7.Tag von Seurre nach Chalon-sur-Saône
Da fahren wir so gemütlich dahin, an der Saône entlang, ein sehr holpriger Weg mit großen Rissen und Löchern, teilweise Grasnarben- eine Abkürzung oder das Gegenteil davon, -denn die veloroute 6 fährt heute sehr oft auf den kleinen Landstrassen. Und da steht ein Auto aus TUT, großes Zelt, zwei Männer. Einer- nenne wir ihn Wladimir- kommt aufregt an den Weg als er uns hört: "Ein großer Fisch, komm, zeigen"- auf deutsch, russischer Akzent. Und wir kriechen hinter ihm ins Gebüsch ans Ufer und sehen dieses Vieh: ein noch lebender Wels, mit Seil durch die Kiemen, der sich heftig gegen sein Schicksal wehrt.Etwa 1,40m und 40-50 kg! Und das ist kein Anglerlatein. Er lässt ihn noch die nächsten zwei Tage im Wasser, füttert ihn ein bisschen und dann fahren sie zurück nach Trossingen. Im ganzen Rumgezappel und Gekämpfe liegt der Wels plötzlich mit dem Bauch nach oben und Wladimir streichelt und tätschelt voller Stolz den weißen Bauch.
Die beiden wollen uns noch auf einen Tee einladen, aber wir befürchten Wodka und verabschieden uns. Wladimir bedankt sich rührend für unser Interesse. Er ist so glücklich!
Und ich bin besorgt:, will ich wirklich nachher mein Bad in diesem Fluss nehmen?
Als wir nach Verdun sur Doubs kommen, bin ich echt überrascht, ich hatte mich doch gestern vom schönen Doubs verabschiedet? Hier erstmal ein kleiner Stopp auf dem Markt, wir ergänzen unsere Vesperbox mit frischem Ziegenkäse und reifen Aprikosen.
Und dann die Erklärung: Bei Verdun ist der Zusammenfluss von Doubs und
Saône, von rechts kommt der Doubs und ab jetzt gibt's nur noch die Saône
Natürlich gehe ich in der Mittagshitze baden, und stelle fest: die Saône hat durch den Doubs frischeres Wasser und ist auch nicht mehr so braun.
Das Schönste heute: der Radler-Virus hat mich gepackt. Ich könnte ewig so weiterfahren!
Und nun mein Tag:
Zunächst ein notwendiger Nachtrag zu gestern. Friederikes "Theorie" zu den Unterschieden beim freundlichen "bon jour"! hat natürlich nichts mit dem Wochentag zu tun. Volkskundler wissen, dass es in dieser Hinsicht regionale Unterschiede gibt. Wahrscheinlich hat sogar irgendwann einer einen "Atlas der Freundlichkeit" erstellt, aus dem eindeutig hervorgeht, dass ein schmaler Streifen im französischen Jura sich durch besondere Stoffeligkeit auszeichnet. Natürlich geht das auf die "Abgeschiedenheit" der Region zurück. Der Jurasse der aus den Bergen in die Ebene gezogen ist, hat seine Bergeinsilbigkeit mitgenommen. Ist das nicht viel plausibler.
Ja, heute war wirklich ein besonderer Tag. Besonders holprig und mit besonderen Begegnungen. Friederike hat ja schon von unseren Anglerfreunden berichtet. Der Wels war wirklich ein Monstrum. Schade, dass das nicht so ganz auf den Bildern rauskommt.
Was den EuroVelo betrifft, so zeigen sich so langsam die Ungenauigkeiten und schlechten Beschilderungen, wie ich sie eigentlich von der Reise in den Osten gewöhnt war. Immer wieder fehlten an wichtigen Stellen Hinweise. Dann wird der Streckenverlauf in der Karte falsch dargestellt. Dort wo ein Umweg weg vom Fluss ausgewiesen wird, geht es wunderbar weiter auf schönen Treidelpfaden. Gut, da haben sie an den Wegen gearbeitet, und die Karten sind noch nicht aktualisiert worden. Warum aber -zig Kilometer am Fluss entlang eingezeichnet sind, die nicht mal als Holperstrecke existieren, das verstehe wer will.
Egal, wir sind super schnell nach Chalon gekommen.
Die ganze Stadt im Volksfestmodus. Überall Zelte, Gaukler, Musikgruppen. Aber leider ist die Stadt auch eine einzige Bratpfanne. Und wer will schon darin das Würstchen sein! Also nichts wie raus aus dem Zentrum und zum Hotel, das super gut für Morgen genau am Canal du Centre gelegen ist, der die
Saône mit der Loire verbindet.
Morgen beginnt auch für mich ein neuer Abschnitt. Bis hierher, bin ich ja schon auf meiner Reise nach Spanien unterwegs gewesen. Ab jetzt ist alles Neu!! Auf geht' s Richtung Loire - Und Richtung Atlantik!! Wobei der Kanal erst einmal einen gewaltigen Schlenker nach Süden machen wird. Aber was soll`s, der Atlantik rückt näher- wenngleich es sicher noch um die 1000 km sein werden!
Letzter Nachtrag: Das Städtchen Verdun sur le Doubs ist ganz besonders schönes mittelalterliches Ensemble. Lohnt den Abstecher!!
Ach ja, eins noch! Dass Friederike nun auch infiziert ist, freut mich sehr. Wer weiß was wir noch alles zusammen unter die Räder nehmen!!






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