Freitag, 31. Juli 2015

15. Tag: von Chateauneuf nach Orléans

"Schaaaaaaade, Schade oh so schade!" schreit es in mir schon den ganzen Tag. Ich würde so gerne diesen klitzekleinen Rest ans Meer noch mitfahren.
Aber dafür habe ich morgen das größte Abenteuer vor mir: Mit dem Zug früh um 4.58 Uhr, nach Paris Austerlitz, dann Bahnhofwechsel nach Paris L'Est, das ist mit dem Rad etwa eine halbe Stunde zu fahren. Durch Paris! Ohne dass mir Manne oder sonst eine kompetente Person (z.B. Marie) vorausfährt.
Und dann noch dreimal umsteigen, Wartezeiten, Fahrrad in den Zug hieven, Taschen zuerst reinschmeißen( so wurde es mir aufgetragen), Platz erkämpfen usw. Wer wissen will, wie es mir erging, also ergangen sein wird, kann es im Sonntagsblog lesen.
Schon das Fahrkartenkaufen war ein Spaß für sich, die nette junge Frau am Schalten hat sich für mich eine halbe Stunde Zeit nehmen müssen.(nicht übertrieben!) Denn es gibt entweder Züge die keine Fahrräder mitnehmen oder solche die keinen Fahrradplatz mehr haben, oder man muss sein Fahrrad zusammenpacken... aber wie komme ich dann noch von Austerlitz nach L'Est? Als sie es geschafft hat, hat sie gejubelt, die Arme in die Höhe gestreckt, ich hab geklatscht und gerufen "Vous etes la..." dann fiel mir das Wort nicht so schnell ein und sie hat übernommen "la meilleure!". Zwei Kollegen kamen dazu, haben sich alles erzählen lassen, haben eigene Ideen zum Streckenplan geäußert, aber sie hat kompetent argumentiert, dass es nur so geht. Merci merci Madame la Meilleure!

Nun zum Fahrradtag: es war gemütlich, eine kurze Strecke und wir hatten Rückenwind. Die Loire muss man ja eigentlich vom Meer her fahren,  und wir wurden bisher jeden Tag von denjenigen bedauert, die es richtig geplant haben und uns entgegen kamen. Aber heute nicht!
Meine letzte Badestelle war am Badesee von Orléans und ich konnte mal wieder richtig schwimmen, über mir die Seeschwalben:


 Währenddessen hat Manne Tai Chi gemacht, die Schwertform, man beachte das Schwert!

 Und dann die Silhouette von Orléans: 

Was für ein gigantisches Bauwerk die Kathedrale, welch Demonstration von Macht:


Ein paar Fragen, die ihr lieben BlogleserInnen im Laufe der Tage gestellt habt, will ich heute noch beantworten:
Nein, es ist nicht langweilig, wenn man jeden Tag badet.( Carlheinz und andere)
Nein, man bekommt davon keine dünne Haut, und auch keine Schwimmhäute zwischen den Zehen. (Hubert)
Meine schönen pinken Schule sind leider inzwischen gräulich, aber sie waren wirklich perfekt. (Tina und Töchter)
Die melodische Blumenklingel kann man im Fahrradgeschäft in Engen kaufen und die Welt beneidet einen.(ja gell Rita)
Einer der praktischsten Reise/Badebegleiter war mein neues graugestreiftes Tuch, das mir als Handtuch, Umkleidekabine und Picknickdecke gedient hat. Einmal auch als Polster um elegant vom Steg ins Wasser zu gleiten.(Mario und Elisabeth) 
Man kann nicht immer nur schöne Fotos machen.(Marie)
Ja ich habe zweifarbige Beine, also sozusagen gestreift.(alle)
Und nein, wir lassen uns nach dieser Reise nicht scheiden! (Till und alle die sich heimlich Sorgen gemacht haben)

Das Schönste heute: der Rückenwind und Mdme la Meilleure!

Und nun mein Tag:

Es ist schon ein komisches Gefühl, Friederike beim Packen zuzuschauen. Es hat wirklich eine wunderschöne gemeinsame Reise, und ich kann mir nun gut vorstellen, meine künftigen Touren  nicht mehr allein zu unternehmen.
Nachdem wir heute Morgen, wirklich ganz gemütlich aufgestanden sind - nein Kirsten, auch wenn du den Eindruck hattest, wir sind  n i e bei Dunkelheit aufgestanden!!!!- haben wir die ersten Kilometer sehr tiefgründige Probleme ventiliert. Zum einen was wohl passiert wäre, wenn so ein Schlossbauer, wenn er ein neues Schloss gebaut hatte und es Chateauneuf genannt hat, auf einmal Lust bekam, noch ein Schloss zu bauen. Kennt jemand von euch ein Schloss oder einen Ort der Chateauneufneuf heißt? Wäre schön zu wissen.

