Sonntag, 30. August 2015

45. Tag: Von Neuf-Brisach nach Engen


Wieder daheim!!  Wie schön! Und Friederike hat mich sogar am Bahnhof abgeholt!! 
Das war eine tolle Reise.

Doch von Anfang an:

Das Hotel mit dem schönen Namen, "zu den 2 Rosen" war unterm Strich eher unangenehm, ein paar Dornen zu viel. Vor allem eine stickige heiße Dachkammer, winzig klein und der Kirchturm gleich nebenan.
Ich war um 7:00 Uhr hellwach.
Als dann, die letzte Etappe.


12:41 Uhr, 14.41, 16.41 fahren die Züge nach Engen. Ich habe noch etwas über 60 Kilometer vor mir. Keine HEKTIK!
Den  14:41 reicht es garantiert.

Es ist schon recht heiß. Und ein recht kräftiger Gegenwind. Die Radwege 15 und 5 sind gut ausgeschildert. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht nach Mulhouse gelenkt werde.

Rechts der Schwarzwald, links die Vogesen, wie gestern, - und ich zwischen Maisfelder- und Maisfeldern - und Maisfeldern.


Dann plötzlich Bienen von allen Seiten. Irgendwo fühlt sich ein Schwarm desorientiert - 2 bis 3 bleiben in in meinem Trikot hängen - und stechen zu. 
Noch einmal Glück gehabt. Dann kommt der große Moment. Die Schleife ist geschlossen. Der "Knopf" ist drauf. Die große Boucle de France, "Mannes Tour-de-France" der "Kreis ist geschlossen". Vor 6 Wochen sind wir hier gemeinsam vorbei gekommen. Erinnerst du dich, Friederike?
Nach rechts geht es ab an den Kanal nach Mulhouse.


Jetzt nur noch durch die Elsässiche Camarque nach Basel rein - über die Drei-Länder-Brücke


An der Messe vorbei

An den Badischen Bahnhof - und - leider komme ich genau um 12:00 Uhr an. Eine Viertelstunde zu spät. Macht nichts.
Erst mal raus aus dem Radler-Outfit, Mittagspause, Zeitung leisen - und 14:40 geht es heim nach Engen.
Im RE Basel Singen ist die Klimanlage ausgefallen. Es ist saunamäßig heiß. Ich nehme es mit stoischer Gelassenheit.
In Singen habe ich 2 Minuten um den Seehas zu erreichen. Nette Leute helfen mir mit dem Fahrrad raus.
Ich komme auf Gleis eins an. Der Seehas fährt ein.
Eine halbe Stunde später


Wie schön, - Friederike ist am Bahnhof!

Eine Superreise hat ein schönes Ende gefunden.

Zum Schluss noch den Oscar für die Besten überhaupt:

Die Jury konnte sich auf keine Reihenfolge festlegen, daher gibt es 4 erste Plätze für:

Die 4 großen F dieser Reise:

Mein Fahrrad
Friederike
Frankreich und
die Franzosen

Fahrrad - Kommentar überflüssig
Friederike- Kommentar nicht überflüssig (geht Euch aber nichts an)
Frankreich: Was für ein unglaublich schönes Land. Auf den 2786 km habe ich so viel gesehen, so viel erlebt, so viel gerochen, geschmeckt, .... 
Vielleicht hat mich am meisten beeindruckt, wie an allen Ecken Geschichte auf einen einstürmt. Vom "Finsteren Mittelalter" vom Loch zwischen Römischem Reich und dem Mittelalter keine Rede. 3., 4. 5., 8. 11. Jahrhundert, Römer, Normannen, Wikinger, St.Michael, die Hl.Jungfrau, Francois mein Bruder,Glaubenskriege, Dekadenz hoch 10, Kriege....
und es blieb was es ist, 
und immer war und inmer sein wird,  ein schönes, endlos fruchtbares Land.
mit freundlichen,sympatischen Bewohnern,

Bschuuur Franzosen, bis zum nächsten Mal!!!


Samstag, 29. August 2015

44.Tag: Von Straßburg nach Neuf-Brisach


Ein Tag komplett auf wunderschönen, Radwegen entlang  Kanälen!! Was will man mehr.


Erkennt ihr in wieder? Das ist der Rhein-Rhone-Kanal vom Anfang der Reise. Na ja, eigentlich auch wieder nicht. denn "unser" Rhein-Rhone-Kanal kam über den Rhein bzw. über den Canal d´Alsace nach Kebs. 
Dieser Rhein-Rhone-Kanal gibt irgendwann den Geist auf, bzw. wird nicht mehr schiffbar.
Was mich die ganze Reise hinweg immer wieder beschäftigt hat, ist die Frage, warum gibt es in Frankreich so endlos viele Kanäle und dazu im Vergleich in Deutschland so relativ wenige. 
Vielleicht liegt es  daran, dass Frankreich  früh ein zentralistischer Staat war, der überregionale Projekte wie Kanalbauten eher in Angriff nehmen konnte, als die vielen kleinen Staaten auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Der König Ludwig Kanal, im Altmühltal, war auf bayrischem Gebiet aber auch erst Mitte des 19.Jahrhunderts gebaut worden. Die meisten relativ alten Kanäle gibt es in Ostdeutschland, in den preußischen Kernlanden. Und die noch heute wichtigen, wie der "Kaiser-Wilhelm-Kanal" (heißt heute natürlich nicht mehr so) entstand erst nach der Reichsgründung.

Aber zurück zum heutigen Tag.

