Dienstag, 21. Juli 2015

5. Tag: von Besançon  nach Dole

Wieder ein gnadenlos heißer Tag: als wir heute Nachmittag im Hotel angekommen sind, hatte es 40 Grad. Aber man gewöhnt sich auch daran und steht zügig auf.( ja ja,  hab's inzwischen kapiert) Gefrühstückt haben wir gleichzeitig mit einer großen Reisegruppe von Chinesen oder Koreaner, die mit einem polnischen Busunternehmen unterwegs waren. Ob die Armen seit Warschau im Bus sitzen?
Wir sind um 9 Uhr losgefahren und sind überraschend schnell aus der Stadt draußen. Wenn man nach Westen fährt hat man am Vormittag die Sonne im Rücken, das macht einen großen Unterschied. Es sah wunderschön aus, wie die noch niedrig stehende Sonne hinter La Citadelle  stand und später dann den Kanal beschien.







Die Räder laufen super heute, ganz von allein. Kurz nach Montferrand kommt man dann an den Kanaltunnel Monsieur Canal, der immer noch befahrbar ist und sehr kunstvoll beleuchtet ist. Auch ein Steg für Fußgänger führt durch den Tunnel, aber leider auf der falschen Kanalseite. Da war doch vor wenigen Kilometern ein Wanderweg auf der anderen Kanalseite nach  Notre Dame Du Mont 2,5 km? Das wär's gewesen, dann könnten wir jetzt gemütlich durch den Tunnel fahren. Aber für uns geht es jetzt über den Berg.



Etwas fällt mir auf: Immer spärlicher hört man das fröhliche Bon Jour! Was ist nur heute los mit den Franzosen? Liegt's am Dienstag oder an der Region? Eine Zeitlang singsange ich noch munter meinen freundlichen Gruß, aber es kommt nicht viel zurück. Schade, ich versuch es morgen wieder.

Um die Mittagszeit dann eine wunderschöne Badestelle in meinem Lieblingsfluß Le Doubs. Eine französische Familie mit vier Kindern planscht schon an der Bootsrampe und möchte gerne ein bisschen mit mir plaudern. Mist, mein französisch ist echt mickrig.
Nachmittags wird es dann doch zäh, zunehmend kommt die Sonne von vorne und es würde auch nichts nützen eine lange Mittagspause zu machen, denn auch um 6 Uhr abends steht noch die Hitze auf der Straße.
Dole erreichen wir um 3 Uhr und das Hotel hat zu bis 5 Uhr, wir verschwinden in einen großen Park und ich mach unter einem großen Schattenbaum Siesta. Manne wacht über meinen Schlaf und unsere Fahrräder und versucht seine Hirnzellen zu aktivieren mit einem Sudoku aus der Süddeutschen.
Ein nettes Städtchen, später dann werden wir einen kleinen Bummel machen. Hier schonmal einen ersten Blick auf die Kathedrale mit ihrer gleißend weißen Fassade.


 

Das Schönste heute: das gleichmäßige Schnurren meines Rades und natürlich, ihr wisst es schon: das Baden im Doubs.


Und nun mein Tag:

Es war ein gewaltiger "Kulturschock". Vom schnuckeligen, altmodischen Hotel in Baume, zum stromlinienförmigen, durchdesignten Hoteldiscounter - nennen wir ihn mal Ibis, in Besançon. Alles bis ins Detail durchdacht, durchrationalisiert und steril. Mit dem Aufzug kann man nur noch fahren, wenn man die Zinmerkarte in den Kartenleser steckt, - wie jeder  weiss, gibt es immer 4 Möglichkeiten. Und immer ist es die letzte.Die Fenster der Zimmer lassen sich nur noch 20cm öffnen und sind mit schweren Ketten gesichert. Zimmerpreise können sich stündlich ändern. Dieses Prinzip kann ich schon an Tankstellen nicht nachvollziehen, aber warum sollten sich die Zimmerpreise ständig ändern. Es sei denn, man will genau dann abzocken, wenn die meisten Leute Zimmer suchen, nämlich zwischen 16:00 und 20:00 Uhr.
Wie Friederike schon angedeutet hat, ist so ein Massenquartier eine gute Gelegenheit "interkulturelle Vergleichsstudien" zu betreiben. Andere sagen auch "Vorurteile pflegen" dazu. Zum Beispiel. Woher kommt das Paar, dass sich heftigst im Aufzug auf dem Weg zum Frühstück darüber streitet, wer daran Schuld ist, dass sie ihre Zimmerschlüsselkarten drinnen vergessen haben? Richtig: Ossis!
Das unsere chinesischen Mitbewohner erhebliche Schwierigkeiten hatten, die Rituale eines europäischen Frühstücksbuffets nachzuvollziehen, das ist mehr als nur verständlich. Auch ich habe noch nie einen Eierkochapparat gesehen, mit dem sich jeder Gast sein individuelles Frühstücksei  auf die gewünschte Minute genau kochen kann. Und warum soll der chinesische Reisende seinen Croissant nicht mit Messer und Gabel essen? Es war ein sehr lehrreiches Frühstück. Doch es ging kein Weg daran vorbei. Irgendwann mussten wir hinaus in die Hitze und auf die Piste.
Die Vormittagsstunden waren sehr angenehm und lange Passagen lagen im Schatten.
Und viel interessantes und lehrreiches gab es auf dem Weg zu entdecken. Zum Beispiel: Was ist das?

Aufmerksame Leser des Spanienblogs werden sich vielleicht noch daran erinnern. Richtig!!

Eine Schneckenfarm. Nur, dass sich heute die Schnecken gut getarnt im Schatten ihres Futters aufgehalten haben und fast nicht zu sehen waren. Oder aber sie wurden gerade zu ihrer "Bestimmung" Richtung Kochtopf transportiert.
Zur Hitze hat Friederike bereits alles gesagt.So richtig Lust auf Sightseeing kam im schönen Dole, der ehemaligen Provinzhauptstadt von  Franche- Compte  nicht auf.


  Selbst in der Kathedrale, einem gewaltigen Steingebirge war es nicht mehr so richtig kühl. Aber sehr interessant, und auch ein wenig gruselig:

Vielleicht kann man es noch erkennen, die Lichtverhältnisse waren nicht all zu gut. Jesus wandelt über die Schlachtfelder des 1.Weltkrieges und segnet die Gefallenen!

Und dass ein Deutscher Comedian, der eigentlich immer im rautengemusterten Pullunder auftritt in Frankreich als Heiliger verehrt wird, ist mir auch neu:

Inzwischen ist es 23:00, mir läuft der Schweiß den Rücken runter. Hoffentlich kühlt es noch ein wenig ab.
Bis Morgen!



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