Und ein weiteres großes Rätsel bescherte uns der heutige Tag:
Wie sortiert man Sand nach Farben? Ein riesen Sandwerk. Viele riesige Sandhaufen, und dann viele kleine Sandhaufen, schön nach Farben getrennt. Wer eine Antwort weiss, gerne als Kommentar oder per Email rüberschieben!!

Aber der nachhaltigste Eindruck auf der Fahrt nach Orleans war dieser Garten:

Da hat sich Pappi aber wirklich riesig gefreut, als er zum Geburtstag den neuen Heckentrimmer von Stihl bekommen hat, den mit den extra scharfen Dreifachklingen!!
Das ist nicht der Eingang zu einem herrschaftlichen Anwesen, mitnichten!  Links von diesem Gartenwunder steht ein stinknormales Einfamilienhaus, was den surrealen Eindruck dieses Gesamtkunstwerkes noch verstärkt. 
Orleans ist ein Ort, an dem es sich lohnt, etwas länger zu bleiben. Ich habe deshalb gleich das Zimmer um eine Nacht verlängert und werde mir die Stadt der Jeanne`d Arc etwas genauer anschauen. Die Kathedrale die wir heute Nachmittag angeschaut haben ist wirklich heftig. All die Fahnen und Wappen, das war schon ungewöhnlich. Auch die Altstadt hat Lust gemacht, Morgen noch etwas mehr zu sehen. Die Fachwerkhäuser, mit den vielen senkrechten Balken, habe ich bisher noch nicht oft gesehen.


Mal schauen, was die Stadt noch alles zu bieten hat. Da Friederike wirklich in aller Herrgottsfrühe los muss - und das liebe Kirsten, hat sie selbst so bestimmt,- wollen wir das Abendprogramm kurz halten. Allerdings gestaltete sich der Abend dann doch etwas länger. Das Aparthotel, in einer Art Studentenhochhaus, hat kein richtiges Bett, sondern ein Ausklappsofa. Wir waren kurz davor, unsere Bettstatt auf dem Boden zu aufzubauen, - doch dann oh Wunder! Machte das Sofa das, woher es seinen Namen hat, es klappte auf!! Ich werde es Morgen garantiert nicht wieder zuklappen. Das soll dann am Sonntag jemand anders machen.
Und dann hatte ich auf einmal den traurigen Anblick vor Augen, wie Friederike alleine ohne mich weiter- fährt:




Friederike! Ich freue mich schon auf künftige Abenteuer!
Und Ihr, liebe BlogleserInnen, hoffentlich haltet Ihr mir auch für den Rest der Reise die Treue, auch wenn die Tagesberichte vielleicht nicht mehr ganz so ausführlich ausfallen werden !
Bis Morgen!




Donnerstag, 30. Juli 2015

14.Tag: Von Briare nach Chateauneuf-sur-Loire


Beim Frühstück haben wir ein italienisches Radlerpaar getroffen, die in Nevers eingestiegen sind und bis zum Atlantik wollen. Im Laufe des Tages haben wir sie 3x wieder getroffen und wie sich rausstellte, sind sie auch wieder im gleichen Hotel. So trifft man sich wieder.
Der Tag ist ideal zum Radfahren, bewölkt, wenig Gegenwind, dafür aber sehr kühl. Wir kommen gut voran. Gien ist ein sehr malerischer Ort, vor allem wenn sich Wolkenberge dahinter auftürmen.


So langsam wird es sich nicht vermeiden lassen, auch mal ein Schloss von innen zu besichtigen. Sully-sur-Loire gilt als "Eingangstor" zur Loireschlösserpiste. Und es ist auch wirklich ein sehr beeindruckendes Exemplar von einem Wasserschloss:


Ob Walt Disney ein "Zeitreisender" war? Dann hätte er vor 600 Jahren die Schlösser bauen können, die er später dann kopieren wollte.
Mit den Fahrrädern und dem Gepäck ist es gar nicht so einfach Besichtigungen zu machen. Da aber neben dem Eingang schon ein halbes Dutzend Fahrräder mit Gepäck da standen, haben wir unsere einfach dazu gestellt. Die Besichtigung hat sich gelohnt. Auch wenn hier, wie so oft,  reingestellt wurde, was man so hat. Schöne Einrichtung, quer durch die Jahrhunderte. Das Gebäude selbst ist grandios. Vor allem die Dachkonstruktion hat mich sehr beeindruckt. Sie ist zugänglich:

