt und ist demzufolge weitestgehend erhalten geblieben. Nachdem
die erste Ausgabe des Buchs bereits nach wenigen Monaten vergriffen war, haben wir uns aufgrund anhaltender Nachfrage entschieden, einen Nachdruck in kleiner Stückzahl aufzulegen.
Eine Leseprobe finden Sie auf der Webseite des Helios-Verlags Aachen:
http://www.helios-verlag.com/werke/titel/?&user_helios_pi1[showUid]=214&cHash=a78dd6961a
Bitte beachten Sie außerdem die Rezension des verstorbenen Historikers Prof. Werner Lacoste:
http://www.helios-verlag.com/index.php?id=4&user_helios_pi3[showUid]=418&cHash=9c97cf4158
Viele Grüße
Inge und Dieter Wernet
Militärhistorische Studien
St. Vith / Belgien
E-Mail: idwe@skynet.be