Als ich aus dem schönen Hotel Swiss trete, kann ich die Kirchturmspitze des Münsters nicht sehen. Nebel.
Ein weiteres Indiz, dass es Zeit wird,  heimzukommen.
Aus Straßburg finde ich problemlos. Die Radwege sind super ausgeschildert. Meiner fängt praktisch noch im Stadtgebiet an. Dort wo er von der Ill abzweigt.
Und im Prinzip radle ich heute über 70 km immer den Kanal entlang. Meist im Schatten von wirklich alten Platanen. Heute Morgen wäre Schatten jetzt nicht gerade nötig gewesen. Bis die Sonne es schafft den Hochnebel zu vertreiben ist es fast Mittag. Gegen 11:00 kann ich linkerhand zuerst den Schwarzwald schemenhaft erkennen. Um 12.00 Uhr sehe ich dann auch die Vogesen.
Eine kleine Falle hat der Rhein-Rhone-Kanal  zu bieten.


Hier kreuzt "mein Kanal" die Ill. Wäre ich auf der linken Seite des "Kanals" geblieben, wäre ich Richtung Sélestat geradelt - nicht gut!!
Aber, wie gesagt, der Weg ist hervorragend ausgeschildert. Inzwischen bin ich auf 2 Europäischen Fernwanderwegen gleichzeitig: dem Eurovelo 5 (London-Brindisi) und dem Eurovelo 15  (den Rheinradweg). Von Anfang an steht auch Bale auf den Schildern. Obwohl es meiner Meinung nach von Straßburg nach Basel ein paar Kilometer mehr sein werden, als 120. Sei´s drum.
Es fährt sich schön heute Morgen.


Hier ist das "Nest" aus dem die ganzen Mietboote mit dem bescheuerten Namen "le boat" herkommen. Und genau hier hört der schiffbare Teil des Rhein-Rhone-Kanals auf. Runter Richtung Straßburg, und über die Ill kommen die Boote natürlich überall hin.


Wie bereits gestern, haben diese stillgelegten Kanäle etwas ganz besonderes. Hier ist er zudem voll mit Fischen.
Und: Eine weitere Entdeckung habe ich heute in den Auwäldern des alten Kanals gemacht:


Nach was sieht das wohl aus, na? Richtig, und genau das ist es auch! Hopfen. Wilder Hopfen, ganz sicher keine Waldrebe. Gerade habe ich nachgeschlagen. Der wilde Hopfen wächst tatsächlich gerne in sumpfigen Auwäldern, ist genießbar und kann zum Bierbrauen verwendet werden. Das wäre doch mal was, eine neue Nische im hart umkämpften Markt der Craft Biere. Valentin, sollen wir mal einen Versuch starten? Was ich bis heute auch nicht gewusst habe ist, dass der Hopfen zu den Canabacaen,  zu den Canabisgewächsen, gehört und durchaus berauschende Wirkung haben kann. Er kann sich allerdings auch heftig auf den Hormonhaushalt auswirken. Dann vielleicht doch lieber nicht.
Als ich gegen 14:30 in Neuf-Brisach ankomme, ist es wieder richtig heiß geworden. Da ist es eher lästig, dass es mich am letzten Tag noch einmal erwischen muss. Meine Auberge mit dem schönen Namen "Aux Deux Roses" macht erst um 16:30 auf. 
Also Bikeseeing im Radoutfit. 
Neuf-Brisach ist wieder eine Vauban-Stadt. Die letzte, die er geplant hat. Und die "perfekteste". 1796, in nur wenigen Jahren völlig neu aus dem Boden gestampft, musste sie Breisach, auf der anderen Seite des Rheins ersetzen, das durch irgendeinen "Friedensvertrag" verloren gegangen war. Eine Reissbrettstädtchen schön anzusehen, aber so interessant wie ein Topflappen. 
Das Vauban-Museum hat mir gut gefallen. 1.weil es so klein ist, 2.weil es in den Kasematten angenehm kühl war. Und ich habe viel über die Tücken des Festungsbaus gelernt, z.B. dass man vor Vauban das Problem der "Toten Winkel" in die die Verteidigungskanonen nicht schießen konnten, nicht in den Griff bekommen hatte. Erst Vauban, mit seinen sternförmigen Vorbauten schaffte die toten Winkel ab und machte es quasi unmöglich einen geschlossenen Belagerungsring, selbst um eine so kleine Festung wie Neuf-Brisach zu legen.Man hätte eine über 10 km lange Belagerungslinie aufrecht erhalten müssen.Und mein Verdacht, dass Vauban garantiert nicht bei allen 35 Festungsbauten die "Bauleitung" haben konnte, sondern dass andere die "genialen" Vaubanpläne umsetzten, hat sich heute auch bestätigt gefunden. 
Ich glaube, diesen Wissenzuwachs hefte ich in meinen Ordner, "Fakten, die ich nicht wirklich wissen müsste" ab.
Schluss mit Geschichtsstunde. Es ist 16:00 ich fahre zum Hotel, und siehe da, eine nette junge Dame kommt gerade an und lässt mich rein.

 Was ich mir merken muss:

Auch wenn es zum Pflichtprogramm im Elsass gehört, Churcrut zu essen. Fahrradfahren und Churcrut, das geht gar nicht. Nie wieder, verstanden?