 Im Reiseführersuperlativsprachgebrauch gilt diese Dachkonstruktion als die am besten erhaltene Dachkonstruktion der ? ??? - Milchstraße! - Sie ist aber auch wirklich grandios.
Einige Kilometer weiter, geht es mit Weltkulturerbe weiter. St. Benoit - ein romanisches Benediktinerkloster. Noch in Betrieb. Um 15:00 kamen die Mönche in die Kirche, zum Stundengebet. Wunderschöner Gesang. 
Was ich an romanischen Kirchen bisher noch nicht so gesehen habe, konnte man hier deutlich sehen. Offensichtlich waren auch die Steinreliefe und Skulpturen im Aussenbereich bemalt gewesen. Kommt uns heute eher befremdlich vor, aber hier hat man es ganz deutlich erkennen können. Vor allem Blau-Rot-und Grüntöne.

Friederike hat sich im Klosterladen eine Klosterschokolade gekauft. Das ist mir völlig neu, dass Benediktiner Schokolade machen. Schnaps, Bier, Liköre das sind ordentliche Mönchsartikel, aber Schokolade? Ob die heimlich in ihren Zellen, vor dem zu Bett gehen noch ein wenig naschen?
In Chateauneuf kommen wir um 16:00 in der Capitainerie an. Schönes Hotel direkt an der Kirche. Unsere italienischen Reisebekanntschaft ist noch nicht eingetroffen.

Und mein Tag? Also heute war ich müde, und wenn die Schokolade der Mönche nicht gewesen wär, dann wär ich vielleicht einfach auf der Strecke eingeschlafen. Es war wie wenn mich einer- und das war heute morgen eindeutig der Manne- frühmorgens aus dem Bett schüttelt, einen Kaffee einflößt und aufs Fahrrad setzt. Die Beinarbeit funktioniert ja automatisch. Und nachmittags dann vom Fahrrad gehoben und wieder ins Bett gesteckt. Ein anderes Hotelbett, denn wir sind ja inzwischen in Chateauneuf sur Loire. Da hab ich erstmal geschlafen und nebenher den Rest der Tafel Schokolade gefuttert. Ich glaub an den Schlafenszeiten müssen  wir noch arbeiten, wenn wir das nächste Mal auf Tour gehen.
Manne hat wieder super Alternativen zur Veloroute 6 gefunden. Messieurs! wenn ihr diesen Blog heimlich mitlest, dann meldet euch doch einfach bei uns, Manne zeigt euch gerne die kleinen Sträßchen, die eben nicht Hügel rauf - Hügel runter gehen. Und egal wie ausgestorben das Dorf ist, oder wie eilig die Leute unterwegs sind: Er findet immer einen, den er fragen kann. Da gibt es die verschiedensten Methoden, Aufmerksamkeit zu bekommen: von hinten anschreien, dass der arme Franzose erschrickt und sich umdreht, oder, bei Mädels, die an der Ampel stehen und Musik hören, kurz mal über den Flipflop-Fuß zu fahren.
Ich habe noch etwas wichtiges zum Belgischen Kreisel erfahren: Wenn der Mann vorne, sei es Abelard, Benoit oder Manne, den Kopf zur linken Seite neigt, dann die rechte Hand vom Lenker nimmt, und die Hand ans Gesicht führt- wohin genau sieht man von hinten ja nicht, ich sage euch es ist das rechte Nasenloch- dann, spätestens dann muss man die Windschattenposition weiträumig verlassen. Ich hab's auch versucht, als ich vorne war, aber hat nicht geklappt, dazu braucht man mehr Übung.
Es sind jetzt zunehmend mehr Fahrradfahrer unterwegs, sehr viele junge Familien und junge Paare mit einem Anhänger für das Kind.
Unsere Italiener haben wir in der Pizzeria wieder getroffen. Mal schauen, wie oft der Manne ihnen begegnet bis ans Meer. Wir sind übrigens heute am Schild 462 km bis St, Nazaire vorbeigekommen. Das ist ja ein klacks! Da muss der Manne noch ein paar Runden fahren, sonst sind wir gleichzeitig zuhause.
Pont du Canal im Morgenlicht- ich warte bis Manne seine Taichi -Übungen fertig hat
 Und wieder fahren wir auf ein AKW zu:


Das Schönste heute: die Schokolade

Mittwoch, 29. Juli 2015

13.Tag: Von Charité-sur-Loire nach Briare

Heute gibt es kein Badefoto und kein Schloss, versprochen Carlheinz.
Wir sind 76 km gefahren, die bisher längste Tagesstrecke, damit den Durchschnitt auf über 60 km pro Tag erhöht, wir nähern uns Orleáns. Und ich werde es tatsächlich schaffen bis nach Orléans zu kommen. Noch 90 km!
Gesehen haben wir heute 2 Lamas, 2 Rehe, die eine oder andere Bisamratte und Eisvögel, Sonnenblumenfelder und andere gelbe Blumen.
Am Morgen hat es in Strömen gegossen, eine Vierergruppe belgischer Radler aus unserem Hotel hat deshalb beschlossen den Heimweg anzutreten. Wir fragen lieber nicht, ob sie den Wetterbericht für die nächsten Tage gesehen haben. Manne packt Bein-und Armlinge nach oben, ich ziehe an, was ich habe. 


Bald nieselt es nur noch, bald kommt die Regenhose weg, dann die Fleecejacke unterm Anorak und dann wird es ein richtig schöner Radtag, an dem ich natürlich auch gebadet habe- in der Loire, sehr kühl und sehr viel Strömung.


Auf unserem Radweg kommen wir fast durch das AKW durch und das Gespenstische ist, dass auf dem großen Parkplatz für die Angestellten nur ein einziges Auto parkt, am Gebäude dann noch ein zweites. Es ist mitten am Tag und unter der Woche, arbeitet dieses Ding völlig alleine? Das ist nicht wirklich vertrauenerweckend. Zeigen kann man das leider nicht, denn fotografieren ist verboten.
Stundenlang fahren wir auf dem Damm, am Kanal, an der Loire entlang und sogar durch einen Kiefernwald. 
Sancerre soll eine sehr interessante Stadt mit Schloss und Kathedrale sein, sagt unser Reiseführer, aber das sind mindestens 150 Höhenmeter. Wir beschließen, dass auch dieser Blick sehr schön ist:
Heute sind ein paar Gruppen Radler unterwegs, die wir immer wieder treffen:
-ein junges Paar mit Kinderanhänger, die immer dann Pause machen müssen, wenn's hinten schreit. Noch ein ganz kleines Kind, vielleicht 8 bis 9 Monate alt. Ist sicher gemütlich für das kleine, den ganzen spazieren zu fahren. Sie kommen erstaunlich schnell voran. 
-viele Holländer, alleine oder als Paar oder in größeren Gruppen, mit den für Fahrradfahrer in Frankreich erforderlichen grellgrünen Schutzwesten.
-einige Paare mit Tandem, wobei immer mindestens ein Partner echt dick und unbeholfen wirkt. Meist, das muss ich zugeben, ist es die Frau. Alle Achtung! und dann so eine Reise mit Gepäck! Manne sagt, dass die Frauen auch wirklich stramme Wadeln haben. Na dann!

Das Schönste heute: das Wetter, das immer besser wurde. Es gab einen richtig schönen Sonnenuntergang am Pont du Canal. Das ist das Stichwort für Manne:

Und nun mein Tag:

Der 13. Reisetag begann, wie es sich für einen 13.Reisetag gehört. Ich komme nach dem Frühstück zurück zu unserem schnuckeligen Häuschen, da stehen die Taschen, die Fahrräder, aber wo ist Friederike? 
Dann sehe ich eine knackige Radlerhose aus den  Büschen, wie sagt da der Schweizer, "hervorlugen"  Was macht Friederike da? Nicht lustig, sie sucht den Verschluss von der Wasserflasche, der ihr aus dem Korb gefallen ist. Wir suchen gemeinsam, dann kommen die Belgischen Freunde. Wir suchen zu Viert, wir holen eine Taschenlampe, wir holen allen möglichen Müll aus den Büschen, aber der Schraubverschluss bleibt verschwunden. In der Hoffnung, dass man ihn nachbestellen kann, fahren wir ab. In den Regen.
Für 2 rumänische Lastwagen muss es auch der 13.Reisetag gewesen sein. Es war ein höchst erhebender Anblick, wie sie versucht haben - vermutlich auf Empfehlung ihres Navis auf unseren Radweg einzubiegen.
Der Versuch rückwärts wieder herauszufahren war nach einigen  Bemühungen -  und dem Umpflügen des Rastplatzes,  erfolgreich.

