19.Tag: Von Tours nach Chouzé-sur-Loire
Wow! Das ist ein Tag der einiges an Überraschungen zu bieten hat.
Die Nacht in Tours hatte es schon in sich. Zuerst drückend schwül. Bei geschlossenem Fenster war an Schlaf nicht zu denken. Bei offenem Fenster, begann die Mosquitoinvasion.
Heute Morgen, bei meinen Startvorbereitungen wollte mein Helm nicht mehr so richtig passen. Entweder war der Helm kleiner geworden, oder mein Kopf größer. Letzteres wohl auf Grund erheblicher Beulen rundum. Das juckte ganz schön. Doch mit der Zeit hat sich mein Kopf an den Helm oder der Helm meinem Kopf angepasst. Es ging mit der Zeit.
In der Nacht muss es irgendwann geregnet haben. Der Morgen ist frisch. Angenehm zu fahren. Und aus Tours heraus habe ich auch einigermaßen schnell gefunden. Nur einmal, wäre mir beinahe das gleiche Missgeschick wie seinerzeit in Lyon passiert. Einige Hundert Meter bin ich auf eine Insel zwischen zwei Loirearmen gefahren. Doch dann habe ich es rechtzeitig gemerkt.
Es soll ein gemütlicher Tag werden. Kein Stress, keine Hochkaräter auf dem Plan (Also keine Angst, heute gibt es keine Geschichtsstunde!). Ich trödle so vor mich hin. Der Gegenwind ist mir n o c h egal.
Da das berühmte Schloss Villandry in Sichtentfernung vom Radweg liegt, kann ich nicht wirklich dran vorbeifahren.
Selbst, die Tatsache, dass am Eingang eine richtige Schlange gebildet hat, schreckt mich nicht ab. Villandry ist vor allem für seine fantastische Gartenanlagen bekannt. Und ich muss sagen, es hat sich gelohnt.
Auf einem Foto lassen sich die Größenverhältnisse nicht wiedergeben. Es ist eine absolute Zeitreise. Fast erwartet man zwischen den Hecken, hohe weißgepuderte Perücken zu entdecken.
Aber mit der Zeit wird es fast ein bisschen langweilig. Die gleichen Formen wiederholen sich endlos. Klar das ist das Prinzip. Aber an den Isolatorenbäumen sieht man sich ein wenig satt.Und wenn man genau hinschaut, dann haben die Bäume schon wieder unordentliche Buschen oben rausschauen. Ob ich denen die Adresse von meinem Hobby-Hecken-Schneider geben soll?? Der ließe solche Schlampereien bestimmt nicht zu. Und außerdem brächte er sicher mehr Leben in diese Gärten.
Nein, war schon schön! Muss man halt mögen!
Weiter durch kleine Dörfer mit romanischen Kirchen aus dem 11. oder 12.Jahrhundert. Durch Auwälder, in denen es fast zu kühl ist.
Aber wenn der Weg auf den Damm führt, dann pfeift der Gegenwind heftig.
"Der Westwind Regenwolken bringt,
Was dem Radler ziemlich stinkt"
Nicht die Wolken, die bringen ja Euch den Regen!
Also noch mal
"Westwind Euch den Regen bringt,
Westwind heut dem Radler stinkt"
Nö, wird nicht besser. Lassen wir es, kein Tag für Gereimtes.
Also nehme ich die Landstraße - und komme direkt am größten AKW-Komplex vorbei, den ich je gesehen habe. Man erkennt ihn erst spät, da er keine richtigen Kühltürme hat, sondern mehrere "Fußballstadien", riesige flache Kreise, die die gleiche Funktion haben, wie die Türme, nur dass sie keine "Wolkenmaschinen" sind.
Ich schenke mir das Foto, sah eh nicht schön aus. Und fotografieren ist natürlich verboten.
Dann über die Brücke. Noch 5 km bis Chouzé. Und jetzt beginnt der "Tag der seltsamen Überraschungen" Fahrt aufzunehmen!!!