Womit wir beim obligatorischen Reise-Resümee angelangt wären. Ich fange heute schon mal damit an:

Die wichtigsten Best-of-Listen (und Goldenen Zitronen) dieser Reise: 

Fangen wir mit den Goldenen Zitronen an:

I. Die gröbsten Fehler dieser Reise:
    
    1. Churcrut
    2. Dass ich nicht irgendwann  mal ein Hinterrad ausgebaut habe.
    3. Dass ich mich am ersten Tag mit ohne Radwege zu sehr auf mein "Gefühl" verlassen habe. Hätte ich               mich strikt an die Karte gehalten, wäre ich erheblich früher in Saint Nazaire gewesen.

II. Das schlechteste Essen:

  1. Alle Salate in Frankreich. Will man keine üppigen Vorspeisensalate mit Lachs, Schinken, Käse etc. ist man aufgeschmissen. Ein einfacher "Beilagensalat" ist meist schlecht gewaschen, leicht angefault, mit riesigen Blättern auf denen oben ein schrecklichen Dressing aus der Flasche drauf gekleckert wurde.Passt man nicht auf, muss man die unteren Blätter völlig ohne Dressing runterwürgen. Da könntet Ihr, liebe Franzosen, von den Italienern lernen. Stellt doch einfach Essig und Öl, Salz und Pfeffer hin, das wäre schon ein Fortschritt. (Kundenaktivierung nennt man das: die Uroma des Online Bankings)
  2. Edel Essen entsteht nicht dadurch, dass die Teller größer werden und um die Miniportionen Balsamico-Essig-Kringel gelegt werden.
  3. Warum fragt Ihr eigentlich, wie man das Fleisch will, "medium" ist nicht" rein in die Pfanne gewendet und wieder raus". Dann lieber Tartar, unter dem Sattel weich geritten.
  4. Pommes könnt Ihr, liebe Franzosen, aber die in Bar-le-Duc waren unterirdisch. Das Hotel hat schon nach altem Fett gerochen, die Pommes waren im Fett ertrunken.

III. Die größten Enttäuschungen der Reise:

  1. Belgische Biere. Warum, liebe Franzosen, seid ihr dermaßen auf belgische Biere abgefahren. Ich mag die ja auch. Aber doch nicht im Sommer und einfach so. Dabei habt ihr so leckere leichte Sommerbiere. Nein, Grimbergen et.al. sind für besondere Anlässe und nicht zum Happy Hour Saufen.
  2. Die Loire Schlösser. Wissen wir ja schon lange, dass viel Geld nicht guten Geschmack mit sich bringt. Viele der Loireschlösser sind einfach Kitsch hoch drei. Und die Gärten eine Zumutung. Natur auf Geometrie zu trimmen ist nicht wirklich bewundernswert. Und dass alle einen durchgeknallten Möchtegern-Sonnengott kopierten, macht die Sache nicht besser - erst recht nicht in der 24.Kopie.
  3. die Wassertemperaturen am Atlantik.
IV. Die Beklemmensten Augenblicke

  1. Die U-Boot-Garagen von Saint-Nazaire.
  2. Das Grabmal der verratenen Partisanen.
  3. Die Geschützunterstände an den Schleusen
  4. Die vielen Soldatenfriedhöfe, an denen ich jeden Tag vorbei kam.

Und jetzt die Best-of-Listen:

I.  Die größten Überraschungen:
  1. Dass Frankreich nicht annähernd so teuer war, wie ich es von der Spanienreise in Erinnerung hatte. Ein Café für 1,20 € ist akzeptabel und das war in etwa der Durchschnitt. Und Essen gehen muss nicht 30,00€ kosten. 
  2. Dass man im Flachland satt Höhenmeter machen kann.
  3. Dass ich Berg kann.
II. Die besten Biere:
  1. Fischer
  2. Meteor
  3. San Nicolas
  4. Kronenbourg
  5. 1665 (komischerweise alles elsässische Biere)
III. Das beste Essen:
  1. Mein Dinner mit Daniel
  2. Japanisch in Toul
  3. Angolanisch in Saint Nazaire
  4. Im "Le Page" in Luneville
  5. (Aber eigentlich war ein großer Teller Spaghetti nach einem langen Tag auf dem Rad das Allerleckerste)
IV. Meine Lieblingsflüsse:
  1. Doubs
  2. Moselle
  3. Cloche (der kleine Fluss mit dem tollen Tal und den vielen Klöstern)
  4. Loire - sorry Loire, Länge ist nicht alles.
V. Meine Lieblingsstädte:
  1. Kann man Paris nicht den ersten Platz geben? Eigentlich nicht.Das gehört sich so. Aber
  2. Nantes
  3. und Straßburg 
  4. aber auch Angers und
  5. Orleans waren nicht ohne
VI. Kulturelle Highlights:
  1. Der Kerker von Francois Villon
  2. Das Centre Pompidou
  3. Das Straßburger Münster
  4. Die "Offenbarung Johannes" auf den Teppichen von Angers
VII. Die schönsten (kleinen) Momente:
  1. Der Anblick des Meeres. Nach der Durchquerung Europas vom Schwarzen Meer bis zum Atlantik.
  2. Die 4 SMS an dem Tag, als die  Friederike nach Hause flog. 
  3. Die spannenden Momente jeden Tag in den "Office de Tourisme" -wenn die Damen auf meine Frage, "Wo ist das Hotel X" antworteten - "gleich da drüben".
  4. Oder: "Sie kommen aus Y?" Dann sind sie vor 3 km dran vorbei gekommen. Fahren sie den gleichen Weg wieder zurück.

