13.Tag: Von Charité-sur-Loire nach Briare
Heute gibt es kein Badefoto und kein Schloss, versprochen Carlheinz.
Wir sind 76 km gefahren, die bisher längste Tagesstrecke, damit den Durchschnitt auf über 60 km pro Tag erhöht, wir nähern uns Orleáns. Und ich werde es tatsächlich schaffen bis nach Orléans zu kommen. Noch 90 km!
Gesehen haben wir heute 2 Lamas, 2 Rehe, die eine oder andere Bisamratte und Eisvögel, Sonnenblumenfelder und andere gelbe Blumen.
Am Morgen hat es in Strömen gegossen, eine Vierergruppe belgischer Radler aus unserem Hotel hat deshalb beschlossen den Heimweg anzutreten. Wir fragen lieber nicht, ob sie den Wetterbericht für die nächsten Tage gesehen haben. Manne packt Bein-und Armlinge nach oben, ich ziehe an, was ich habe.
Bald nieselt es nur noch, bald kommt die Regenhose weg, dann die Fleecejacke unterm Anorak und dann wird es ein richtig schöner Radtag, an dem ich natürlich auch gebadet habe- in der Loire, sehr kühl und sehr viel Strömung.
Auf unserem Radweg kommen wir fast durch das AKW durch und das Gespenstische ist, dass auf dem großen Parkplatz für die Angestellten nur ein einziges Auto parkt, am Gebäude dann noch ein zweites. Es ist mitten am Tag und unter der Woche, arbeitet dieses Ding völlig alleine? Das ist nicht wirklich vertrauenerweckend. Zeigen kann man das leider nicht, denn fotografieren ist verboten.
Stundenlang fahren wir auf dem Damm, am Kanal, an der Loire entlang und sogar durch einen Kiefernwald.
Sancerre soll eine sehr interessante Stadt mit Schloss und Kathedrale sein, sagt unser Reiseführer, aber das sind mindestens 150 Höhenmeter. Wir beschließen, dass auch dieser Blick sehr schön ist:
Heute sind ein paar Gruppen Radler unterwegs, die wir immer wieder treffen:
-ein junges Paar mit Kinderanhänger, die immer dann Pause machen müssen, wenn's hinten schreit. Noch ein ganz kleines Kind, vielleicht 8 bis 9 Monate alt. Ist sicher gemütlich für das kleine, den ganzen spazieren zu fahren. Sie kommen erstaunlich schnell voran.
-viele Holländer, alleine oder als Paar oder in größeren Gruppen, mit den für Fahrradfahrer in Frankreich erforderlichen grellgrünen Schutzwesten.
-einige Paare mit Tandem, wobei immer mindestens ein Partner echt dick und unbeholfen wirkt. Meist, das muss ich zugeben, ist es die Frau. Alle Achtung! und dann so eine Reise mit Gepäck! Manne sagt, dass die Frauen auch wirklich stramme Wadeln haben. Na dann!
Das Schönste heute: das Wetter, das immer besser wurde. Es gab einen richtig schönen Sonnenuntergang am Pont du Canal. Das ist das Stichwort für Manne:
Und nun mein Tag:
Der 13. Reisetag begann, wie es sich für einen 13.Reisetag gehört. Ich komme nach dem Frühstück zurück zu unserem schnuckeligen Häuschen, da stehen die Taschen, die Fahrräder, aber wo ist Friederike?
Dann sehe ich eine knackige Radlerhose aus den Büschen, wie sagt da der Schweizer, "hervorlugen" Was macht Friederike da? Nicht lustig, sie sucht den Verschluss von der Wasserflasche, der ihr aus dem Korb gefallen ist. Wir suchen gemeinsam, dann kommen die Belgischen Freunde. Wir suchen zu Viert, wir holen eine Taschenlampe, wir holen allen möglichen Müll aus den Büschen, aber der Schraubverschluss bleibt verschwunden. In der Hoffnung, dass man ihn nachbestellen kann, fahren wir ab. In den Regen.
Für 2 rumänische Lastwagen muss es auch der 13.Reisetag gewesen sein. Es war ein höchst erhebender Anblick, wie sie versucht haben - vermutlich auf Empfehlung ihres Navis auf unseren Radweg einzubiegen.
Der Versuch rückwärts wieder herauszufahren war nach einigen Bemühungen - und dem Umpflügen des Rastplatzes, erfolgreich.
Was die Jungs danach vor hatten, muss allerdings übel ins Auge gegangen sein. Denn nach meiner Karte endet der Weg, in den sie jetzt eingebogen sind, nach ca 500 m in den Feldern. Aber wer weiß, vielleicht haben sie ja nur einen lauschigen Badeplatz gesucht.
Für uns lief der 13.Reisetage ansonsten eigentlich von Stunde zu Stunde erfreulicher ab.
In Chatillon-sur-Loire habe ich sogar Gelegenheit gehabt, ausgiebig den "Pfad der Poesie" kennen zu lernen (während Friederike mal wieder in der Loire plantschte).
Er war mir eigentlich von Anfang an sympathisch, erinnerte er mich doch sehr an unsere Schulkunstausstellungen, der vergangenen Jahre.
Zum Glück stellte sich heraus, dass es im Grunde genau das war. Künstler der Region, haben mit Schulklassen den "poetischen Weg" gestaltet. Schöne Idee.
Unsere "Auberge du Pont de Canal" liegt am Highlight unserer heutigen Etappe.Die 5. Kanal-über-Fluss Brücke ist gleichzeitig die imposanteste. 1000m lang und vom Eiffel, Gustav konzipiert. Sieht man auch sofort. Nicht einfach so ein schnöder Zweckbau, eine Brücke für Boote. Nein, das ist ein richtiger Boulevard für Schiffe mit wunderschönen Straßenlaternen und Drachen und allem was dazu gehört. Bis 2004 soll es die längste Kanalbrücke der Welt gewesen sein. Was danach passierte, weiß ich nicht.
In unserer Auberge haben wir lecker zu Abend gegessen. Ich Kalbskopfsülze. Nach einigen weniger erfolgreichen Ausflügen in die französische Küche, war das ein echtes Highlight. Auch Friederike nicht von versuchen wollte.
Aber vor dem Essen wurden wir leider auch mit der hässlichen Seite vom schönen Frankreich konfrontiert. Zwei nervig laute "Marie-Le-Pen Damen" (offensichtlich gibt es diese Blondtönung inzwischen im "Marie-Le-Pen-Fan-Shop" zu kaufen) , die sich herabgelassen hatten, in dieser "Kneipe" ihren Aperitif zu sich zu nehmen, war der Kellner offensichtlich nicht schnell genug beim Aufnehmen ihrer Bestellung, worauf hin die eine giftig " Parlez-vous français?" zu ihm sagte, wohl in der Annahme, dass er aus dem Maghreb stamme. Ich hätte die beiden wirklich würgen könne.
Zum Schluss noch etwas erfreuliches. Als ich dieses Häuschen am "Eiffel, Gustav seiner Kanalbrücke" gesehen habe, dachte ich,"hier muss mein Freund Magritte heimlich Urlaub gemacht haben", oder?
Bis Morgen!










Vielleicht liegt das mit dem AKW daran, dass la France jetzt auch vermehrt auf Erneuerbare setzen will. Das AKW wird schon zurückgefahren, haha...
AntwortenLöschenOhne den zwei hässlichen tickenden Zeitbomben (akw türmen) ist das Bild richtig schön!
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