Sonntag, 19. Juli 2015

3. Tag: Von Montbeliard nach Baume les Dames


Der gute Christoph wird wie in den vergangenen Jahren, die Reise in einer Karte festhalten, einfach auf das Link klicken: https://www.google.com/maps/d/u/0/embed?mid=z6MhkHBw-Mfs.k7eTm2iQykag


Am dritten Reisetag gibt es Streit, das sagen die Urlaubs-Psychologen schon immer. Und so fing es an:
Mitten in der Nacht (gefühlt) weckt mich Manne, putzmunter und frisch geduscht und will mich zum Frühstück schleppen. Meine Beinmuskeln, die ich gestern so gelobt habe, sind damit nicht einverstanden.Außerdem ist Sonntag Ausschlaftag!
Na klar, wir sind natürlich trotzdem zum Frühstücken gegangen, haben unsere Fahrräder gepackt und sind losgefahren. Immerhin: es ist wolkig und es gibt ein laues Lüftchen.
Und dann ist es plötzlich sehr schön: wir radeln zwischen Doubs und Rhein-Rhone-Kanal: rechts der Fluß und  links der Kanal.
Auf der anderen Kanalseite- da sind große Schattenbäume- haben sich die Sonntagsangler aufgestellt:
-eine Gruppe von Russen oder Ukrainern- nur Männer-große Kühlboxen, ein großer roter Sonnenschirm. In den Kühlboxen liegt jetzt das Bier und später dann die Fische.
-auf einem Ponton ein Vater mit drei kleinen Jungs, alle ganz ernsthaft und eifrig. Ach Till und Vale, wisst ihr noch? Wie oft ihr morgens losgezogen seid, Mehlwürmer o.ä. im Gepäck, die schon die ganze Nacht bei uns im Kühlschrank gelagert haben
-weiter außerhalb vom Ort zwei Jugendliche mit Minipackzelt, gerade aufgestanden, die Angel schon im Fluß
- der ein oder andere Angler ganz allein
-und dann auch mal eine Frau! Die begleitet ihren Anglermann- denn "sonst sieht man sich am Sonntag ja gar nicht!"



Ein langes Stück geht es die Doubs entlang, herrlich, allerdings mit heftigem Gegenwind. Das macht mir aber nichts, Manne nimmt mich in seinen Windschatten. Jetzt versteh ich, warum die bei der Tour de France so aufeinander kleben. 


Und dann gibt es natürlich auch eine super Badestelle für mich: Herrlich frisches Flusswasser mit Strömung!
Gegenüber zwei Angler, die sich was zu mittag bruzeln.

Unser Hotel in Baume les Dames ist ein altes schiefes Haus, wir haben ein Zimmer mit Balkon und blicken direkt auf das Dächergewirr der Altstadt. Wunderschön!



Das Schönste heute, an diesem Tag mit Gegenwind: die sechs kanadischen Ahornblätter, die sich im Wind bauschen.




Und natürlich der Fluss!


Und nun mein Tag

Viertel vor Acht!! Mitten in der Nacht! Klar! Und wenn man Nachmittag um 16.00 Uhr noch unterwegs sein will, wenn die Julinachmitagshitze noch mal richtig Fahrt aufnimmt, dann ruhig noch einmal umgedreht im Bett!
Es wird wirklich ein schöner Tag.
Bis auf den Gegenwind!
Warmer heftiger Wind, der durch die Burgundische Pforte pfeift.
Friederike, die übrigens seit 3 Tagen gleich nach Ankunft im Hotel begeistert nachschaut, was die "anderen Helden" des Radfahrens bei der Tour de France so machen, hat schnell gelernt. Das Prinzip des "domestique" hat sie auf Anhieb überzeugt. So ein "Wasserträger" kann ganz gelegen kommen.Und natürlich bin ich doch gern mal ihr Windfang. 
Beim ersten etwas längeren Anstieg heute haben wir Lucien getroffen. Ein junger Mann, der den Eurovelo 6 in umgekehrter Richtung unterwegs ist. Allerdings unter verschärften Bedingungen. Er kam gerade aus dem Wald, wo er geschlafen hat und vom Regen am frühen Morgen kräftig durchgespült worden ist. Er ist schon seit 3 Wochen unterwegs, ganz ohne Geld. Wenn es hart auf hart geht, geht er an die Tonnen von den Supermärkten und holt das raus, was weggeworfen wurde. Er will noch bis Bad Wildungen fahren (ist doch in der Nähe von Kassel, oder?). Was mich sehr berührt hat, - der Junge bietet mir doch glatt eine "Reiswaffel" an und ehe ich ihm meinen Sandwich anbieten kann, den ich mir vom üppigen Frühstücksbuffet gemacht habe, ist er schon die Straße runter gedüst. Und lässt mich nachdenklich zurück.
Übrigens habe ich die ersten Reisekameraden getroffen, die eindeutig auch nach Westen unterwegs sind:


Mal schauen, ob das verirrte Einzelreisende sind, oder Pilger auf dem Weg nach Santiago oder ob wir das gleiche Ziel haben.

Morgen werden wir, das ist der Plan, die Burgundische Pforte durchfahren haben. Denn unser Ziel ist Besançon, am anderen Ende des Tors zum Süden. Jedenfalls fehlen nur noch wenige Schleusen  bis wir "unten" sind, diese hier (im Hintergrund links) hat schon die Nummer 28 (vom Scheitel haben sie wieder mit eins begonnen und enden wird es mit der Schleuse 48).

Kurze Tagesetappe Morgen, mit Kulturprogramm am Nachmittag!! Bis dann!

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