VIII.  Die besten D-Straßen:
  1. D 29
  2. D 60
  3. D 2
IX. Die besten Hotels:
  1. "Hotel Swiss", Straßburg
  2. "Hotel Central" Baume-le-Dames
  3. "Hotel de France et de Duise", Bloig
  4. "Auberge bretonne", Chateaubriant,

Noch habe ich einen Tag vor mir. Bis Morgen!!




        





Freitag, 28. August 2015

43.Tag: Von Sarrebourg nach Straßburg


Was mache ich jetzt!! Die 5 Sterne für Radwege habe ich schon vergeben. Aber die heutige Strecke war noch um Klassen besser ! ***** 5 fette Sterne in Gold 
für den besten Radweg der ganzen Reise. MannoMann, das war ein Erlebnis! Und das, obwohl es fast den ganzen Morgen genieselt hat.

Aber von Anfang an:

Er regnet schon beim Aufstehen. Ungemütlich, aber überhaupt nicht kalt. Zuerst muss ich mir Chagall-Fenster in der Kapelle zum Heiligen Lamm anschauen.


Geht aber nur von Außen. Genuß begrenzt. Die Kapelle ist zu. Schade. 

Mir ist klar, dass ich in Sarrebourg noch nicht den Scheitel dieses Vogesenkamms erreicht habe, da muss ich schon noch etwas höher. Ich habe mir einen ganz schlauen Weg rausgesucht, nur leider ist der um ersten Mal überhaupt nicht ausgeschildert. Aber hier sprechen die Leute ja schon Deutsch, was aber auch nicht ganz einfach zu verstehen ist. Mit Hilfe vom Briefträger und einem netten Herrn, finde ich den Weg nach Hommarting und die Straße hinauf auf die Höhe. Hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Oben angekommen, sehe ich den Kirchturm von Arzwiller unter mir. Soll das schon alles gewesen sein? Ich bleibe misstrauisch.
In Arzwiller finde ich sofort das Radwegschild. Wenn meine Karte mich nicht angeschmiert hat, dann habe ich jetzt Radweg bis Straßburg. Wäre das schön!!
Was mich aber noch mehr verblüfft, es geht wirklich schon abbi!! Aber schon wie! 
Kurz hinter Arzwiller, der alte Tunnel.


Ist wohl nicht mehr in Betrieb. Hier kommt noch einmal Verwirrung auf, das Radwegschild zeigt in 2 Richtungen. "Lutzelbourg" wäre in Ordnung. - Aber der schöne neue Kanal ist "dort drüben"!!!
Ich vertraue den Schildern. Bald verstehe ich den Grund meiner Verwirrung. Ein wunderschöner Radweg folgt dem alten Kanal. Der "leer" ist.

Die Strecke entlang des alten Kanals haut mich fast um. Hier komme ich überhaupt nicht voran. Ein Fotomotiv schöner als das andere. Ich stehe ja auf den morbiden Charme des Verfalls. 


Die meisten der Schleusenhäuschen sind verfallen. Ein paar wenige sind hergerichtet, dieses hier sogar bewohnt. Aber bis zum"Restaurant" haben die Besitzer noch einen weiten Weg.
Es regnet inzwischen etwas heftiger.


Dem Kollegen Ziegenbock ist es eindeutig zu feucht. Er bleibt im Stall und beobachtet verwundert, den einzigen Radfahrer auf der Strecke.


Oberhalb des Kanals verwegene Felsformationen, denen man ansieht, dass sie von Wassermassen geformt worden sind. Oben scheint ein Wanderweg zu verlaufen. Bestimmt auch schön. Aber kein Vergleich zu dem Spaß, den dieser Radweg macht, der wirklich flott nach unten geht.

Ein Highlight folgt dem anderen. Für einige hundert Meter haben sie den Radweg "in/auf /über" den Kanal gebaut, man fährt quasi direkt durch die alten Schleusen- das ist schlichtweg genial.
Und weiter geht es hinunter. Kilometer für Kilometer. Jeden Höhenmeter über den ich die letzten 2 Tage geflucht habe, bekomme ich aufs Allerangenehmste zurück! 

Vor Lutzelbourg kommt der alte Kanal zurück zum neuen. Ich habe zwar nicht das Schiffshebewerk gesehen, aber dafür die verwunschenen Ecken des maroden alten Kanals. Das war viel spannender.



Lutzelbourg hat mir auch sehr gefallen.



Noch sind wir in Lorraine erst zwischen Lutzelbourg und Saverne ist die Grenze zum Elsaß.
Saverne ist ein bezauberndes Städtchen, in dem es sehr lecker Kaffee gibt.

Zu Saverne liesse sich eine ganze Reihe von interessanten Geschichten erzählen, die Stadt liegt seit jeher an einem strategisch äußerst wichtigem Punkt - eben an einem einfachen Übergang durch die Vogesen, aber für heute verkneif ich mir das, schließlich kommt ja noch Straßburg.


Aber,  das klassizistische Rohan-Schloss hätte schon viel kurioses und auch weniger kurioses zu erzählen. Die Fürstbischöfe von Straßburg haben sich hier verewig,  und in den Kellern des Schlosses


vielleicht da hinten rechts,  hat Cagliostro seinen Budenzauber abgehalten und behauptet,  er würde jetzt Gold herstellen.
Über die Zaberner Unruhen werde ich vielleicht ein andermal erzählen. Auch eine verrückte Geschichte.

Nach Zabern spielt sich ein bemerkenswertes Wettrennen zwischen mir und den Regenwolken ab. Diese werden heftigst und dunkel von rechts hinten nach links vorne durchs Bild geblasen. Ich kreuze, ebenfalls heftigst, von links hinten, nach rechts vorne. Irgendwann im Schnittbereich unserer Bewegungen ist der Weg nass, doch ich bleibe für den Rest des Nachmittages trocken.



