Samstag, 25. Juli 2015

9.Tag: Von Montchanin nach Paray le Monial

"Schlaf Tomatenkopf" hat der Manne doch tatsächlich gestern zu mir gesagt. Als wir die gefühlten 7 Kilometer an und unter und über die Autobahnen endlich zu unserem Hotel gekommen waren und ich völlig ermattet auf das Bett sank. "Schlaf Tomatenkopf", ha! Frechheit!
Heute hat der Franzose im Zentrum von Paray le Monial wieder von drei Kilometern gesprochen und ich wusste genau was mich erwartet: Die dritte Nacht in einem Autobahnhotel! 

Gestern, das war nett, durften unsere Fahrräder im Büro der Rezeptionistin schlafen. Und unser Zimmer war groß, hatte sogar eine kleine Diele, mit Extratür zur Toilette. Also ich hab mir gemerkt für nachts: aus dem Bett raus, durch eine 'Tür durch, dann rechts die Toilettentür. Ja ihr ahnt es schon, die "Dielentür" war offen (wer lässt verdammt noch mal immer die Türen offen?) und ich stand plötzlich im Gang, gegenüber Zimmernummer 115. Das hat mich verwirrt. Zum Glück ist die Zimmertür hinter mir nicht zugefallen.

Die Tour heute war super und dabei hatten wir Schlimmes befürchtet. Befahrende Landstraße oder Berge? Pest oder Cholera! Zuerst tatsächlich auf einer kleinen Landstrasse- aber der Franzose hat ja noch geschlafen-. Und es war kühl und wolkig, ein perfekter Radtag.



Durch Monceau les Mines haben wir uns durchgeschlängelt, auf Sträßchen, Trampelpfaden, Fußgängerwegen, Fußgängerzonen, immer dem Canal Central entlang. Und dann sind wir dem ausgeschilderten Radweg gefolgt, Hügel rauf und Hügel runter. Auch Brombeeren gab es: die ersten habe ich mir reingestopft- waren ein bisschen klein und nicht sehr saftig. Dann habe ich für Manne welche gepflückt und in den wenigen Sekunden, die sie auf meiner Hand lagen, sind unzählige kleine Viecher herausgeströmt, ihhh! Wer weiß, was da so lebt in einer Brombeere, der sage es mir bitte nie! 

Wir haben die 500 km geknackt! Und zwar fast genau hier, an der Schlossanlage von Digoin:




Und jetzt können wir entweder in einem Autobahnrestaurant essen oder nochmal zum Ort runterfahren (und auch wieder hoch!!!!). Das Örtchen sah sehr nett aus . Ja, das machen wir! Auf Manne!

Das Schönste heute: ja klar, die 500 km Marke!

Und nun mein Tag:

Aus Friederikes Ausführungen könnte man entnehmen, ich hätte beim Buchen der Unterkunft in den letzten Tagen absichtlich abgelegene Low-Budget-Hotels am Rande von Autobahnen ausgesucht, weil das meinen Vorstellungen von Romantik entspricht. Wasnquatsch! Natürlich wäre ich auch lieber wieder in einem kuscheligen Hotel de Centre untergekommen. Aber Chalon war einfach komplett ausgebucht. "Festival: Chalon ist auf der Straße" wirklich riesig.  Selbst die Campingplätze waren komplett ausgebucht. Keine Chance. Montchanin ein Schnarchnest, das sich nur durch einen Golfplatz und ein entsprechendes Hotel auszeichnet, sonst nur endlos Vorortsiedlungen und ein ausgestorbenes Zentrum. Und heute? Paray le Monial ist das 2. Lourdes. Der Ort ist gerammelt voll mit Pilgern. Der ganze Park am Fluss voll mit Zelten. Überall Menschen mit Rucksäcken. Kein Wunder das nichts anderes mehr frei war, als dieses wunderbare B&B mit dieser fantastischen Aussicht:

Und soo schlimm war es nun auch wieder nicht gegen Abend noch einmal in die Stadt zu fahren. Hat sich wirklich gelohnt. Zum einen weil es ein sehr schönes Städtchen ist. Mit einigen sehr beeindruckenden Kirchen. Allen voran die Basilika:


Romanik 11./12.Jahrhundert. Mit wunderschönen Steinmetzarbeiten:


Der Löwe und der ?? einfach toll.

Zum anderen hat sich das Reinfahren auch wegen des Abendessens gelohnt. Wir sind ja sozusagen im Herzen der Charolais-Rinderzucht. Danke Valentin, für deine Bestätigung! Heute sind wir den ganzen Tag oben in den Bergen an Weiden Charolaisrindern vorbeigekommen. Da schmeckte das Entrecote natürlich doppelt so gut, wenn man kurz vorher gesehen hat,wie gut es den Tieren da oben geht. 
Ein Bursche hat mich besonders beeindruckt:

Ich habe ihn DSK getauft. Ihr könnt aber auch Dominique zu ihm sagen. Ich glaube, er schaut ganz zufrieden über seine kleine Familie. 12 Kühe und 12 Kälber, alle in etwa gleich alt. Wenn du das ohne fremde Hilfe hinbekommen hast, Chapeau! Alter Knabe!
Die Fahrt heute war wirklich sehr schön, sehr abwechslungsreich und dank des Windes und der Wolken nicht so anstrengend, wie die letzten Tage. 
Wenn Friederike allerdings behauptet, es habe heute kaum Wind gehabt, dann werden wir Morgen mal den Belgischen Kreisel etwas intensiver üben.
Das erste Loire-Schloss haben wir auch schon gesehen - obwohl wir noch gar nicht an der Loire sind. Das Schloss Digoin bei Palinges ist wirklich beeindruckend. Wie die Stadt Digoin mit dem Schloss zusammen hängt,  habe ich noch nicht herausgefunden. Man fährt bestimmt 2 km an einer hohen Mauer vorbei bis man zum Eingang kommt. Auf dem "500 km" Bild sieht man links ein Palme in einem Kübel. Davon sind Dutzende entlang des Zauns aufgestellt. Sie sollen z.T. über 200 Jahre alt sein.
Was der Franzose am Samstag macht (wenn er nicht gerade pilgert) habe ich auch nicht herausgefunden. Die Dörfer waren leer, kein Mensch unterwegs. 
Nein,  das stimmt nicht, 5-6 Rennradler, eine Grupper Grillerer (6 Personen) und eine Gruppe Franzosen mit Migrationshintergrund, beim Picknicken,  das war alles. Wo ist der Rest der Franzosen? Schon am Meer?

So, jetzt ist es gut für heute. Das Ganze muss ja auch noch jemand lesen können. Zum Schluss möchte ich Euch noch ein "Gedicht zum Sonntag" schenken, an dem ich den ganzen Tag gefeilt habe,  und das auf einer wahren Begebenheit beruht. Es heißt:

                                                                Statt eines Fotos
          
Ein alter Fußball treibt im Kanal,-
auf dem Weg zum Meer.
Er will nicht mehr getreten werden.




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