Was die Jungs danach vor hatten, muss allerdings übel ins Auge gegangen sein. Denn nach meiner Karte endet der Weg, in den sie jetzt eingebogen sind, nach ca 500 m in den Feldern. Aber wer weiß, vielleicht haben sie ja nur einen lauschigen Badeplatz gesucht.
Für uns lief  der 13.Reisetage ansonsten eigentlich von Stunde zu Stunde erfreulicher ab.
In Chatillon-sur-Loire habe ich sogar Gelegenheit gehabt, ausgiebig den "Pfad der Poesie" kennen zu lernen  (während Friederike mal wieder in der Loire plantschte).
Er war mir eigentlich von Anfang an sympathisch, erinnerte er mich doch sehr an unsere  Schulkunstausstellungen, der vergangenen Jahre.

Zum Glück stellte sich heraus, dass es im Grunde genau das war. Künstler der Region, haben mit Schulklassen den "poetischen Weg" gestaltet. Schöne Idee.
Unsere "Auberge du Pont de Canal" liegt am Highlight unserer heutigen Etappe.Die 5. Kanal-über-Fluss Brücke ist gleichzeitig die imposanteste. 1000m lang und vom Eiffel, Gustav konzipiert. Sieht man auch sofort. Nicht einfach so ein schnöder Zweckbau, eine Brücke für Boote. Nein, das ist ein richtiger Boulevard für Schiffe mit wunderschönen Straßenlaternen und Drachen und allem was dazu gehört. Bis 2004 soll es die längste Kanalbrücke der Welt gewesen sein. Was danach passierte, weiß ich nicht.


In unserer Auberge haben wir lecker zu Abend gegessen. Ich Kalbskopfsülze. Nach einigen weniger erfolgreichen Ausflügen in die französische Küche, war das ein echtes Highlight. Auch Friederike nicht von versuchen wollte.
Aber vor dem Essen wurden wir leider auch mit der hässlichen Seite vom schönen Frankreich konfrontiert. Zwei nervig laute "Marie-Le-Pen Damen" (offensichtlich gibt es diese Blondtönung inzwischen im  "Marie-Le-Pen-Fan-Shop" zu kaufen) , die sich herabgelassen hatten, in dieser "Kneipe" ihren Aperitif zu sich zu nehmen, war der Kellner offensichtlich nicht schnell genug beim Aufnehmen ihrer Bestellung, worauf hin die eine giftig " Parlez-vous français?"  zu ihm sagte, wohl in der Annahme, dass er aus dem Maghreb stamme. Ich hätte die beiden wirklich würgen könne.
Zum Schluss noch etwas erfreuliches. Als ich dieses Häuschen am "Eiffel, Gustav seiner Kanalbrücke" gesehen habe, dachte ich,"hier muss mein Freund Magritte heimlich Urlaub gemacht haben", oder?



Bis Morgen!





Dienstag, 28. Juli 2015

12. Tag von Nevers bis Charité-sur-Loire

Heute war entspanntes Aufstehen angesagt, Das Hotel sehr nett, aber auch ein bisschen creepy. Der junge Betreiber ( Hotel geerbt?), eine französische Variante von Dilbert, hat ein Faible für Katzen. Er behauptet, es würden nur 8 Katzen im Hotel rumlaufen. Mir kam es so vor,  als wären es viel mehr. Zumal noch Dutzende von Porzellankatzen, Katzenteekannen, Stoffkatzen, Katzenbilder, Katzenposter.... rumstanden und rumhingen.
Aber das Frühstück war gut. Selbstgemachter Joghurt, selbstgemachte Marmeladen, selbst gebackener Kuchen. Ob da die Frau Mama im Hintergrund Regie führt?
Kurz hinter Nevers die 4.(?) Kanal-über-den-Fluss-Brücke. Langsam gewöhnt man sich daran. Doch diese war besonders beeindruckend. Sowohl was die Loire anbelangt, als auch die Länge und Höhe der Brücke betreffend.


Besonders beeindruckend bei dieser Anlage ist, dass unmittelbar hinter der "pont du canal" eine Schleuse kommt. Das heißt kommt ein Schiff über die Brücke, muss es gleich in eine Schleuse, die dementsprechend einen erheblichen Höhenunterschied ausgleichen muss.



Es geht gemütlich weiter durch verschlafene Dörfer. Aber in fast jedem ist eine romanische Kirche aus dem 11. oder 12.Jahrhundert. Der Radweg wechselt immer wieder zwischen Loireseitenkanal und der Loire. Und dann kommt Friederikes Höhepunkt des Tages:

An den Boucle de la Loire riesigen Sandbänken machen wir Mittagspause. Davon wird Friederike sicher gleich mehr erzählen.