Schade, dass es keinen elsässischen Velásquez gegeben hat, das wäre ein Bild für ihn gewesen.
Straßburg rast auf mich zu. Ich kann es kaum fassen.
Und schwuppdiewupp ist der Europäische Gerichtshof direkt vor mir. Jetzt aber schnell in die Innenstadt abbiegen.


An die 80 km sind es heute gewesen-  ich bin schon vor 15:00 im Hotel "Swiss",  gleich neben dem Straßburger Münster. 
In der "Best-of-Liste:Hotels dieser Reise", wird es sicher, ich möchte der Jury nicht vorgreifen, um die ersten Plätze mitmischen.

Und Straßburg. Ich mag diese Stadt. Verfressen wie Nantes, aber mit diesem unglaublichen roten Ungetüm, dem Raumschiff in der Altstadt. Das Münster, welches,  egal wie oft ich davor stehen werde, nichts an Faszination verlieren wird. 
Allein die Portale.
 Mal ganz ehrlich, mit wem würdet  Ihr lieber um den Block ziehen, mit den "törichten Jungfrauen" 


oder mit den klugen


Die Antwort erübrigt sich wohl. Wer will schon mit einem überdimensionalen Zahnstocher im Mund malträtiert werden. Man muss das gesehen haben, mit welcher Nonchalance hier "gefoltert" wird. 

Straßburg swingt heute. Überall Straßenmusik vom Feinsten. Und aus dem Münster kann man ein Konzert mithören.

Da rockt der Elsässer und die Elsässerin gewaltig mit.


Tja, Straßburg wird in der Kategorie, "Beliebteste Stadt der Reise" sicher auch ganz vorne dabei sein.

Heute, im Laufe dieses schönen Tages ist die Entscheidung leicht gefallen. Ich werde die "Schleife" zumachen!

D.h. Morgen fahre ich runter bis Breisach. In Neuf-Breisach werde ich noch einmal übernachten, denn von Straßburg bis Basel sind es auf den kleinen Wegen rund 120 km. Und am Sonntag radle ich "auf vertrauten Wegen"  nach Basel rein, an den Badischen Bahnhof und von dort wie bei dem Losfahren,  möchte ich nach Engen mit dem Zug heimfahren. 
Die getreuen Leser des Blogs werde also noch mindestens 2x Morgenlektüre haben. Die "Abrechnung" erfolgt am Sonntag in Engen.

Aber erst einmal eine "geruhsame Nacht",- bis Morgen!









Donnerstag, 27. August 2015

42.Tag: Von Lunéville bis Sarrebourg


Es geht in die Endrunde!! Von Lunéville zurück an den Kanal. Gleich nach dem Frühstück eine Bergfahrt, das ist nicht so nach meinem Geschmack, aber dann würde es ja immer dem Bach entlang gehen. Beim Rausfahren sehe ich, dass ich nicht die gleiche Strecke zurück muss. Es ist schon ganz
 schön heiß. Aber bald wird es ja gemütliches Radeln geben.
Unten angekommen, finde ich den Kanal problemlos.


Schilder lügen nicht!- Von wegen!!
Die tun doch tatsächlich so, als ginge es immer dem Kanal lang, bzw. als ob es Sarrebourg einen ausgeschriebenen Radweg gäbe!! - Das ist frech. Kaum habe ich mich an den Kanal gewöhnt, -es ist wirklich schön hier zu fahren



da ist  auch schon Schluss mit Kanalfahren. Macht zunächst  nichts, das Sträßchen hält sich an den Flußverlauf der Sanon. Doch auf einmal sind alle Schilder weg. Jetzt muss ich mich wieder nach meinen eigenen  Routen richten. 
Dass ich mich in den Vogesen nähere lässt sich nicht mehr übersehen. 



Es geht bergauf. Aber so eine Achterbahnfahrt habe ich selbst in der Bretagne nicht erlebt. Man sieht die Kuppen der Straße bis in die ganz in die Ferne und dazwischen richtig flotte Abfahrten. In erheblichen Wellen geht es aufwärts. Nicht schön zu fahren. Der Wind nimmt zu, schräg von vorn oder von der Seite. Auf den Kuppen werden die Böen tückisch. Ein Blick zurück


Irgendwann treffe ich den Kanal wieder. Kurze Begegnung, nach weniger als 2 km ist schon wieder Schluss mit gemütlichem Radeln; wieder Hügel, wieder Gegenwind. Zudem gestaltet sich die Annäherung an Sarrebourg kompliziert. Eine Schnellstraße nach der anderen, die kleinen Sträßchen werden rar. Aber es klappt. Allerdings mit weiteren Berg-und Talfahrten.
Trotz Alledem,ein schöner, ereignisloser Tag. 
Mit weiteren Anzeichen, dass der Sommer langsam seinem Ende zu geht.


Mein heutiges Hotel ist etwas außerhalb, an einem See. Heute Abend noch nach Sarrebourg reinzufahren, dazu kann ich mich nicht mehr aufraffen.
Aber wie wäre es mit Baden gehen, es ist immer noch sehr schwül!


Ich suche meine Badehose raus und gehe an den See. Aber der Running Gag - rennt weiter. Es hat dermaßen viele Schnaken, dass ich sofort Reißaus nehme.

