33. Tag: Von Versailles nach Paris
Aux Champs Elyseeeees... Ja, ich bin tatsächlich in Paris! Das war ein ziemlich emotionaler Moment, als ich zum ersten Mal den Eiffelturm sah, und nicht viel später über die Seine fuhr!
Über die Champs Elysées bin ich noch nicht gefahren! Das kommt Morgen.Dann singen wir um 10:00 gemeinsam!!!
Aber von Anfang an!
Mein Plan war gut! Und der Tipp von der Dame im Touristenbüro auch. Ich bin kurz vor halb Neun vor dem Schloss. Es stehen höchstens 2 Busladungen von Menschen aus einem asiatischen Land am Eingang. Verbreiten aber eine Hektik, dass es mich noch mehr fröstelt. Es ist ganz schön frisch.
Keine Viertelstunde später sieht es auf dem Platz so aus:
Wenn ich ziemlich weit vorn in der 1.Schleife bin, so hat sich die Schlange inzwischen, den ganzen Platz hinunter hoch und wieder runter formiert. Es ist beängstigend. Und immer wieder stürmen Menschen mit Karten in der Hand mit triumphierendem Lächeln im Gesicht an uns vorbei, um kurz danach, der Verzweiflung nahe das Ende der Schlange zu suchen. Vor mir haben eine ganze Reihe von Touristen eine andere Strategie gewählt. Sie haben sich aufgeteilt. Eine Person aus der Gruppe hat sich an der Kasse angestellt, die anderen am Eingang. Diese Strategie hat leider auch nicht hingehauen, weil die Kassen auch erst um 9:00 aufmachen. Das heißt, kurz vor dem Eingang werden sie aufgehalten und müssen raus aus der Schlange.
Die halbe Stunde vor Öffnung vergeht wie im Fluge, hat man doch selten Gelegenheit die Sitten und Gebräuche fremder Völker so hautnah mitzuerleben.
Viele der Menschen asiatischer Herkunft haben ein Hörproblem, denn sie müssen sich in einer unglaublichen Lautstärke unterhalten. Das passt so gar nicht zu meinem Klischee vom bescheidenen Chinesen, der freundlich und höflich niemand zur Last fallen möchte. Beinahe hätte ich die Kamera fallen lassen, als ein Herr hinter mir dermaßen laut niest, dass ich heftig zusammenzuckte.
Der Selfie-Stock gehört inzwischen zur Standardausrüstung jedes Gruppenreisenden.
Wo der Deutsche Touristik noch den 360° Schwenk bevorzugt, um dem Lieben daheim zu zeigen, wie es da in der Fremde ausgesehen hat, bevorzugt der Tourist asiatischer Herkunft die Filmaufnahme vom Selfie-Stock aus, um den Lieben daheim zu zeigen, wo man überall gewesen - und wie man wo gelaufen ist. Beliebt ist auch die Aufnahme von sich selbst, bei der man das Prospekt der jeweiligen Sehenswürdigkeit in die Kamera hält, von welcher man im Idealfall einen Ausschnitt im Hintergrund sieht. Diese Strategie ist vielleicht gar nicht so schlecht, um zu Hause die vielen Bilder von sich selbst, einem bestimmten Ort im fernen Europa zuordnen zu können. Da fast alle Menschen vor mir, nach Betreten des Schlosses noch einmal eine Schlange bilden, um den Audio-Guide in Empfang zu nehmen, bin ich auf einmal im Schloss in fast leeren Sälen. Die wenigen Menschen, die vor mir waren, versuchen den Wärtern im ersten Saal ihren Audio-Guide zu geben. Ein geduldiger Mensch hört ins Gerät: "Yes, that´s Spanish" sagt er und gibt der verzweifelten Chinesin ihr Gerät freundlich aber bestimmt zurück.
Und ich genieße die Ruhe der ersten Minuten.
Ich gebe es im Nachhinein gerne zu. Der Aufwand hat sich gelohnt. Ich , dem Schlangestehen jeder Art ein Graus ist, habe es nicht bereut.
Als wir in der Schule, über die Gebräuche und Rituale am Hofe des Sonnenkönigs hörten, war sicher nicht nur ich skeptisch, ob dieser "Affenzirkus" wirklich so stattgefunden hat. Hier im Schlafgemach des Königs oder der Königin
kann man förmlich die Parade, der "Höfling" noch sehen, wie sie ihrem höfischen Titel entsprechend, als Königlicher Beinkleidschleifenanbringer, auf den wichtigsten Augenblick ihres Tages warteten, und wie der- weil im Vorzimmer, "antichambriert" wurde,
Ne war schon toll! Und der Spiegelsaal sowieso!
Heute Morgen merke ich, wie "hintersinnig" Kapoors Installationen sind. Bei manchen besonders seltsamen Kandelabern oder Figuren, kommt mir der Verdacht ob der Meister da nicht noch was heimlich dazu gestellt hat.
Nach knapp 2 Stunden "Sahnetortenschlacht ", reicht es mir. Ich will noch unbedingt zum "Ballhaus", dem für mich interessantesten Ort Versailles.
Leider macht es erst am Nachmittag auf. Aber ein großes Aha-Erlebnis hatte ich trotzdem. Ich weiß nicht wieso, aber das "Ballhaus" wurde bei mir seit meiner Schulzeit als ein Saal für Bälle abgespeichert, ein Festsaal. Dass es in Wirklichkeit eine "Tennishalle" - war in der "Jeu de Paume" eine Art Vorläufer unseres heutigen Tennis gespielt wurde, ist bis zu mir nie vorgedrungen.