Weit und breit kein Ort, nur Felder, Landwirtschaft, Obstplantagen. Dann ein Dörfchen. Und hier soll ein Hotel sein? Soll in der Nähe des Flusses liegen. Ich frage und frage, keiner weiß genaues. Am Fluss unten eine Bar. Der Besitzer spricht Spanisch. Ich frage wieder. Nein, ein Hotel gibt es nicht, aber ja, gleich um die Ecke gibt es "Betten". Er grinst irgenwie komisch, finde ich. Nach einer weiteren Runden im Dorf (unglaublich, so lange habe ich noch nach keiner Unterkunft gesucht) finde ich tatsächlich, das schnuckeligste Bed&Breakfast Häuschen, das man sich vorstellen kann.
Nur niemand da. Telefonnummer steht auf dem Schild. Ich rufe an. Der Chef geht persönlich dran. Er sei "wölkin"- ich denke er ist walken, später erfahre ich, dass er Gärtner ist und noch arbeitet. Er verspricht, bis 16:00 zu kommen. OK, ich zurück zu Bar. Warum grinsen die Typen so komisch?
Ich studiere aus reiner Langeweile mein Routen- Karte - jetzt kommt die nächste Überraschung. die Huber-Verlag-Menschen hatten anscheinend Probleme 5 Karten zusammenzubekommen. Die Karte 1 und 2 hat, so stelle ich erst jetzt fest, in den Übergängen, von Vorder- zur Rückseite, gewaltige Überschneidungen. Um genau zu sein fast 40 km. Das bedeutet, ich bin nur 15 km von meiner nächsten Übernachtung weg! Dich ich schon gebucht habe. Als jetzt aber schnell das Netbook raus und stornieren. Bis 18:00 heute kostet es nichts. Klappt. Und jetzt noch gleich in Angers was buchen. Hatte ich eigentlich erst für Übermorgen auf dem Schirm.
Etwas ähnliches ist mir auch schon auf der Spanienreise passiert. Da fehlte mir plötzlich ein Tag. Wie es scheint, habe ich ein Talent "Wurmlöcher" im Raum-Zeit-Gefüge zu finden.
Um 16:00 gehe ich zurück zur schnuckelige Pension. Der Chef ist da.
Die Pension ist wirklich wunderschön. Viiiiel zu schön. Mein Zimmer ein Gedicht. Für den der´s mag.
Das sind "Federbollen" - 4 Stück habe ich im Zimmer. Auf dem Klo ausgestopfte Vögel, überhaupt viel ausgestopfte Tiere. Alles ein wenig gruselig. Ach Friederike, wärst du doch bei mir!!!
Doch es geht weiter.. Der Ort hat nur ein Restaurant. Und das hat Montag Ruhetag. Mein netter Gastgeber, bietet mir an, "etwas zu kochen", - eine Kleinigkeit. Ich bedanke mich artig für das Angebot und nehme an.
20:00 Abendessen. Ich gehe noch einmal vor an die Bar. Abendstimmung am Fluss. Ein Traum!
20:00 Abendessen. Im Speisezimmer ist gedeckt.
Für 2 Personen.
Für meinen Gastgeber und mich.
Als Aperitif gibt es eine Likör aus grünen Walnüssen (langsam entwickelt sich die Fahrt zu einer Parallelgeschichte. Auch in Ungarn habe ich wunderbaren Walnussschnaps angeboten bekommen).
Dann geräucherter Wildschweinschinken "an Couscous-Salat".
Hauptgang: Geschmorte Taube, mit Ratatouille. Danach Ziegenkäse mit mit selbstgemachter Konfitüre. Danach ein Schokoladenkuchen mit Erdbeereis. Ich konnte das Ganze schlecht abbrechen.
Könnt Ihr Euch vorstellen, dass ich es nicht einmal gewagt habe zu fragen, ob er ein Bier hat? Stilvoll habe ich den ganzen Abend an einem halben Glas Rosé genippt. Und das mir!
Mein Gastgeber, der den ganzen Abend mit der Küchenschürze mir gegenüber sa?, war einfach zu überzeugend!
Es gibt Tage, die stecken voller Überraschungen.
So viel zu Wurmlöchern, dem Raum-Zeit-Kontinuum und Begegnungen der Dritten Art.
Morgen bekomme ich sicher noch lecker Frühstück!







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