Montag, 17. August 2015

32.Tag: Von Plaisir nach Versailles

An manchen Tagen läuft es einfach super!!!

Heute soll es nur bis Versailles gehen, ein Katzensprung,  nur um die 25 km, sollte man meinen, aber nach der Karte nicht so ganz einfach. Beim Losfahren habe ich für das letzte Stück bis Versailles keine wirkliche Lösung gefunden. Anscheinend gibt es keinen kleinen Weg in die Stadt rein. Man wird sehen.
Und der Weg aus dem Baustellen-Autobahn-"Kleeblatt" ist auch nicht so einfach. 
Mein algerischer Freund, der perfekt deutsch spricht - hat er in Algerien bei einer deutschen Firma gelernt, sagt: "Ganz einfach - vorne links bis zum Kreisverkehr, dann wieder links. Vielleicht habe ich das mit dem Kreisverkehr falsch verstanden, jedenfalls bin ich auf einmal auf einer  2spurigen Baustellenstrecke, rechts  von mir hohe Betonabsperrungen, links zwei schmale Fahrspuren - nicht wirklich schön, da muss ich sofort runter! Aber wie? Zum Glück kommt ein Brücke, an dieser Stelle ist auch eine Feuerwehrausfahrt und die Betonabsperrung hat eine Lücke. Ich  fahre raus, schiebe mein Rad die Böschung hoch auf die Brücke und bin schon im Ort - Plaisir!  Uff! Noch einmal Glück gehabt. 
Aber von da an lief alles super!!
Die Agglomération wie-auch-immer- Quentin geht weiter, aber die Orte sind wenigsten an den Ortsschildern erkennbar. Ich finde Agglomération hört sich genauso beschi.... an, wie diese willkürlich zusammengefassten Orte auf mich wirken. Ein Ballungshaufen eben.Dabei gibt es immer irgendwo, einen ursprünglichen Dorfkern, mit Bar und Post und Rathaus, der Rest die Wohnviertel und Hochhäuser wirken an diesem Morgen wie ausgestorben - Dystopie pur!
An der ersten Post, werde ich  die 4-5 Karten los, die ich inzwischen wieder abgefahren habe, trinke einen Kaffee, und sinniere über den "Fortschritt der Menschheit'" und ähnlich weltbewegende Dinge nach.  Ich  komme gemütlich voran, und meine Beine danken es mir.

 Ohne die nette Hilfe einer ganzen Reihen von Agglomérationseinwohnern, sogenannten Aggloméranten oder Aggloméranern, oder Aglomérenne (andere Vorschläge sind willkommen)? - hätte ich heute meinen Weg nicht gefunden. Zu den kleinen Dörfern außerhalb (ein "außerhalb" gab es seltsamerweise tatsächlich: auf etwa 5-6 km, fahre ich durch Felder, Waldstücke, und ein, zwei Weiler)  gab es keine Schilder.
Und dann komme ich zu dem Punkt, an dem ich gestern nach allem Kartenstudium nicht weiter gekommen bin. Bei Roquencourt beginnt eine 4spurige rote D und nix weiter in meine Richtung.
Aber da der Franzose radsportbegeistert ist, hat er das Problem schon längst erkannt, und  gelöst, wenn man das so sagen kann. Auf der 4spurigen roten D gibt es links und rechts einen Radweg, gut ausgeschildert bis nach Versailles. Aber gemütlich Radfahren geht anders. Schrschrsschrammm, die PKWs und  Barommmm, die LKWs. Aber immerhin ist der Weg gut markiert und manchmal sogar von der Hauptfahrbahn abgetrennt. Problematisch sind nur die Abfahrten. Ob der Lastwagen hinter mir, der abbiegen will, weiß, dass ich auf einem Radweg bin??

  Aber dieser hässliche Teil des Tages ist ziemlich schnell vorbei.

Vor Versailles komme ich an einem großen Arboretum vorbei. Schau ich mir an. Doch die "Baumausstellung" ist nicht sehr spannend und eher etwas verwahrlost. Von Park keine Rede. Das schönste sind die vielen Karnickel,  die sich da rumtreiben.
Keine 2 km weiter staune ich nicht schlecht. Das sieht wie ein Eingang zu den Gärten von Versailles aus.


Das Eingangstor Saint Antoine! Ja super, dann kann ich ja gleich mit der Erkundung der Gärten von Versailles beginnen. Hier kann man mit dem Rad langfahren! Sagenhaft!! Ein "Museumsbesuch" mit dem Fahrrad!!

Dieser Weg geht direkt auf den großen Kanal zu. rechts kommen die verschiedenen Trianos und die Domaine der Marie-Antoinette, ein Dörfchen, der Weiler der Königin usw.


Diese Anlagen gehören zu dem Teil des Schlosses, die montags zu haben. Egal, es gibt auch so genug zu sehen und abzufahren. 