 An den berühmten Chagallfenstern fahre ich Morgen früh direkt vorbei. 
Den Karten nach, sollte es bis Straßburg einen durchgehenden Radweg geben. Wenigstens nach dem Schiffshebewerk von Arzwiller. Da bin ich gespannt.

Spätestens Morgen muss ich mich entscheiden, ob ich noch "runter/rauf" nach Basel fahre, mit einer weiteren Übernachtung in Breisach.Dann wäre meine persönliche "Schleife durch Frankreich" komplett, oder ob ich Samstag rüber nach Offenburg fahre, und in den Zug nach Engen steige. Das mache ich ein bisschen vom Wetter abhängig. Heute war es phasenweise drückend schwül und der aufkommende Starkwind kündigte  Regen an. 
So oder so, das Ende einer phantastischen Reise rückt näher. Und immer häufiger ertappe ich mich beim Resümieren. Doch noch habe ich mindestens 2 Tage vor mir!! 

Also bis Morgen!!




Mittwoch, 26. August 2015

41.Tag: Von Toul nach Lunéville


Ein großartiger Tag für Freunde des Kanalradelns. Die Boucle de la Moselle ist der Luxusradwanderweg schlechthin!!
Man kann praktisch ganz um Nancy herum auf wunderschönen geteerten Radwegen fahren. Ich habe heute die Südumfahrung gewählt, das waren bis Jarville, das liegt praktisch auf gleicher Höhe wie Toul, nur auf der anderen Seite von Nancy, über 30 km *****Radweg. Die Verwirrung, was die französischen Wasserwege in Lothringen betrifft, legt sich langsam. Aber man muss trotzdem höllisch aufpassen.

Doch von Anfang an:

Beim Herausfahren aus Toul entdecke ich, dass die Touler Festung von einem alten Bekannten gebaut wurde, dem Herrn Vauban


Kann das überhaupt sein, dass ein Festungsbaumeister so viele Projekte ausgeführt hat, von der Spanischen Grenze bis Freiburg, von Toul bis, wo bin ich gleich noch an einer Festung von ihm vorbei geradelt? Ich habe den Verdacht, dass er nicht nur der rührigste Baumeister war, sondern dass er auch das Franchising erfunden hat.
Und dann die Mosel


Ist hier schon ein ganz anderes Kaliber, als die netten Flüsschen, Meuse oder Merthe, die ich gestern getroffen habe. Hier können auch Frachtschiffe nach heutigen Maßstäben fahren.


Und dementsprechend ist hier auch einiges an Industrie angesiedelt. Gut, ich gebe es zu, es ist nicht unbedingt  romantisch an Walzwerken und Drahtziehereien vorbei zu fahren, aber interessant und eine Abwechslung ist es allemal.

Bei Neuves-Maisons (es gibt offensichtlich nicht nur neue Schlösser und neue Brücken) wird es interessant, hier muss ich aufpassen, dass ich nicht an den Vogesenkanal gerate. Aber da Flussschiffer grundsätzlich "kurzsichtig" sind (so viel weiter weg sind sie an einem solchen Kanälchen nicht) sind ihre Verkehrsschilder bedeutend größer,

so dass ich nicht übersehen kann, dass ich links weg muss, sofern da ein Radweg ist. Passt. Der Canal de jonction verbindet die Mosel mit dem Rhein-Marne-Kanal. Jetzt wird deutlich, dass der Rhein-Marne-Kanal kein durchgehender Verkehrsweg ist, sondern sich aus den unterschiedlichsten Abschnitten zusammensetzt.

Der Verbindungskanal ist höchstens 10 km lang, aber ein besonders spannender. Er hat bis zum Scheitel nur 3 Schleusen, und die sind relativ weit auseinander. Ich habe den Eindruck dieser Abschnitt ist schon relativ alt.

ABER DANN! Geht es ganz gigantisch abwärts. 15 Schleusen, die ersten 6 sind jeweils nicht mehr als 100m auseinander. Da kann man es richtig laufen lassen. Wow! Wenn man ein BMX-Rad hätte, könnte man über die Stufen hüpfen.


Das macht Spaß! Und in nullkommanix ist man unten, Kanal von Links!


Da kommt der Marne-Rheinkanal, der einige Zeit die Meurthe begleitet hat (und wahrscheinlich von ihr das Wasser bezieht), die oberhalb von Nancy in die Mosel mündet.
Aber wie geht es für mich weiter?
Dieses Mal falle ich nicht darauf rein, und folge den anderen Radfahrern. Ich weiß inzwischen ganz genau was Boucle heißt, nö, Schleifen werden heute keine gefahren. 
Ein Rennradfahrer in meinem Alter erbarmt sich meiner, und gibt mir den entscheidenden Typ. "Hier kannst du nicht dem Kanal folgen. Aber genau hinter dir ist eine kleine Fußgängerbrücke über die Meurthe und auf der D 400 kannst du relativ ruhig bis Dombasl fahren, dann gibt es die kleine D 2 bis Maixe und dann geht es relativ bescheiden nach oben, - nach Luneville." Denn da habe ich mein Nachtquartier gebucht. Am Kanal selbst sind die nächsten 60 km nur kleine Dörfer, da war nichts zu finden. 
Was mein Rennradkollege sagt, stimmt. Nur die letzte Bemerkung war eine verdammte Lüge!!
Die Straße an der 400 ist harmlos, aber hässlich. Die Gegen wirbt mit blau-weiß-grün. Blau für den Himmel, stimmt, weiß für das Salz, stimmt auch, riesige weiße Pyramiden am Straßenrand. Kaliwerke, Chlorfabriken, und das grün kommt mir ziemlich staubig vor; mich juckt es nach 5 Minuten überall (ist natürlich Einbildung, aber funktioniert trotzdem). Also lass krachen!
Ein Kaffee noch in Dombasl s./M und dann auf ein wirklich schönes kleines Sträßchen.
Die letzten 9 Kilometer sind eine Zumutung. Von wegen leicht nach oben. Ein recht knackiger Anstieg über 6 Kilometer, dann noch 3 nach Lunéville runter. Wenigstens ist Morgen der Anstieg harmloser als die Abfahrt, denn an die Meurthe und den Kanal muss ich wieder zurück.