Der teils heftige Gegenwind hält uns nicht davon ab, gegen 15:00 Uhr Charité-sur-Loire zu erreichen. Der Stadt der "Bücher und Worte":

Die schiefergrauen Dächer mit den siennafarbenen Kaminen, im Nachmittagslicht ergeben ein ganz besonderes Ensemble. Wie überhaupt das Städtchen ein ganz eigenes Flair hat. Nicht herausgeputzt, nicht auf "Drosselgasse" getrimmt, eher eine wilde Melange aus Stilen und Epochen. Auf die karolingische Siedlung wird um 1000 eine neue Siedlung und eine gewaltige romanische Kirche gebaut.Dann wird eine Steinbrücke über die Loire gebaut, die die Stadt zu einem wichtigen Pilgerort auf dem Jakobsweg macht. Jean d'Arc belagert die Stadt, in den Hugenottenkriegen wird sie zu großen Teilen zerstört und all das spürt man in der Altstadt, besonders in der Kathedrale, die eine wilde Mischung aus verschiedenen Epochen darstellt, die ungeschönt ineinander verbaut sind. Ein wenig unheimlich, der ideale Schauplatz für eine Gothic Novel



Überall von grünen Moosen oder Schimmel überzogen. Winzige Häuschen, die in die Kirch "eingewachsen" sind

Etwas vergleichbares ist mir noch nicht untergekommen. Unser Hotel liegt auf einer Insel zwischen zwei Brücken. "Zum guten Arbeiter" - und passt zum Ambiente der ganzen Stadt. Richtig schön.

Unser Zimmer in einem kleinen Häuschen im Anbau:

Dass es inzwischen regnet stört nach dem leckeren Abendessen überhaupt nicht. Hauptsache Morgen früh hört es wieder auf.
So jetzt ist Friederike dran.

Ja eigentlich wollte ich mich grad umdrehen und schlafen. Habe zwei leckere verts du rosé zum Abendessen getrunken und dann noch einen Rotein spendiert bekommen - und getrunken, klar!
Es war ein perfekter Radfahrtag und ich habe so viel gesehen:
-morgens die Schwalben, die über den Kanal flogen und zum trinken ganz dicht über das Wasser flogen
-die Wolken, immer wieder die Wolken
-die Angler und Freizeitkapitäne auf den kleinen Motorjachten und auch mal ein paar Fischer mit Außenbord
-die Rinder und Schafe auf der anderen Seite des Deichs- ja wir sind ganz lange auf einem Deich gefahren, die Loire war ganz weit weg, aber offensichtlich ist das Hochwassergebiet.
-die Loire mit all ihren Seitenarmen, Umwegen und Sandbänken
-Schleusen, Brücken, Kirchen und kleine Dörfer
-kleine Möwen, nicht viel größer als Meisen

Und ich habe in der Loire gebadet! Das Wasser war kühl und mit starker Strömung, ein weites, flaches Flußbett, große Sandbänke, fast kleine Inseln.  Der Untergrund weich, sandig, man konnte sich darin festkrallen und so in der Strömung gut halten. Massage pur!

 Und das war das Schönste heute:





Montag, 27. Juli 2015

11.Tag: Von Bourbon-Lancy nach Nevers




Wir waren zu sechst für den belgischen Kreisel und das hat sehr gut funktioniert: Abelard, Benoit, Charles, Dominic, Emil und Frederic haben sich gleichmäßig abgewechselt. Von unseren 75 km, die wir heute gefahren sind, waren nämlich 45-50 km heftige Gegenwindstrecke. Manne war A, B, C, D und E und ich war Frederic. Danke A bis E, das habt ihr gut gemacht!

Die Strecke hatte uns gestern beim Planen schon Kopfzerbrechen bereitet, der Radweg macht heftige Schleifen im Hügelgelände und als Alternative gibt es  zwei große Straßen die D 979 und die D15, keinen Treidelpfad am Wasser. Wir versuchen die D 979, aber beim zweiten Laster, der an mir vorbei brettert gebe ich schon auf, das ist zu grässlich! Wir schlängeln uns am Fuß der Hügel entlang, Manne immer mit Karte und seinem inneren Kompass, der sich nicht verwirren lässt. Lob, Lob, Lob! Und als selbst er mal nicht weiter weiß, kommt uns das einzige Auto auf dieser Strecke entgegen und der Einheimische erklärt uns den Weg. 
Bald schon wechseln wir auf die andere Seite des Kanals, fahren auf die nicht sehr stark frequentierte D15 und kommen durch völlig verlassene Dörfer:
Aber in Gannay-sur-Loire gibt es einen kleinen Laden mit Cafe-Bistro und wir bekommen einen wunderbaren normannischen Apfelkuchen serviert- noch warm- und Früchtecocktail aus Mango, Kiwi und Banane.
Nach etwa 35 km kommen wir endlich am Loire Radweg, welch ein Glück:
Jetzt geht es nur noch neben dem Kanal entlang bis nach Nevers.  