Wer kein Fahrrad dabei hat und nicht joggen will, muss sich solche  Golfkarren mieten - seeehr teuer!
Ich radle an diesem Nachmittag um die 12-13 km in den Gärten herum. Ein Erlebnis.
Klar, kommt einem Alles schon irgendwie bekannt vor, ob Nymphenburg, Oberschleißheim, Schönbrunn... alle haben Versailles kopiert - aber schon wie! Aber das hier ist das Original! Und ca 4-5 x größer als alle Kopien. Diese Gärten sind einfach enorm groß, Allein um den großen Kanal mit seinen beiden Seitenarmen fährt man 10 km. 


Je weiter man vom Schloss entfernt ist, desto ruhiger wird es. Richtig lauschig, mein heutiger Vesperplatz!

Dann geht es zurück Richtung Schloss und die anderen Gartenanlagen:


Die beiden Alleen mit den Statuen, die Labyrinthe, die geometrischen Rasenstücke und, und, und.
Immer wieder werden auch Superstars der Kunstszene eingeladen in Versailles auszustellen, bzw. Versailles umzumodeln. Dieses Jahr ist es Anish Kapoor an der Reihe, von dem ich schon einiges gesehen habe, u.a. in Bregenz, und den ich sehr schätze.
Wie er mit den Gärten spielt ist super. Manches fällt auf den ersten Blick gar nicht so auf, wenn er zum Beispiel Brunnenfiguren vergoldet und sie dadurch noch mehr verkitscht. Andererseits setzt er auf Kontraste und Brüche: In der Hauptachse auf dem "grünen Teppich" liegt eine vielteilige Skulptur.

Zu dem roten Stein muss man sich rechts davon ein rotes Loch denken. Das aber nicht mehr richtig rot sein wollte. Wurde gerade von zwei Jungs wieder auf Vordermann gebracht.Ein indischer Gentleman will mir eine Diskussion aufdrücken, ob das eine "Bottle" sei. Zuerst hatte ich ja den Verdacht es sei Herr Kapoor selbst, der die Reparaturarbeiten an seinem Werk beaufsichtigt. Mir gefällt der Gedanke, dass der Meister den naiven Touristen gemimt hat.


Deutlich besser als die sehr komplexe Installation,  kommen beim Publikum die verschiedenen Spiegel direkt vor dem Schloss an. Da fühlt sich jeder gleich aufgefordert mitzuspielen,


Erkennt ihr mich?


Hier ist es schon schwerer. In der Mitte ist eine Personengruppe, ich bin rechts davon, stehe wie alles auf dem Kopf.

Gegen 15:00 - ich will gerade aus den Gärten und mich auf den Weg zu meinem Hotel machen, wird es dramatisch. Was ich wohl übersehen habe, ist, dass man in den "großen Gärten" sehr wohl mit dem Fahrrad rumfahren darf. In den "kleinen Gärten" ist es aber verboten. Gefahren bin ich da eh nicht, bei den vielen Besuchern. Aber Fahrräder dürfen hier auch nicht geschoben werden. Am Ausgang verstehe ich warum. Das ist kein verkehrstechnisches Problem, sondern hat Sicherheitsgründe. Auf einmal kreisen mich auf dem Platz vor dem Schloss schwerst bewaffnete Soldaten ein und drängen mich weiter Richtung Ausgang. Ein Fahrzeug kommt auf mich zu,  und mir wird schon eher ruppig gesagt, dass ich hier mit meinem Fahrrad sofort weg müsse. 
Im Nachhinein kann ich es verstehen, dass die Sicherheitsbeamten nicht glücklich darüber sind, wenn ein teilvermummter Fahrradfahrer mit 2 großen Satteltaschen mitten in der Menge der Touristen auftaucht. Sorry, "Anti-Terror-Einheit", das war gedankenlos von mir!

Das war ein  ganz besonderer Touri-Tag für mich und mein Radl:


Übrigens: Wer mich live durch die Gärten von Versailles radeln sehen will, muss mal bei Google-Streetview schauen. Die sind heute hier mit dem Auto durchgefahren und ich habe ihnen sehr heftig gewunken! Mal sehen ob sie mich "drin" lassen!! Ihr braucht mich auch nicht verpixeln, Jungs! Ich stehe zu Allem was ich tue!!

Morgen früh werde ich schauen, ob ich ins Schloss komme. Karte habe ich schon, aber die verschärften Sicherheitskontrollen haben die Schlangen diesen Sommer anscheind sehr lang werden lassen, sagte die nette Dame vom Touristenbüro. Um 9.00 Uhr wird geöffnet. Mal sehen, wie viele Leute da schon anstehen. Am Nachmittag geht es dann nach Paris rein!! Und Morgen und  Übermorgen sind Ausstellungen angesagt!!! 
Ich freue mich schon!
 Bin natürlich auch gespannt. Wie ich in die Stadt reinkomme. 4-spurig -nie mehr!
Versprochen!

Mehr erfahrt Ihr Morgen an gleicher Stelle.








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