Lunéville habe ich natürlich auch rausgesucht, weil ich meiner zukünftigen polnischen Verwandschaft eine Freude machen wollte.
Schließlich hatte der letzte polnische König hier sein bescheidenes Unterkommen gefunden. Das ist schon eine heiße Geschichte.



Die Geschichte von Stanislas Leszczynski, 2x König von Polen, 2x mal gewählt, 2x ins Exil geflohen, hatte kein so glückliches Händchen, wen er sich zum "Wohle" Polens als Bündnispartner ausgesuchte. Als die Schweden Knatsch mit Russland hatten bzw. Russland angriffen, schlug er sich auf ihre Seite, wurde Dank Karl XII von Schweden zum König von Polen, als dieser "verlor" musste er fliehen. 
Später schafft er den Geniestreich seines Lebens, indem er seine Tochter Maria mit Ludwig XV von Frankreich verheiraten konnte. Mit Hilfe seines Schwiegervaters wurde er zum 2.Mal König von Polen, - um die Geschichte kurz zu machen, klappte auch nicht wieder Flucht und jetzt blieb er in "seinen französischen Herzogtümern" und wurde zum Paradebeispiel für einen aufgeklärten Fürsten. Luneville wurde zu einem "Zentrum der Aufklärung" von dem sogar Voltaire schwärmte. Und der Alte Fritz hat sich einiges von seinem polnischen Kollegen abgeguckt.
Sein Ende ist auch filmreif. Er ist mit 88 Jahren wohl etwas wärmebedürftig geworden und kam zu nahe an das Kaminfeuer und seine Kleider fingen Feuer. Shit happens.
Das Schloss ist wirklich sehenswert. Auch wenn ein Brand erst vor etwas mehr als 10 Jahren vieles vom Innenleben zerstört hat. 
Das Städtchen gibt es dank des Schlosses. Und dementsprechend hat es auch schon bessere Zeiten gesehen. Die Fayencen von Lunéville sind berühmt. Aber ehrlich gesagt selbst mir zu kitschig. Außer die Empire Geschirre, die finde ich sehr schön.
So genug Geschichte/n für heute!!! Für mich ist es einfach schön, am Abend festzustellen, wie viel ich an einem Tag wie heute gelernt habe, was ich gestern noch nicht wusste, oder vor langer Zeit schon einmal vergessen hatte.

Was ich auch gelernt habe, ist, dass sich "gehobene" französische Küche nicht mit Radlerbedürfnissen in Einklang bringen lässt. Im Hotel "zum Pagen", in dem ich heute nächtige, kocht man gut (die Preise sind dafür überraschend moderat). Aber wie um Himmelswillen, soll ich Morgen Nachmittag um 15:00 Uhr so einen Berg hochfahren, wie ich es heute musste, mit diesen Portionen! Liebe Leute, ich hoffe für Euch, dass Morgen ein gemütlich-den-Kanal-entlang-Tag sein wird!!

Bis Morgen.

Dienstag, 25. August 2015

40.Tag. Von Bar-Le-Duc nach Toul


Vor der heutigen Etappe hatte ich ein wenig Manschetten, wo und vor allem wie sollte ich über den ersten Scheitel des Marne-Rhein-Kanals fahren.Der Kanal macht es sich einfach - geht einfach ab durch den Tunnel.

Aber von Anfang an:

Gestern Abend hatte ein heftiger Sturm angefangen, der die ganze Nacht heftig an den Fenstern des Hotels gerüttelt hat. Am Morgen sieht die Welt wieder sonniger aus. Einen 3.Tag in Folge mit Regen zu beginnen, das hätte auch langsam aufs Gemüt geschlagen. Doch die Sonne scheint, allerdings ist es empfindlich "kühl". 
Der heutige Tag, das sagen die Karten, wird drei geteilt werden. Zuerst geht derRadweg am Kanal lang, noch ca. 25 Kilometer, dann eine "Bergstrecke mit Abfahrt" und dann ein Hin-und Hergegurke, bis  nach Toul.
Und so war es auch.
Mit gestern bin ich über 80 km wunderbar am Kanal entlang geradelt. Einfach nur schön.


Dass eine Wasserstraße 280 Höhenmeter überwinden kann, ist eine beeindruckende technische Leistung, dies aber selbst zu erleben, wie man von Schleuse zu Schleuse, wie über eine Treppe, nach oben steigt, das ist noch einmal etwas anderes,  -wie das Tal enger wird, wie sich die Landschaft verändert, wie die Windräder näher kommen, das Alles ist einfach spektakulär.