Und zum Schluss müssen wir die Räder noch auf einen Damm hieven:

Das Schönste heute: Dass die dunklen Regenwolken immer nur über uns hinweg gezogen sind, wir haben kaum einen Spritzer abbekommen. Ja, man wird bescheiden.

Und nun mein Tag:

Heute früh. Heftiger Regen. Immer wieder peitschen Regenböen gegen das Fenster.
Angesichts der ungenauen Kartenlage, sind wir heute Morgen trotzdem  früh aufgestanden. Vielleicht etwas zu früh. 
Zumindest hatte ich den Eindruck. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon vorher einmal mit einer Erd-männchenfrau gefrühstückt habe.Etwas verkrampft offen gehaltene Augen und immer kurz davor, schlagartig rechts vom Stuhl zu fallen, so sass Friederike heute Morgen vor mir.
Zum Glück hat der Regen kurz vor Abfahrt aufgehört. Und Erdfrau Frieda war auch spätestens am ersten Hügel wach. 
Die Strecke Richtung Nevers, Friederike hat es schon angedeutet, hätte locker auch um die 100 km lang sein können. Manchmal ist es nicht so ganz nachzuvollziehen, wie der Streckenverlauf des Eurovelo ausgewürfelt wird. Sicher hätten wir heute erhebliche Schwierigkeiten bekommen, wenn wir die vorgeschlagene Route ganz ausgefahren wäre - oder, siehe oben, die als "im Ausbau befindliche" Strecke nicht fertig gewesen wäre.
Aber eigentlich ist alles super gut gelaufen. - Bis auf den Gegenwind. 

Und dann keine richtige Mittagspause mit Bademöglichkeit! Und das schon den 2.Tag. Dafür hat sich Friederike wirklich extrem gut gehalten. Der Belgische Kreisel funktioniert inzwischen wirklich hervorragend.
So langsam verstehe ich die Empfehlungen auf den diversen Seiten, die Fahrt vom Meer nach Basel zu fahren. 
Aber wer singt  schon gern "La Mer" und fährt in die andere Richtung.

16:00 im Hotel in Nevers. Da bleibt wenig Zeit für das Touristenprogramm. Raus aus den Radlerklamotten und auf die Touripiste!!
Nevers hat wirklich einiges zu bieten.

Die Kathedrale, St.-Cyr et Ste.-Julitte ist ein gewaltiges Gebirge, das aus der Altstadt herausragt. 

Jede Menge Wasserspeier, das ganze gotische Programm. Doch der Innenraum ist fast noch gewaltiger.

Beeindruckend auch der Mut zu moderner Kirchenfenstergestaltung. Manche haben mir recht gut gefallen. Einzig die großen Fenster in der Apsis sind nicht so ganz mein Geschmack. Die Bedeutung der "fliegenden Toastbrotscheiben" im Kirchenjahr konnte ich nicht so ganz nachvollziehen.
Das Highlight der Stadt ist der "Palais Ducal", einer der schönsten Renaissancebauten Zentralfrankreichs. 
Von außen. Wie er innen genutzt, beziehungsweise umgebaut und umgenutzt wurde, darüber lässt sich streiten.

Aber jetzt ist es gut. Morgen schlafen wir aus. Kürzere Tagestour, hoffentlich weniger Gegenwind und Frühstück mit ohne Erdmännchenfrau.









Sonntag, 26. Juli 2015

10.Tag: Von Paray-le-Monial nach Bourbon-Lancy

  WIR SIND AN DER LOIRE! Tataaa!

Doch der Reihe nach. Aus Paray-Le-Monial führt der Radweg immer dem Canal du Centre entlang. Die Zahlen der Schleusen deuten es an. Es kann nicht mehr lange dauern, bis wir die Loire erreichen. Der Morgen ist frisch. Der Himmel bewölkt. Man kann die ärmellose Jacke vertragen. Der Weg ist, wie die Tage zuvor unglaublich schön. Heute Morgen ist der Franzose auf der Piste. Jede Menge Radfahrer. Die meisten im Tour de France Outfit. Und die meisten fahren, als müssten sie unbedingt bis zum Finale der Tour, spätestens heute Nachmittag, wieder vor dem Fernseher sein.

