Mittwoch, 22. Juli 2015

6.Tag: Von Dole nach Seurre


Nach einer seeehr heißen Nacht, stehen "wir" gerne etwas früher auf. Das Zimmer lag an einer gut befahrenen Straße, aber das Fenster musste natürlich offen bleiben, auch wenn wir bei jeder roten Ampelphase, einige Minuten der neuesten Hits mitbekamen, die aus den offenen Autofenstern in erheblicher Lautstärke tönten. Erstaunlicherweise waren wenig utzznutzznutzznn Beats zu hören. Eher Südamerika und Rai. 
Für heute ist Regen angesagt und auf dem Weg nach Seurre bauen sich rechter Hand immer wieder schwarze Wolkenwände auf und heftiger Wind bläst uns immer wieder entgegen. 
Der heutige Tag bringt große Veränderungen.  Friederike musste sich von ihrem heißgeliebten Doubs verabschieden, in dessen Fluten sie sich täglich geworfen hat (na ja, an manchen Uferstücken, konnte von "werfen" nicht wirklich die Rede sein). Hinter Dole verlässt der Rhein-Rhone-Kanal den Doubs, um einige Kilometer weiter in die Saone zu münden. An der Schleuse 75 hört der Kanal auf (45 waren es aufwärts, insgesamt also 120).


Kleiner Nachtrag zur Schleusenkunde Ist ein Schiff in einer Schleuse, dann schauen oft Menschen dem Treiben zu. Dabei kann man beobachten, dass immer Männer, den Frauen erklären, wie das mit der Schleuse, dem Wasser und dem Höhenunterschied funktioniert. Und wenn es so ist, wie bei uns, dann findet das gleich Gespräch an jeder Schleuse aufs Neue statt. Heute an Schleuse 74 konnte Friederike meine Begeisterung endlich teilen und "erklärte" mir wie das mit dem Wasser funktioniert. Danke Friederike!


Gleichfalls sehr erhellend ist, dass Frauen auf Booten  i m m e r die verantwortungsvolle Aufgabe haben, das Boot mittels Seilen zu sichern, während die Männer  i m m e r äußerst entspannt am Ruder stehen und die Verantwortung tragen.


 Noch schaut Friederike eher skeptisch auf den neuen Fluss.. Aber ich kann Euch versichern, die "alte Liebe" ist schnell vergessen,  und Friederike schmeisst sich hemmungslos ins neue Gewässer.
Die Saone ist 470 km lang und entspringt in Lothringen. Wenn Rhone und Saone in Lyon zusammenfliessen, dann hat letztere schon mehr Kilometer hinter sich, und im weiteren Verlauf müsste der Fluss eigentlich Saone heißen.
Gegen Mittag haben sich die schwarze Wolken verzogen und es wird wieder richtig heftig heiss.
Beim  Anblick der Kühe im Schatten, frage ich mich schon, ob wir, die wir mit Helmen auf dem Kopf durch die Hitze radeln, wirklich zur intelligenteren Lebensform gehören:


Vale, sind das Charolais Rinder??
Zum Schluss der Friederike noch ein sakrisches Lob. Sie hat es gestern Abend tatsächlich telefonisch geschafft, dass die Dame des Hotels, in dem wir heute in Seurre sind, uns zugesichert hat, dass wir anrufen können, wenn wir vor 17:00 eintreffen (viele der preisgünstigen Hotels machen über Mittag zu, und dann sitzt man irgendwo rum, bis aufgemacht wird, falls man früher ankommt), dann lassen sie uns rein. Wir sind schon um 14:00 in Seurre, Friederike ruft an. Der Chef scheint nicht begeistert zu sein. "Aber ihre Frau hat gesagt,..." und schon ist er auf dem Weg und wir haben eine herrliche Siesta. 

Also das ist doch klar, oder?: An der Schleuse heute habe ich es eben zum ersten Mal mit eigenen Augen gesehen und dann auch kapiert! Und ich finde diese Erfindung wirklich unglaublich! Ehrlich! Und habe auch schon mehrfach bereitwillig mitgerechnet, wenn es darum ging zu schätzen wie hoch so eine Schleuse ist und wie viele Höhenmeter (hochgerechnet) damit auf der ganzen Strecke gemacht werden.

Seurre ist ein verschlafenes Örtchen aber wir haben uns durchgefragt zu einem der beiden Restaurants. Jetzt kann ich nachfühlen, wie es den Touristen in Engen immer geht.

 Das ist der Blick aus unserem Fenster heute:


Und so sah es gestern Nacht aus: Fledermaus? Gespenst?
Meine Radlerhose beim trocknen.

Übrigens: das bon jour ist wieder da! Nicht ganz so flötig wie vor Besancon, am Wochenende, aber es wird wieder gegrüßt und zurückgegrüßt. Vielleicht ist es doch der Dienstag, der dem Franzosen nicht gefällt? Wochenende ist super, am Montag merkt man noch gar nicht richtig dass es rum ist, vor allem wenn man Zeit findet, am Fluss entlang zu spazieren oder radeln. Aber am Dienstag ist der Ernst der Woche so richtig zu spüren. Mardi merde oder so. 

Badebericht: die Saone ist breiter als der Dole und hat nicht sehr viel Strömung. Das Wasser ist braun sehr warm und ganz weich.

Am Schönsten heute war: Die Gruppe Kinder, die uns entgegen gekommen sind und die ich mit meiner melodischen Blumenklingel begrüßt habe. Sie waren begeistert und haben alle zurückgeklingelt.

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