Das wird für einige Stunden die letzte Schleuse sein, an der ich "hochsteige".
 Den ganzen Morgen über habe ich mir überlegt: wenn ein Boot in meine Richtung fahren sollte, ob die mich wohl mitnähmen, Boathiking, gewissermaßen  (Friederike hat mir gestern Abend diesen Floh ins Ohr gesetzt). An Schleusen wäre es sicher kein Problem zuzusteigen. Doch leider bin ich den ganzen Morgen nur 3 Booten begegnet, alle Drei waren in die falschen Richtung unterwegs. 5 Kilometer mit dem Boot durch den Berg, das ist sicher ein Erlebnis.  
 Bei Naix-aux-Forges muss ich mich entscheiden. Nach der Karte geht der Radweg noch ein Stück weiter, und nach einer Karte vom Touribüro geht ein unbefestigter Weg mit >> praktisch bis Toul durch. Das liest sich eher wie Mountainbike-Weg. Das Risiko will ich nicht eingehen. Die   D 29, die hier über den Berg bis Void-Vacon geht, hat auf der Karte kein einziges > oder <. Wie soll denn das gehen!!
Geht! Und zwar sensationell.

Die D 29 ist die derzeit die heißeste Favoritin für den Preis der besten D-Straße auf meiner diesjährigen Tour-de-France. Sie steigt so angenehm nach oben, dass man richtig Tempo machen kann.
Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass der Sturm heute Nacht zwar nachgelassen hat, aber ein kräftiger Wind bläst immer noch. So einen R Ü C K E N W I N D  hatte ich auf der ganzen Reise noch nicht. Ich werde regelrecht den Berg hoch geschoben. Danke Zephyr, dass du deinen Urlaub rechtzeitig unterbrochen hast. Die Unterstützung kam passgenau! 

Oben angekommen, eine Hochfläche und einen Blick in die Ferne, ich denke bis Nancy!



Ich kann es kaum glauben, der 2.Abschnitt des heutigen Tages bis Void ist immerhin über 20 km lang und davon über die Hälfte Anstieg. Doch Viertel nach 12 sitze ich schon in Void im Café und trinke meinen wohlverdienten 11:00 Kaffee. 
War der erste Abschnitt am Kanal entlang, die Radautobahn, der 2.Abschnitt zum "Abheben", so wird der 3.Abschnitt zur Slalomstrecke mit Verwirreinlagen. 

Bei Sorcy geht es los: Zuerst fahre ich über


den Canal de l´Este, den ich nicht brauchen kann, und der zudem nur einen sehr bescheidenen Weg am Rand hat. Da lasse ich mich doch lieber vom Wind über Landsträßchen schieben. Doch dann kommt  ein paar hundert Meter weiter



Der Marne-Rhein-Kanal und ich fahre unten durch! Was ist hier los! Und gleich dahinter, die "Meuse"! 


Auch nicht gut, die würde mich nach Süden führen
Von den drei Optionen ist es das Sicherste, ich versuche in der Nähe des Marne-Rhein-Kanals zu bleiben, zwar finde ich keinen Weg direkt am Kanal, aber am Rande gibt es eine D, die in "Hördistanz" zur großen N4 verläuft, die kerzengerade nach  Toul  führt.
Noch ein Höhenrücken, und "wir", der Kanal und ich landen endlich im "Moseltal". Ich sage Euch, hier spielen die Flüsse verrückt.
Um 14:30 bin ich in Toul. Das reicht für das Pflichtprogramm in Stadtbesichtigung. 
Das Stadtbild der ehemals freien Reichsstadt Tull wird durch die Kathedrale St.Etienne geprägt. 
Sie ist ein schönes Beispiel für den Übergang von der Gotik zur Renaissance. Der  Flamboyant-Stil ist im Inneren wie an der Fassade sehr schön zu erkennen .


Schade, dass die wunderschönen Skulpturen, wie die der Hl. Catharina nicht mehr in der Kirche sind, sondern im Museum, welches dienstags geschlossen hat. 
Dafür habe ich aber diese eigentümlichen Reliquien entdeckt:


Nein, hier werden ganz bestimmt nicht die 3 Affen,"nichts sehen, nichts hören, nichts sprechen!" verehrt.
 Die Schädel stammen von drei verschiedene Heiligen, die nichts miteinander zu tun haben.

 Der  linke Schädel soll der eines junges Mädchen gewesen sein, das einen Drachen mit einem Spinnrocken erstochen hat. 
Da musste ich bis Toul fahren, um ein auch in mir tief verwurzeltes Vorurteil loszuwerden, dass  Jungfrauen, grundsätzlich von blonden jungen Recken aus den Klauen von Drachen befreit werden müssen. Anscheinend können das Jungfrauen auch selbst. Was offensichtlich so wenig in die männliche Vorstellungswelt passt, dass man es nicht einmal für Wert befindet, den Namen der Jungfrau festzuhalten. 
Da fällt mir ein, auf der Fahrt nach Spanien habe ich doch in Frankreich, in Tarascon, die Martha, die Drachenbändigerin getroffen, die es geschafft hat, den Drachen an die Leine zu legen, was den Hl.Georg, oder nach anderer Version die Dorfbevölkerung, nicht daran hintern konnte, den wehrlosen Drachen zu meucheln.
Aber die Touler "Martha" ist was anderes. Auch nicht mit der Hl.Margaretha  zu vergleichen, die einfach die Wunderwaffe schlechthin gezückt hat, und dem "Drachen"-Teufel das Kreuz vor den Rachen hielt.
Die Toulerin wählt die "Lanze" der Frau, den Spinnrocken, um den Drachen mit eigener Hand zu töten. 
Und nein, jetzt kommt kein Exkurs in psychoanalytischer Märchendeutung!!
Das reicht für heute.
Bis Morgen dann!