Nach 15 km ist es dann soweit:
Ein verrückter Anblick:

Unten die Loire, die wie man unschwer erkennen kann alles andere als schiffbar ist, oben auf der Brücke der Canal du Centre, der ein paar 100m weiter in den Canal Lateral, den Loire-Seitenkanal übergeht. So langsam wird es schwierig,  sich die vielen Kanäle zu merken, zumal nicht weit von hier noch ein anderer Kanal der Canal de Roanne in "unseren" Kanal einmündet.

Was mich immer wieder verblüfft ist, wie alt diese Bauwerke schon sind. Genial.
Von hier ab geht es nur noch Richtung Meer: 
Deshalb werde ich jeden Morgen mit:

 "La Mer"  beginnen. Wer will klickt einfach das Link nebenan an und singt mit uns - so etwa um 9:00, wenn wir in die neue Tagesetappe einsteigen: 

"La mer 
Qu'on voit danser le long des golfes clairs 
A des reflets d'argent 
La mer 
Des reflets changeants 
Sous la pluie....

Die letzten Tage haben wir ja immer wieder mit dem Eurovelo 6, oder genauer mit dem Kartenmaterial vom Huber Verlag gehadert. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass die Karten 2010 herausgekommen sind, der Stand der Informationen zum Radwegenetz dementsprechend noch älter. Auf dem Weg ans Schwarze Meer hat das nicht viel ausgemacht.  Radwege gab es ab Budapest eh nicht und daran hatte sich auch 2014 nichts geändert. Also topaktuell.
Anders hier in Frankreich. Die vielen "Schlenker" in die Berge, sind vielfach nicht mehr nötig, weil die Radwege am Fluss oder Kanal oder nahe der Loire inzwischen existieren und in super gutem Zustand sind. Heute war es der reine Genuss. Bei der Planung der heutigen Etappe sind wir noch davon ausgegangen, das nach Digoin, die etwa 35km lange Schleife in die Hügel nötig ist. Doch welche Überraschung die rotgestrichelte Linie entlang des Seitenkanals ist bereits fertig.

Mit etwas gutem Willen kann man rechts Digoin erkennen und dann eine wilde rote Zickzacklinie - das war einmal. Zwischen den gelben Straßen kann man den Kanal erkennen und daran entlang ging es heute fast den ganzen Tag. Und das letzte Stück nach Bourbon-Lancy, war eine Luxusradwegautobahn. Wenn das so weitergeht, dann schaffen wir das Morgen bis Nevers spielend. Und dann ist schon fast die Hälfte der Strecke "ans Meer" geschafft.
In Bourbon-Lancy sind wir schon um 14:00. Auch gut. Sonntag Nachmittag, gemütlich ausruhen!
Friederike ist heute  zufrieden. Kleiner Badesee direkt am Hotel. Zimmer mit Blick aufs Wasser. Da gibt es keinen Grund zur Klage:

Das Städtchen (knapp 6000Ew) ist für seine Thermen bekannt. Hauptsächlich medizinisch, weniger Wellness.Nichts für mich, mir ist es - trotz des bewölkten Himmels fürs Thermalbad viel zu warm. 
  
Tja war leider nichts: der Badesee ist mit irgendwas verseucht, man darf weder baden noch die Fische essen, die man angelt. Ein netter Bademeister- der untätig herumstand- hat mir Bescheid gesagt, als ich gerade bis zu den Knien im Wasser war. Hatte mir schon so etwas gedacht, da hingen verdächtig aktuelle Verbotsschilder, deshalb bin ich besonders langsam hineingegangen und hab gewartet, wie er reagiert. Ich nehme mal an, dass ich die letzten Tage auch manchmal in nicht ganz einwandfreiem Gewässer geschwommen bin, aber wenn man's dann weiß... Und das Thermalbad ist eher medizinisch, das Schwimmbad hat nur unter der Woche offen und der Spa mit Sauna, Hamam und Thermalbecken am Sonntag bis 12.30 Uhr.
Aber das mittelalterliche Bourbon-Lancy ist sehr hübsch:

 Wer will schon Weisheit?

Und hier noch zwei Fotos von unserem Tag: "Ocean 26", die letzte Schleuse am Canal Central, 



 Mittagspause in Gilly-sur-Loire:

Das Schönste heute ist das Radfahren: Man sieht so viel, hat so viel Zeit nichts zu denken oder ganz viel, zu singen oder mit den Vögeln zu sprechen und kommt doch zügig weiter. Morgen haben wir bald schon die 600 km! Ich hätte nie gedacht, dass ich so weit kommen würde! Schon beginne ich auszurechnen, ob es nicht doch bis Orleans reicht... Man wird sehen!