Da sieht man mal wieder. Reisen bildet, und auch im fortgeschrittenen Alter gibt es immer wieder Überraschungen. Wirklich schade, dass ich nicht noch bis in den Nachmittag hinein warten wollte. Die Fahrt hinein nach Paris, die tickt einfach ein wenig im Hintergrund.
Zurück zum Hotel, die Radelkleidung angezogen. Die Leute vom Hotel "des Roys" - keine 10min weg vom Schloss, waren wirklich supernett. Ich mag ja den Charme von diesen Belle Epoche Hotels, sehr viel Stil, aber leicht angeschrammt im Detail. Der Herr von der Morgenschicht, findet auch, dass die Route, die ich mir rausgesucht habe, um nach Paris zu kommen, die für Radfahrer angenehmste ist.
Und so ist es auch. Einen kleinen Hügel hoch, rechts ab, bevor es richtig steil wird, und dann geht es nur noch nach unten, durch einen schönen Wald nach Ville d´Avray, kein Verkehr, Radwege, sehr entspannt. Dann nach Sevres, das ist praktisch schon Paris, jedenfalls habe ich da den Eiffelturm zum ersten Mal gesehen.
Wenig später, kurz vor der Seinebrücke, die entscheidende Frage: Welche Uferseite, rechts oder links. Auf der linken Seite habe ich den Eindruck sind die Schnellstraßen näher am Ufer und größer. Als rüber und immer der rechten Seite lang. Was anfangs nicht ganz leicht ist, hier wird überall gebaut. Aber spätestens als der Quai zum dritten Mal den Namen wechselt und jetzt Quai L. Bleriot heißt wird es immer entspannter und die Radwege sind jetzt durchgehend vorhanden.
Sightseeing per Rad. Von nun an sicher 10 km immer an der Seine entlang.
Eiffelturm, Trocadero, die Touileries,der Louvre, die Buchstände an der Mauer, das Quai d´Orsay ... schließlich das Herz von Paris, die Ile de la Cité. Hier kenne ich mich ganz gut aus. Schließlich bin ich ja viele Jahre mit einem hervorragenden Pariskenner und den Schülern der 10.Klasse Jahr für Jahr hier rum gezogen. Nur waren wir meistens Ende Oktober hier. Kein Vergleich mit den Touristenmassen heute. Dieser Teil der Stadt ist nicht wiederzuerkennen.
Ich mache Mittagspause. Radfahren und Sightseeing ist eine recht anstrengende Angelegenheit. Wenn man so aus den kleinen Sträßchen in die Stadt fährt, dann ist das schon eine gewaltige Umstellung. Jedes geparkte Auto kann zur Falle werden. Sitzt jemand drin? Geht gleich die Tür auf? Einmal ist es knapp. Noch gefährlicher - weil viel mehr, sind die Touristen, wissen sie was ein Radweg ist, könnte der Junge das Mädchen auf den Radweg schubsen? Wird die Familie zur Seite gehen und wenn ja zu welcher?
Hinzu kommt der Gestank der Autos. Über lange Strecken teilen sich Radfahrer und Busse eine Spur. An den Touri-Hotspots reiht sich ein Bus an den anderen. Man hängt quasi immer an einem Auspuff. So langsam brummt mir der Schädel.
Doch wie es scheint, habe ich wieder einmal viel Glück gehabt bei der Wahl des Hotels. Hinter der Ile de la Cité biege ich ab Richtung Bastille, von da Richtung Place de la Nation. Und dann bin ich auch schon fast da. Im 20. Arrondissement, Saint Simon.
Das Hotel Armstrong ist ok. Vor allem werde ich Morgen hier sehr schnell in der Stadt sein. und Übermorgen bin ich schon auf der richtigen Seite um rauszufahren.
Das Viertel hier gefällt mir sehr. Ich bin ziemlich lange rumgeschlendert. Gerüche aus aller Welt, Menschen aller "Herren und Damen Länder"- Kleider, Frisuren, Begrüßungsrituale, ich bin begeistert. Warum habe ich mir eigentlich in letzter Zeit so viel Gedanken gemacht über die unguten Entwicklungen in Frankreich. Quatsch, die Wirklichkeit ist schon viel weiter.
Frankreich ist das Brasilien Europas. Und das ist gut so. Ich wünschte, wir wären in Deutschland auch schon so weit. Ja, ich weiß, es gibt auch andere Viertel in Paris.Und es gibt viel Hässliches. Aber hier, an der Metrostation Porte de Montreuil war heute Abend die Welt in Ordnung, oder bot zumindest zu Hoffnung Anlass. Hier an meinem Platz am Fenster, hätte ich gerne jede Minute ein Foto gemacht. Ich bin sicher, es wäre "mindestens" ein so grandiose Serie heraus gekommen, wie die von Streichens "Family of Man"
Ich freue mich schon auf der Stadterkundung zweiter Teil!
Bis Morgen Abend!










Nicht nur die Chinesen laufen mit den Selfie Stöcken rum! Auch die Polen haben diese Waffen. Und ich meine wirklich "Waffen" denn wenn diese Rücksichtslos genutzt werden können die echt weh tun. :)
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