Freitag, 24. Juli 2015

8.Tag: von Chalon nach Montchanin

"If you come down to the river
Bet you gonna find some people who live
You don't have to worry 'cause you have  no money
People on the river are happy to give"

Nach einer sehr stickigen, sehr "stichhaltigen" und sehr lauten Nacht sind wir heute gerne früh aufgestanden. Das Hotel, strategisch günstig direkt am Einstieg zum Canal du Centre gelegen, hatte den herben Charme von Autobahnherbergen. Pech für uns, dass die Klimaanlage komplett ausgefallen war. "So lange wir die Fenster aufmachen können, kein Problem", sage ich noch an der Rezeption- Warum die Damen herzlich über meinen Scherz gelacht haben, wurde uns erst in der Nacht klar. 

Die Fabrik direkt oberhalb  des Hotels machte die ganze Nacht einen Höllenlärm. Ein permanentes Zischen, wie bei Hochöfen oder Glasfabriken.

Aber kaum waren wir am Kanal war alles wieder gut

Traumhafte Wege im Schatten. Zur Abwechslung auch mal ein kleines "Boots-und Schifffahrtsmuseum"

Und wieder ein total faszinierender Kanal:


Mit dem Bau des Kanals wurde schon 1784 begonnen. Und ab 1793 bediente er die Kohlebergwerke und die Industrie um.Montceau-les-Mines.
Der Kanal ist 112 km lang. Von Chalon aus gesehen, geht es 126m hoch, die von 35 Schleusen überwunden werden. Wie schon beim Rhein-Rhone-Kanal werden die Abstände der Schleusen zum Scheitel des Kanals hin  immer enger.Oben ist man bei Montchanin, wo wir heute übernachten. Morgen geht es dann "runter" Richtung Loire, dann kommen wir noch einmal an 26 Schleusen vorbei

Dort wo der Kanal einen Knick macht, in Chagny, geht Friederike plötzlich verloren. Ich klingle, ich pfeife, ich rufe. Nix. Nach einer Weile taucht sie wieder auf. Sie hat einen kleinen Abstecher zu einem Baumarkt gemacht. Nun geht mir das schon den ganzen Tag im Kopf herum. Sollte ich ich vielleicht doch unseren Tolino mal durchforsten, ob sich Friederike heimlich "Shades of Grey" draufgeladen hat? 

"People on the River".. sind auf diesem Abschnitt wirklich people.  Engländer. Im Cafe, auf der Straße. Ich dachte immer "den Engländer" verbindet keine so große Freundschaft mit den "Frogs". Aber kann man nichts machen, wenn die da wohnen, wo das Wetter schön, die Landschaft toll und der Wein gut ist.
Andere "people on the river" sind unsere Radfahrfreunde. Da gibt es die Rennradler, bschuur... dann sind sie durch. Aber die bepackten, die Fernradler, mit denen kann man schon mal auch ein Schwätzchen halten. Seit einigen Tagen begegnen wir auch immer wieder den gleichen Leuten. Am auffallendsten sind natürlich die Großfamilien. Eine französische ist mit 4 Kindern unterwegs, meinen allergrößten Respekt haben sie. Heute haben wir sie nach Chalon wieder getroffen. Sie haben nicht mal auf dem Campingplatz einen Platz gefunden und irgendwann am Kanal die Zelte aufgeschlagen. 
Eine deutsche Familie mit ebenfalls um die 4 Kinder sind auch mit Zelten unterwegs. Der Vater hat sich extra einen "follow-me" (ja so eine Reise bildet, wusste ich vorher nicht was das ist) an sein Rad gebaut, um den 7jährigen Sohn im Notfall einzuhängen. Aber der Kleine wollte bisher nicht. Da kann man nur den Radlerhelm lupfen.
Oder der Rennradopa mit einem etwas übergewichtigen Enkel, der ihm die Liebe zum Radfahren vermitteln möchte - auch sehr nette Bekanntschaft.
Die erste Hälfte der heutigen Strecke, war wirklich traumhaft. Dann war Schluss mit Treidelpfad. Der Eurovelo, will uns in die Berge schicken. Ich will nicht. Wir fahren die kleine Landstraße am Kanal entlang weiter. Relativ viel Verkehr. Es wird stressig. Es wird heiß. Die Nerven liegen blank. Später beschließen wir, bis Montchanin brav der Beschilderung zu folgen ist 
Gegen 13:00 erreichen wir den Scheitel des Kanals


An der Bar "zur ersten Schleuse" halten nicht. Unsere Mittagspause haben wir schon hinter uns. Also weiter. Und jetzt will der Eurovelo wieder in die Hügel. OK wir folgen brav. Relativ steile Rampen durch die Felder. Und es ist brütend heiß. Zurück am Kanal sehen wir von rechts einen frisch geteerten Radweg. Ich hätte schreien können.
Um Montchanin war es relativ schwer ein Zimmer zu bekommen. Blieb nur wieder ein großes Durchreisehotel für Autoreisende. Für uns auf den letzten Kilometern noch eine recht umständliche Suche nach dem Hotel. Aber zur Abwechslung mal ein Zimmer mit Klimaanlage und Lärmschutzfenstern ist auch nicht zu verachten. Ich werde schlafen wie ein Stein.
Friederike übernimm!

Ich widerspreche! Das mit dem Baumarkt war gar nicht so, der Manne ist nämlich verloren gegangen und als ich zurückfuhr um ihn zu suchen, bin ich eben auch am Baumarkt vorbeigefahren. Und zum Rest geb ich nicht mal einen Kommentar!


Die Nerven lagen - beim Manne- vor allem in dem Moment blank, als ich das Schild zum Lac du Montaubry entdeckt habe, ...und unbedingt baden gehen wollte. Denn der Canal Central sieht sehr modrig aus und hat mich bisher noch nicht locken können. Es war dann ein Stausee, ganz nah an der Straße aber mit einem kurzen hässlichen Anstieg auf einer staubigen Strasse.  Aber dann: wunderbar kühles Wasser, vor allem in der Mitte des Sees.  


Und dann wurde es wieder heiß!



Seit einer Woche radle ich an Brombeersträucher vorbei und beobachte wie die Beeren so langsam reifen. Und heute, als ich endlich an den ersten schwarzen Brombeeren vorbeikomme, war es genau auf dieser glutheißen Bergstrecke, ich im allerkleinsten Gang, fast am stehenbleiben... Hätte ich angehalten für die Brombeeren, ich hätte den Rest der Strecke schieben müssen.


A demain, ihr schönen reifen Brombeeren! Aber morgen bitte auf einem bequemen Schattenweg.

Das Schönste heute: unsere Vesperpause in St-Leger-sur Dheune am Kanal. Allein schon der Name!



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